Gars Control erweckt Roboter zum Leben

von Redaktion

Schüler, die ungeduldig vor der Klassentür auf den Unterrichtsbeginn warten: Unglaublich, aber wahr am Gymnasium Gars. Dort ist der Wahlunterricht Robotik der Renner. Ein Besuch im Unterricht.

Gars – „Endlich!“ Erwartungsfroh springen die Schüler vom Boden auf, als sie Lehrer Marco Grees im Gang sichten. Der Studienrat hat den Schlüssel für die Welt der Robotik in der Hand, in die jeden Mittwoch drei Gruppen mit insgesamt 26 Schülern im Alter von zehn bis 17 Jahren begeistert eintauchen.

Die Schulranzen fliegen in die Ecke des Klassenzimmers und schon stürmen alle los in Richtung der Schränke mit den Lego-Materialien und Tischen, die wenige Minuten später von Mini-Robotern erobert werden. Unglaublich, was sie alles können: Würfel aus Bausteinen transportieren und an einem vorher millimetergenau festgelegten Platz ablegen, eine lange Reihe von Dominosteinen aufstellen und zu Fall bringen, ein Auto durch ein Labyrinth von Hindernissen steuern, einen Zauberwürfel drehen, mit einem Greifarm einen Gegenstand aufheben.

Erfolg in der

Lego-League

Das klappt am Gymnasium Gars so gut, dass die Experten der Schulteams unter dem Namen „Gars Control“ sogar schon sehr erfolgreich an internationalen Wettbewerben der Lego-League, einer Art Champions League der Roboter, teilgenommen haben. Eine Vitrine zeigt die vier Urkunden, welche die Mannschaften bereits gesammelt haben – und die siegreichen Arbeiten.

Jüngste Erfolge: Platz drei beim Regionalwettbewerb St. Pölten, der die Teilnahme am Österreich-Finale ermöglichte (Anmerkung der Redaktion: Bei den Lego-Wettbewerben können Teams auch in Turnieren anderer Länder starten, wenn es in Deutschland keinen Platz mehr gibt). In Gesamt-Österreich schafften es die Garser, einziges ausländisches Team, auf Platz neun. In einer Zeit von zwei Minuten und 18 Sekunden mussten ihre Roboter neun Aufgaben im Orbit, einem nachgebauten Weltraum, erledigen. Das schafften sie fast perfekt.

Aktuell steht schon wieder die Vorbereitung eines Wettkampfes auf dem Wahlunterrichtsplan: Bei der „World Robot Olympiad“ gilt es, eine „smart city“ mit künstlicher Intelligenz auszustatten. Weltweit tüfteln Schüler wie die Garser an den gleichen Aufgabenstellungen – auf einer drei Quadratmeter großen Unterlage in Tischgröße.

Tobias Giebel und Max Rapolder aus der 10b bauen hierauf in Windelseile aus einer großen Tüte voller Steine die Landschaft zusammen, in der sich die Roboter bewegen werden. Anleitungen benötigen die Jugendlichen nicht, das dreidimensionale Denken ist ihnen bereits in Fleisch und Blut übergegangen.

Auch zwei Mädchen beim Robotik-Team

Michael Huber aus der 8b, Simon Raupach aus der 10b und Moritz Stadler aus der 9a konstruieren derweil bereits die Roboter. Sie bekommen Greifarme angesteckt, die Bausteine packen können, Sensoren, die beim Fahren Hindernisse und Zielobjekte erkennen, Motoren, die sie antreiben. Beim Wettbewerb müssen die Schüler diese Roboter aus dem Kopf heraus nachbauen, „sonst könnte man ja denken, Erwachsene haben die Aufgaben für uns gelöst“, erläutern die Jungs, warum sie ihre fertigen Arbeiten daheim lassen müssen. „Es ist einfach toll, wenn unsere Konstruktionen am Ende mit Leben erfüllt werden“, sagen die technikbegeisterten Gymnasiasten.

Ohne den Einsatz von Anton Resch klappt dies allerdings nicht. Der Schüler aus der 9a ist der Programmierer im Team. Der 15-Jährige haucht den kleinen Maschinen künstliche Intelligenz ein. Im optimalen Fall tun sie dann genau das, was „Gars Control“ will. Bis es soweit ist, muss oft wochenlang nachjustiert und an der Aufgabenstellung gefeilt werden, berichtet Anton, der sich das Programmieren daheim am PC selber beigebracht hat. Programmierer will er jedoch wahrscheinlich nicht werden. Nicht abwechslungsreich genug ist ihm dieser Beruf, weiß er bereits. Denn im Arbeitsalltag sind die Aufgabenstellungen selten so spannend wie bei den Lego Games.

Auch bei den Anfängern Felix Thöring und Henry Nebel aus der 6d hört der Roboter bereits aufs Wort, könnte man meinen. In Wahrheit ist es eine perfekt programmierte Software. Nach zwei Schulstunden lässt die winzige Maschine auf dem Unterrichtstisch ein Reptil aus Steinen dahinschlängeln. „Geschafft“, freuen sich die Buben und zeigen das Ergebnis stolz Studienrat Tobias Bauer.

Auch die beiden einzigen Mädels im Wahlunterricht feiern ihren ersten Erfolg. Ein kleines Fahrzeug fährt auf ihr Kommando vier Sekunden lang vor und zurück. Paula Martinez-Spiel und Freundin Lilly Kraus aus der 5c strahlen vor Freude. „Wir wollten mal was ganz anderes machen“, erläutern sie, warum sie sich im Robotik-Team angemeldet haben. Ausschlaggebend war Paulas Bruder. Der hatte daheim tolle Geschichten über das Projekt erzählt und die beiden Mädchen so neugierig gemacht, dass sie sich ebenfalls in die Truppe getraut haben, in der zum Bedauern von Studienrat Grees nach wie vor die Jungs in der großen Mehrheit sind.

In keinem anderen Fach stellt Lehrer Marco Grees eine solche Begeisterung für das Lernen fest wie im Wahlunterricht Robotics. Sogar in den Ferien drücken die Jugendlichen freiwillig die Schulbank. Auch mittwochs sitzen sie gerne nach – und hängen noch eine Stunde Tüfteln, Konstruieren und Programmieren dran.

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