Gars – Wenn die Klostergärtnerei zur Kaffeetafel umfunktioniert wird, dann muss etwas Besonderes dahinter stecken. In der Tat! Bruder Ulrich, seines Zeichens Gärtnermeister, feierte seinen 85. Geburtstag. Als Gäste waren seine ehemaligen Lehrlinge eingeladen.
Bruder Ulrich bildete in seiner beruflichen Laufbahn über hundert junge Menschen zum Gärtner aus. „Mein Wunsch war es, möglichst viele Ehemalige noch einmal zu sehen“, gesteht der Jubilar. Die Mannschaft in der Gärtnerei machte sich daher fleißig auf die Suche nach den Adressen der einstigen Lehrlinge, was sich teilweise als recht schwierig herausstellte. Letztendlich erschienen rund 65 Frauen und Männer, die ihren früheren Lehrmeister hochleben ließen.
Maria Schrenk aus Gars war 1975 die erste weibliche Auszubildende in der Gärtnerei. Sie schwärmt: „Bruder Ulrich ist eine echte Kapazität. Er brachte mir sehr viel bei und nahm sich für uns Lehrlinge immer Zeit.“ Klaus Denkschmid aus Stephanskirchen bei Rosenheim wohnte während seiner Ausbildungszeit von 1977 bis 1980 im klösterlichen Jugendheim. Er erinnert sich: „Die Lehre in der Klostergärtnerei galt in Fachkreisen als angesehen.“ Die Haagerin Evi Kitzeder startete 2003 ihre Ausbildung, die sie als wunderschön, lustig und familiär bezeichnete. „Einfach menschlich halt“, freut sich die gelernte Gärtnerin auch noch im Nachhinein.
Über so viel Lob zeigte sich natürlich auch Bruder Ulrich hocherfreut, der die Klostergärtnerei zu dem machte, was sie heute ist: Ein moderner Betrieb mit Bodenhaftung.
Für den 85-Jährigen war es eigentlich schon als Jugendlicher klar, einmal in ein Kloster einzutreten.
„Meine Eltern lebten uns Kindern den Glauben vor, was mich sehr prägte“, so der Pater, der in Baden-Württemberg aufwuchs und dort auch das Gärtnerhandwerk erlernte. „Mein Beruf führte mich anfangs in die Schweiz und sogar bis nach Schweden“, berichtet der Ordensmann. Er verrät schmunzelnd: „In Schweden gab es viele fesche Mädchen“. Mit einer Schönheit stand er sogar einige Zeit in Briefkontakt.
Aber Ulrichs Wunsch, ein klösterliches Leben zu führen, war stärker als alles andere. Mit seinem um ein Jahr jüngeren Bruder Georg trat der Gärtnermeister 1958 den Redemptoristen in Gars bei.
Zwei Jahre später legte er seine Ordensgelübde ab. Der Jubilar gibt zu: „In meinem Umfeld galt ich als Wackelkandidat. Es hieß immer, ich mit meiner weltoffenen Art würde im Gegensatz zu Georg das Klosterleben auf Dauer nicht aushalten. Es ist jedoch genau umgekehrt gekommen. Mein Bruder verließ nach einem halben Jahr den Orden. Ich hingegen bin bis heute den Redemptoristen treu geblieben“.
Abwanderungsgedanken habe er zu keiner Zeit gehabt, betont Bruder Ulrich. Für ihn war es einfach die richtige Lebensentscheidung.
Nach seiner Meisterprüfung, die er in Bonn absolvierte, legte der heute 85-Jährige ab dem Jahr 1962 in Gars so richtig los. Die Gärtnerei, bis dahin eigentlich nur für den Eigenbedarf des Klosters genutzt, wurde außerhalb des Klosterareals aufgebaut. Gewächshäuser entstanden und Bruder Ulrich schuf Ausbildungsplätze.
„Junge Menschen standen Schlange, um bei uns den Gärtnerberuf zu erlernen“, erzählt der Ordensmann. Durch sein großartiges gärtnerisches Wissen entwickelte sich die Gärtnerei Stück für Stück. „Der Beruf ist mir auf den Leib geschneidert, denn er hat mit der Bewahrung der Schöpfung zu tun, und das ist mir sehr wichtig“, so das Geburtstagskind.
Begeistert erzählt Bruder Ulrich auch von den rund 1500 Vorträgen, die er im Laufe der Jahre in Bayern und Österreich gehalten hat.
Der Bekanntheitsgrad der Gärtnerei wurde dadurch enorm gesteigert. Bis zum heutigen Tag reisen Gartenfreunde mit Bussen an, um die Gärtnerei, in der Blumen, Gemüsepflanzen und an die 200 verschiedenen Kräuter wachsen, zu besichtigen.
Die Augen des Seniorchefs leuchten, wenn er von den Führungen berichtet, die er trotz seines fortgeschrittenen Alters immer noch leitet. Das Lebenswerk Bruder Ulrichs liegt seit 2004 in den Händen von Gärtnermeister Julius Kagerer. Das heißt aber nicht, dass es sich der Jubilar nun auf der Couch bequem macht. Jeden Morgen marschiert er in die Gärtnerei, sperrt die Kasse auf, wäscht Kisten aus oder erledigt kleine Besorgungen. „Bei gutem Wetter“, so räumt Bruder Ulrich ein, „lasse ich den Betrieb aber schon mal hinter mir und fahre in die Berge. Gottes Natur ist einfach wunderschön“.