Josefi – einst ein großer Feiertag

von Redaktion

Gottesdienste und ein Stammtisch – In Pürten gibt es eine alte Bruderschaft

Waldkraiburg/Kraiburg/Aschau – „Bei uns war es etwas Besonderes, sogar wichtiger als der Geburtstag“, sagt Josef Huber, Aschauer Ehrenbürger, und meint den Josefitag, seinen Namenstag, der früher einer der großen Feiertage war (siehe Infobox).

Heute ist es um den Josefstag ruhiger geworden. Und doch gibt es auch in Waldkraiburg und Umgebung Beispiele dafür, dass die Tradition noch gepflegt wird.

Auch wenn Josef längst nicht mehr zu den Top Ten der gebräuchlichen Vornamen gehört, es gibt sie noch, die Josefs-Traditionen. Zum Beispiel in Kraiburg. Dort veranstaltet der Verein für Heimatpflege auch heuer einen Josefi-Stammtisch. Am Freitag, 22. März, um 20 Uhr treffen sich im Gasthaus Unterbräu in Kraiburg alle Josefs und Josefinen, die einen geselligen Abend miteinander verbringen wollen. Die Theatergruppe und die Ritterschaft kommen auch dazu. Und für alle, die Namenstag haben, wird eine Mahlzeit und ein Getränk spendiert. „Wir freuen uns über jeden Namensträger, der uns besucht“, sagt Alois Fürstenberger. „Es ist unsere Pflicht, die Tradition am Leben zu erhalten!“ Begründet wurde der Stammtisch vor etwa einem halben Jahrhundert vermutlich vom damaligen Pfarrer Hamberger, Josef Hamberger.

Eine noch viel ältere kirchliche Tradition gibt es im benachbarten Pürten. Dort besteht eine Josefibruderschaft, die vor über drei Jahrhunderten, 1693, gegründet wurde. Einmal im Jahr tritt diese Bruderschaft bis heute in Erscheinung, mit einem Gedenkgottesdienst für die Mitglieder der Bruderschaft. Heute um 19 Uhr findet er in der Marienkirche in Pürten statt.

Zum Gedenkgottesdienst versammeln sich am heutigen Josefitag traditionell die Vereine aus dem ganzen Schützengau Mühldorf auf Einladung der königlich-privilegierten Feuerschützengesellschaft Kraiburg. Er findet am heutigen Abend um 19 Uhr in der Marktpfarrkirche statt.

Siehe auch unten stehende Umfrage.led/hg

Vor 50 Jahren arbeitsfrei

Seit dem Mittelalter wurde der Josefitag als eigener Feiertag gefeiert. Und weit bis ins vergangene Jahrhundert war der 19. März ein arbeitsfreier Tag. Noch vor 50 Jahren, als die bayerischen Bischöfe auf den staatlichen Schutz dieses Feiertags verzichtet hatten, hatten die Beamten frei. Und während der Gottesdienstzeiten waren die Geschäfte geschlossen. In manchen Ländern wie zum Beispiel in Kolumbien, ist der Tag des Schutzpatrons der Zimmerer und Schreiner noch heute ein Feiertag.

Der Name Josef wird immer seltener

Hans oder Sepp? Mit dieser Anrede konnte man früher – jedenfalls in Bayern – kaum falsch liegen. Johann oder Josef zählten zu den meist verbreiteten Vornamen. Aus der Liste der Top Ten der beliebtesten Namen ist „Josef“ längst verschwunden. Wie eine Aufstellung aus der Stadtverwaltung zeigt, tragen heute noch immer 249 Bürger und Bürgerinnen den Namen in einer der vielen gebräuchlichen Varianten (Josef, Josephine, Giuseppe oder József, auch in Kombination mit anderen Vornamen). Das ist fast ein Prozent der Bevölkerung. Allerdings sind die meisten vor den 1960er-Jahren geboren. Danach wird Josef/Josefine immer seltener: Wie aus der städtischen Statistik hervorgeht, tragen nur noch 18 Waldkraiburger, die in den 1970er-Jahren geboren wurden, diesen Namen, 15 aus den 1980er-Jahren, nur noch sieben aus den 1990er-Jahren. Und seit dem Jahr 2000 erscheinen in der Statistik nur noch sechs Josefs, Josefines oder Josues.hg

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