Waldkraiburg – Auch wenn es heuer nicht optimal läuft für die Löwen, es ist über weite Strecken eine Erfolgsgeschichte, die da im Winter des Jahres 1968/1969 begann. Eine Gruppe um den Miesbacher Heini Hitzenberger, Manfred Ahnert und Günther Pfohl, Großvater des aktuellen Nationalspielers und DEL-Profis Fabio Pfohl, fand sich damals zusammen, um die Eishockeyabteilung im VfL Waldkraiburg ins Leben zu rufen.
Wer hätte es damals für möglich gehalten, dass daraus einmal ein Verein würde, der ein Jahr sogar in der 2. Bundesliga vertreten war und bei dem mehrere deutsche Nationalspieler ihre ersten Schritte machten?
Große Spieler aus
der EHC-Schmiede
Der Großteil der „ersten“ Waldkraiburger Eishockeyspieler waren Spätaussiedler aus der ehemaligen Tschechoslowakei, die mit einigen eingesessenen Waldkraiburgern gemeinsame Sache machten. Sie legten den Grundstein für das heutige Eishockey in der Industriestadt. Ab der Saison 1971/72, zu der auch die heutige Raiffeisen-Arena, damals noch als offene Kunsteisbahn, eröffnet wurde, nahm eine Mannschaft am Spielbetrieb in der Kreisklasse teil. Gemeinsam mit dem ESC Dorfen, dem EHC München, dem EC Königsdorf, dem EC Gaißach, dem EC Höhenkirchen und dem EV Rosenheim 2. Im Kader standen damals unter anderem die Torhüter Vit und Dedek, in der Defensive Georg Schindler, Adi Müller, Adi Hübel, Miro Tesinsky, Edi Dedek. Im Angriff mit von der Partie waren unter anderen die Schwarzer-Brüder Paul und Georg, Ernst Fischer, Franz Spacek, der heute noch oft und gern im Stadion gesehene Peter Hoff und Peter Ullmann – Vater von Christoph Ullmann, der über 220-mal das Nationaltrikot trug.
Gründervater Hitzenberger stand damals an der Bande, Co-Trainer und später Cheftrainer war Verteidiger Adi Müller. Der denkt heute noch gerne an die alte Zeit zurück: „Zuerst hatten wir eine Eisplatte am Volksfestplatz, dann kam das Stadion und bei der Eröffnung war ich Kapitän.“ Gespielt wurde zunächst noch mit Wollhandschuhen, „und die Schienbeinschoner waren aus Papperdeckel“.
„Mit den verschiedenen Nationalitäten hat das einwandfrei funktioniert“, sagt Müller, der auch im Nachwuchs viele Spieler trainierte und später in Gendorf und Trostberg beim Eishockey Aufbauhilfe leistete.
Bereits nach drei Jahren gelang der erste Aufstieg der Vereinsgeschichte in die Landesliga, gefolgt von zwei weiteren Aufstiegen direkt in die Regionalliga. 1983 ging es erstmals in die drittklassige Oberliga. Und nach zwei Jahren gelang sogar die Sensation: Waldkraiburg hatte sich für 2. Bundesliga, die zweithöchste Spielklasse im deutschen Eishockey qualifiziert. Trotz sportlichen Klassenerhalts folgte im Sommer 1986 der Rückzug in die Landesliga Bayern.
Wenige Jahre später waren die Löwen wieder in der Oberliga Süd. 1991 spaltete sich die Eishockeyabteilung vom VfL ab und war von nun an als EHC Waldkraiburg aktiv. „Das waren viele erfolgreiche Jahre, und auch wenn es immer wieder mal Abstiege gab, sind wir auch immer wieder aufgestiegen und haben viele eigene Spieler herausgebracht“, erzählt Urgestein Adi Müller.
In all den Jahren war Georg „Schorsch“ Koller im Verein in erster Linie als Chef-Einkäufer aktiv. Er lotste zahlreiche Spieler der Extraklasse in die Industriestadt. Jamie Hanlon machte 1991 in 42 Oberliga-Spielen 121 Scorerpunkte (81 Vorlagen), spielte später in der DEL für Krefeld. Außerdem holte er aus Übersee Spieler wie Mike Taylor, Edward Neighbours, Douglas Owen, Jeff Tessier, Mark McGuire, Eric Stokes, Brad Scott, Mark Lori, Robert Giffin, John Goodman, Ritchie Herbert, Paul Pedinelli, Steve Schäfer, Andrew Steward, Scott McDonald, Kelly Morel, Scott Nichol oder Jeff Mead. Aber auch aus Schweden, der damaligen Tschechoslowakei oder Russland wurden Spieler geholt.
Sie alle werden aber überstrahlt von einem einzigen Spieler, der heute noch in Waldkraiburg lebt und auch beim Legendenspiel nicht fehlen darf: Zdenek Cech. Mit 319 Toren und 285 Vorlagen in 249 Spielen ist er Führende in der vereinsinternen Scorerliste. Der heute 59-Jährige kam 1993 und ist geblieben. Wenn man an Spieltagen freundlich fragt, schenkt er einem in der Stadiongaststätte auch mal ein Bier aus.
Stolz können „Die Löwen“ darauf sein, dass sie Spieler wie Rainer Zerwesz, Martin Walter, Christoph Ullmann, Markus Draxler oder Fabio Pfohl in die DEL brachten, die zum Teil heute noch aktiv sind und Nationalspieler wurden. Im letzten Jahrzehnt machte das Waldkraiburger Eishockey noch mit einigen Erfolgen in der Bayernliga, der vierthöchsten Spielklasse von sich reden. Dem Vizemeistertitel 2006 folgte die bayerische Meisterschaft 2008, nach dem „Betriebsunfall Abstieg 2010“ der Gewinn des bayerischen Pokals und der direkte Wiederaufstieg 2011, die Meisterschaft 2016 und der Oberliga Aufstieg.
In der aktuellen Saison geht es leider wieder runter. Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass es für das Waldkraiburger Eishockey dann auch immer wieder nach oben geht! „Solche schwierige Situationen passieren leider immer einmal. Aber wir haben uns immer wieder darappelt. Das wird auch jetzt so sein.“ Da ist sich Adi Müller sicher. Ob der erste Kapitän des EHC Waldkraiburg beim Legendenspiel in der heutigen Raiffeisen-Arena dabei ist? Da muss der Müller nicht lange überlegen. „Ja freile!“