Musik ist ein Lebenselixier

von Redaktion

Elf ihrer Musikschüler haben es bis zum Bundessieger im Wettbewerb „Jugend musiziert“ geschafft, sie selbst hat zahlreiche Konzerte bestritten und Preise erhalten: Rosalyn Sabo hat im Landkreis Zither-Geschichte geschrieben.

Waldkraiburg – „Spielst du ein Instrument?“ Auf diese Frage hat Rosalyn Sabo als Kind und auch noch als Jugendliche immer mit „Klavier“ oder „Geige“ geantwortet. Das stimmte zwar auch, aber eigentlich war Zither ihr Hauptinstrument: „Das haben nur damals die meisten mit volkstümlicher Musik in Verbindung gebracht und damit konnte man nicht punkten.“

War damals nicht cool. Heute ist das anders. Zum einen, weil heute auf der Zither vielseitige Musikrichtungen gespielt werden, und zum anderen, weil Volkstümliches eine Renaissance erlebt hat.

„Dass die Zither damals so ein Nischendasein gefristet hat, hat sicher meinen Ehrgeiz geweckt und den Wunsch, mit der Zither Neues auszuprobieren“, vermutet die 42-Jährige. Wobei die Zither und sie am Anfang auch keine große Liebe waren: „Damals waren die Saiten hart, meine Finger taten ständig weh, und bis ich wirklich einen schönen Ton spielen konnte, hat es einfach gedauert. Klavier war da viel dankbarer.“ Sie selbst hat mit Instrumentenbauern an Verbesserungen gearbeitet.

Dass sie überhaupt auf die Zither gekommen ist, verdankt sie ihrem Vater. Für ihn hatte Musik immer einen sehr hohen Stellenwert. „Als Kriegskind lenkte die Musik ihn von den Schrecken des Alltags ab, sorgte für schöne Momente im Leben“, erzählt Rosalyn Sabo. Auch jetzt, wo ihr Vater bettlägerig und schwer krank ist, ist Musik ein großer Trost für den ehemaligen Waldkraiburger Zahnarzt.

Eine Welt ohne Musik kann sich auch Rosalyn Sabo nicht vorstellen. Sie und ihre drei Geschwister sollten alle ein Instrument lernen, möglichst auch ein alpenländisches: „Das war wohl der Integration geschuldet.“ Ihre Familie kam 1971 aus Kroatien nach Landshut, die Wurzeln der Familie liegen in Ungarn.

Als ihre Familie weiterzog nach Waldkraiburg, war die Musikschule erst im Aufbau begriffen. „Unser Nachbar, der damalige Leiter des Haus Sudetenland, rührte die Werbetrommel und mein Vater war begeistert.“ Alle Geschwister mussten in den Chor und zusätzlich ein Instrument erlernen. Sie ging damals noch in den Kindergarten und wollte unbedingt ein Instrument, auf dem sie mit Schlegeln draufhauen konnte: „Erst hat man mir ein Hackbrett hingestellt. Das wollte ich aber nicht. Dann gab man mir eine Zither.“ Eigentlich wollte sie ein Bass-Xylofon: „Aber das Wort kannte ich in dem Alter nicht. Also ist es bei der Zither geblieben.“

Die Zither aus der Nische zu befreien, ist ihr bestens gelungen, sowohl als Lehrerin wie auch als Künstlerin: Zither studiert hat sie bei Georg Glasl am Richard-Strauss-Konservatorium in München. Seit 1995 unterrichtet sie an der städtischen Musikschule in Waldkraiburg und seit 1999 in Mühldorf. Wenn der Landkreis als „Zither-Hochburg“ bezeichnet wird, ist das das Werk von Rosalyn Sabo.

Ihren Unterricht hält sie in der ehemaligen Praxis ihres Vaters ab – im Wartezimmer. Ihr ältester Schüler ist 85, ihre jüngste Schülerin sechs Jahre alt. Elf Bundessieger im Wettbewerb „Jugend musiziert“ hat sie im Laufe der Jahre hervorgebracht. Dabei ist das Zitherspielen gar nicht so einfach: Die rechte Hand bedient 25 Saiten, die meist die Begleitung spielen. Die Linke ist am Griffbrett und für die Melodie zuständig – quasi eine Gitarre im Liegen, auf der gezupft, gestrichen, geschlagen und gestoppt wird.

Ihre Motivationskurse für Lehrer, Seminare, Fortbildungen, Projekte und Konzertreisen führten sie quer durch Europa und nach Kanada. In der Schweiz trat sie unter anderem als Solistin mit der „Jungen Philharmonie Salzburg“ auf. Auch mit Senta Berger stand sie für eine Weihnachtslesung auf der Bühne. Experimentierfreudig wie sie ist, ist sie mit Zither, aber auch mit Klavier, Violine und Gesang in verschiedenen Ensembles aktiv, darunter Kleitschophones, Orchestergemeinschaft Waldkraiburg, ZitherRausch oder Strings.

Preisgekrönt sind ihre Auftritte mit ihrem Ensemble ZitherRausch, in dem auch ehemalige Schülerinnen mitwirken. ZitherRausch sind musikalische Genres egal, sie hüpfen mühelos von Alpenländischem zu irischer Musik, Westernsound und Balkanklänge. Ihre ungarisch-kroatischen Wurzeln sind nicht zu überhören.

Je nach Lebenssituation stand mal mehr der Unterricht, mal die eigene Künstlerkarriere im Vordergrund. Aber es sind nicht zwangsläufig die großen Erfolge, die ihr in Erinnerung geblieben sind. Unvergesslich ist ihr ein ganz früher Auftritt im Münchener Rathaus, als sie vor Politikern auftreten musste: „Der Reißverschluss von meinem Dirndl war gerissen und ich musste irgendwie den Abgang von der Bühne schaffen, ohne mich umzudrehen.“ Jedes Mal, wenn sie den Münchner Rathausplatz überquert, muss sie daran denken und lachen. Ebenso eingebrannt hat sich eine Szene, bei der sie im Freien an einem Hang im Stehen spielen musste. Der Wind wirbelte die Notenblätter davon: „Die Leute haben gedacht, das sei Teil der Inszenierung.“

Dass Musik bewegen kann und wie kaum ein anderes Medium Emotionen transportiert, hat sie oft erlebt, aber nicht unbedingt bei sich selbst: „Da übt man ja ein Stück bis zur Perfektion. Weinen muss ich nur, wenn es nicht klappt“, lacht sie. Aber wenn ihre Zuhörer zu Tränen gerührt sind, rührt das auch sie. Bewegend ist für sie besonders das Vorspielen für Patienten in Kliniken. In diesem Bereich hat sie bereits eine Weiterbildung absolviert und hier möchte sie sich zukünftig auch stärker engagieren.

Im Interview auf www.ovb-online.de gibt Rosalyn Sabo Tipps, wie Kinder mit Freude ein Instrument lernen.

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