Schifferlatein

von Redaktion

„Manchmal ist es peinlich, Katholik zu sein.“ Anfang dieser Woche war dieser Satz von Hans Tremmel in unserer Zeitung zu lesen. Wenn schon der Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum so redet, dann sagt das eigentlich alles über das desolate Erscheinungsbild, das die katholische Kirche in diesen Tagen bietet.

Peinlich? Desolat? Davon war nicht viel zu spüren, neulich bei der Caritas im ehemaligen Pfarrhaus Maria Schutz. Im Gegenteil. Die Stimmung war bestens bei der Eröffnung des „Treffpunkt Miteinand“. Bei diesem neuen ein Haus der Beratung und Begegnung, das die Türen für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund aufmacht, ist Kirche mittendrin im Leben dieser Stadt. Mit all seinen Problemen und Chancen, mit den Sonnen- und den Schattenseiten.

Da kommt sie zu sich, da ist Kirche, wo sie hingehört. Kein Selbstzweck, sondern dazu da, ihre Botschaft vom besseren Miteinander zu verbreiten und zu leben. Das macht Eindruck, auch auf jene, die sonst nicht viel mit ihr zu tun haben.

An bessere Zeiten, es gab sie, hat der Dekanatsrat Waldkraiburg neulich in Gars erinnert, 50 Jahre nachdem die ersten Pfarrgemeinderäte in Bayern ihre Arbeit aufnahmen. Die Aufbruchstimmung groß. Dass viele Themen, denen sich Christen und Kirche damals stellten, bis heute brandaktuell, also unerledigt geblieben sind, ist ein Ärgernis und mitverantwortlich dafür, dass das Kirchenschiff so arg ins Schlingern kam.

Schiff? Schlingern? Der Waldkraiburger CSU und der SPD fallen dazu natürlich nicht das Miserere, sondern die städtische Misere ein. Es geht ums Geld. Und um die Deutungshoheit über den Waldkraiburger Haushalt, ein dickes Zahlenwerk, das wie jedes Jahr auch heuer ein symbolisches Titelbild trägt. Die Verwaltung hat sich für ein Segelschiff entschieden und damit Fragen aufgeworfen: „Sind wir in der Flaute?“, wollte CSU-Stadtrat Harald Jungbauer im Finanzausschuss wissen, weil besagtes Schiff nicht ein Segel gesetzt hatte.

Die UWG war vorbereitet. Die Replik kam wie aus der Bordkanone geschossen, als hätte man darauf gewartet. Bei der „SMS Waldkraiburg“ handle es sich um ein „Segel-Motor-Schiff“, so Bürgermeister Robert Pötzsch, „ein Schiff, das immer fährt“. „Sogar gegen den Wind“, ergänzte UWG-Sprecher Frieder Vielsack. Und sein Fraktionskollege Franz Belkot in Anspielung an Waldbad und Rathaus: „Das ist die Gorch Fock. Da sieht man, dass Sanierungen meist teurer kommen als Neubauten.“ Bürgermeister und UWG können – im Fall des laufenden Kita-Umbaus – ja auch schon auf erste einschlägige Erfahrungen verweisen.

Schifferlatein – Fortsetzung folgt bestimmt im Stadtrat nächste Woche. Wo die Unabhängigen nicht ganz zu Unrecht stolz auf der Brücke stehen, weil sie erstmals nach vielen, vielen Jahren die ganz großen Investitionsbrocken im Etat untergebracht haben. Und die Andersgläubigen nicht weniger nachvollziehbar warnen: Schwere See, starker konjunktureller Abwind dürfen nicht aufkommen. Sonst könnte es statt „SMS“ schnell „SOS“ heißen. Allerdings gehen halt nicht nur die Neubau-Projekte der UWG, sondern auch die auf Jahre gestreckten Sanierungs-Alternativen in den zweistelligen Millionen-Bereich. Ein Rathaus kann sich die Stadt nicht sparen, ein Freibad will sie sich nicht sparen.

Vor Gericht und auf hoher See… Wir kommen zu einem anderen Thema: der juristischen Aufarbeitung der Ereignisse vom 6. Juni 2018, dem Tag der Ausschreitungen in der Erstaufnahme-Dependance in Waldkraiburg. Neun Monate danach wurde jetzt einer der Haupttäter, den die Polizei damals in Gewahrsam nahm, zu sechs Jahren Haft verurteilt. Davor mussten sich bereits andere Täter vor Gericht verantworten. Auch wenn einigen die Sanktionen nie schnell genug und hart genug sind, es zeigt sich auch da: Der Rechtsstaat funktioniert. Und es gibt überhaupt keinen Anlass, daran zu zweifeln.

Gustl Schenk hatte allen Anlass, daran zu zweifeln, dass aus seinem Anliegen, die Parksituation am Waldfriedhof zu verbessern, noch mal was werden würde. Gut und gerne zehn Jahre sind in die Stadt gegangen, seit seinem ersten Vorstoß für zusätzliche Stellplätze an dieser Stelle. Jetzt ist es soweit und Stadtratskollegen, die das Projekt einhellig unterstützen, sticheln schon wegen des „Gustl-Schenk-Parkstreifens“.

Der 81-jährige Stadtratssenior hat sich im Ausschuss artig bedankt dafür, dass aus dem Parkstreifen am Grünen Weg was wird. Aber diejenigen, die im Stillen gehofft hatten, er würde jetzt Ruhe geben, hat er noch im selben Moment enttäuscht. „Jetzt fehlt nur noch der Goetheplatz…“

Hans Grundner

Artikel 6 von 11