Vor 50 Jahren war Aufbruchstimmung

von Redaktion

Dekanat Waldkraiburg feiert Jubiläum der Pfarrgemeinderäte

Waldkraiburg – Seit 50 Jahren gibt es in Bayern Pfarrgemeinderäte. Sie gestalten aktiv das Leben in den Pfarreien. Anlass genug für den Dekanatsrat Waldkraiburg, dieses Jubiläum im Rahmen der Frühjahrsvollversammlung zu feiern, mit einem hochkarätigen Referenten: Prälat Peter Neuhauser.

Nach dem II. Vatikanischen Konzil wurde die Grundlage für die heute bekannten katholischen Laiengremien und deren Mitspracherecht gelegt, sowie eine Mustersatzung für Pfarrgemeinderäte erarbeitet. 1968 wurden dann zum ersten Mal Pfarrgemeinderäte gewählt.

Den Abend im Pfarrheim Gars eröffneten Dekan Pater Ulrich Bednara und Klaus Schex, Vorsitzender des Dekanatsrates Waldkraiburg. Wie sich herausstellte, waren viele der Gäste an diesem Abend bereits über mehrere Wahlperioden aktive Pfarrgemeinderäte.

„Ü50-Party?“ – dieser Titel der Veranstaltung sollte die Frage aufwerfen, ob diese 50 Jahre nun die Phase der Midlife-Crisis sind. Oder – da die Kirche ja immer in Jahrhunderten denkt – die Pubertät und das Erwachsenwerden vielleicht erst noch bevor stehen?

Der Referent, Prälat Peter Neuhauser, war als junger Kaplan Mitglied der gemeinsamen Synode der westdeutschen Bistümer in Würzburg von 1971 bis 1975 (Würzburger Synode). Er war also dabei, als sich die Kirche in Deutschland mit den Beschlüssen dieser Synode einer grundlegenden Veränderung unterzog.

Neuhauser machte klar, es gehe nicht um die Kirche als Selbstzweck, sondern um die Verkündigung des Evangeliums. Die Kirche brauche heute Transparenz. Sie agiere noch immer als „Männerkirche“ obwohl die Hälfte der Mitglieder Frauen sind.

Bei der Synode Anfang der 1970er-Jahre waren nicht nur Kleriker, sondern Frauen und Männer aus verschiedensten Schichten und Berufsgruppen dabei. Politikern, Juristen, Menschen aus der Arbeiterschaft wurden berufen und entsandt. Mit Beispielen und Anekdoten erinnerte Neuhauser die die Aufbruchstimmung und den Willen zur positiven Veränderung. Während der Synode sei so offen und ergebnisorientiert diskutiert und um Entscheidungen gerungen worden wie selten zuvor und danach.

Das Evangelium traf auf die Realität der Menschen. Trotz aufgeheizter Stimmung gelang es der Synode und vor allem deren Präsidenten, Julius Kardinal Döpfner, ein Auseinanderdriften der Kirche zu verhindern und mit den Beschlüssen zu Themen wie Jugend, Religionsunterricht, Ökumene, Familien oder Mitwirkung von Laien im liturgischen Dienst eine neue Richtung einzuschlagen.

Die Ergebnisse sind in ihren Inhalten heute noch hochaktuell. Einige Fragen, die damals diskutiert wurden, blieben allerdings bis heute offen. Dazu gehört die Öffnung des diakonischen Dienstes für Frauen, die Frage nach dem Umgang mit Geschiedenen und Wiederverheirateten. Zahlreiche Eingaben wurden aufgrund der Zuständigkeit nach Rom weitergereicht, wo diese seither unbearbeitet ruhen.

Zum Schluss äußerte der Prälat vier Wünsche: Alle Gläubigen sollten ihren Teil zur Verkündigung des Evangeliums beitragen und die Gemeinschaft pflegen. Außerdem sei das Engagement der Pfarrgemeinden im Bereich der Diakonie wichtig. Er bestärkte diese, weiterhin vieles selbst zu organisieren, wie Besuchsdienste oder Flüchtlingshilfe. Zuletzt rief er auf, die Liturgie lebendig zu gestalten und auch mal unkonventionell Eucharistie zu feiern, an ungewöhnlichen Orten und mit Leuten außerhalb der „normalen Gesellschaft“, so wie Jesus es getan habe. Prälat Neuhauser betonte die Wichtigkeit, sich auf die Quelle des Glaubens, das Evangelium, zu besinnen. Auch die Krise, in der sich die katholische Kirche derzeit befindet, könne eine Chance zur Erneuerung werden.

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