In Kraiburg ist jede Nacht „Earth Hour“

von Redaktion

Seit 2011 gehen zwischen 1 und 5 Uhr in der Früh die Straßenlaternen aus

Kraiburg – Für eine Stunde geht heute bei der Earth Hour in vielen Orten der Welt vorübergehend das Licht aus. Wahrzeichen und besondere Gebäude bleiben dunkel, um ein Zeichen zu setzen für den Klimaschutz. An schönen auffälligen Gebäuden fehlt es im historischen Markt nicht. Doch Kraiburg macht nicht mit bei der Aktion, in Kraiburg ist gewissermaßen jede Nacht „Earth Hour“. Von 1 bis 5 Uhr in der Früh ist ein Großteil der Straßenbeleuchtung abgeschaltet, vier Stunden lang, 365-mal im Jahr.

Dem Geldbeutel und dem Klima tut das gut, wie Bürgermeister Herbert Heiml sagt. 2011 fiel die Entscheidung im Gemeinderat. Die Anregung kam damals von Ratsmitglied Josef Mitterreiter. Eine Umrüstung auf LED-Leuchten war der Gemeinde damals zu teuer. Deshalb sei man diesen alternativen Weg gegangen, der Kosteneinsparungen bringt und – das war damals schon ein Aspekt – die Lichtverschmutzung reduziert, die so vielen Insekten zum Verhängnis wird. „Heute ist dieses Thema noch aktueller“, so Heiml mit Verweis auf das jüngste Artenschutz-Volksbegehren.

„Natürlich haben wir das Thema intensiv diskutiert, es gab auch Bedenken.“ Das Thema Sicherheit machte manchen Sorge. Doch von negativen Auswirkungen, etwa im Hinblick auf die Einbruchsstatistik ist bis heute nichts bekannt, wie auch Polizeihauptkommissar Georg Wagner von der Inspektion Waldkraiburg auf Anfrage bestätigt. Da zeige sich, so Heiml, „auch der Einbrecher liebt“.

Versicherungstechnisch wurde das Vorhaben abgeklärt und das Abschalten der Straßenbeleuchtung dann auf die Siedlungsgebiete beschränkt. Die beiden Durchgangsstraßen, Engstellen, gefährliche Kreuzungen sind von der Maßnahme ausgenommen. Auch am Marktplatz wird die öffentliche Straßenbeleuchtung nicht abgeschaltet.

408 Brennstellen waren Kämmerer Alfred Mittermaier beim Start im Jahr 2011 betroffen. 57000 Kilowattstunden wurden dadurch zunächst im Jahr eingespart, das entspricht etwa 12000 Euro. Nach der Umrüstung auf Energiesparlampen (Kompaktleuchtstofflampen) stieg die Einsparung in den Jahren von 2014 bis 2017 auf rund 86000 Kilowattstunden und 18000 Euro jährlich. Klar es gibt auch Nachteile. Der Bürgermeister denkt zum Beispiel an die Zeitungsträger, deren Arbeit in den frühen Morgenstunden dadurch besonders im Winter erschwert wird. Aufs Ganze gesehen überwiegen aus seiner Sicht aber klar die Vorteile. Einwände höre er heute nicht mehr. Heiml will anderen Gemeinde keine Ratschläge erteilen. „Aber für uns passt’s. Ich würde es wieder so machen.“ Die Earth Hour beschäftigt Heiml nicht weiter: „Wir schalten das ganze Jahr ab, einen symbolischen Akt brauchen wir nicht.“

Weitere Berichte zur „Earth Hour“ heute auch auf den Seiten 13 und 16.

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