KAB-Dokufilmreihe

„Weltverbesserer ist kein Schimpfwort“

von Redaktion

Aktuelles Interview Rainer Forster über KAB-Filmreihe, die Menschen bewegen will

Waldkraiburg – Sie sorgt für Gesprächsstoff, setzt gezielte Provokationen und Impulse für ein neues Denken und Handeln: die Dokumentarfilmreihe der KAB im Cinewood. Organisator Rainer Forster schaut im Interview auf fünf anregende Jahre zurück und sagt, was ihn antreibt.

Herr Forster, erinnern Sie sich noch an den ersten Film?

Mit „Leben mit der Energiewende“ fing alles an. Kinobetreiber Thomas Rahnert war zunächst skeptisch, ob es für Dokus ein entsprechendes Interesse gibt. Mit Unterstützung des Katholischen Kreisbildungswerks Mühldorf konnten wir schon bei der Premiere den großen Kinosaal mit über 200 Plätzen füllen. Und zum Jubiläum am Montag, 1. April, zeigen wir wieder einen Film von Regisseur Frank Faranski, der zur Filmvorführung nach Waldkraiburg kommt.

Wir sind schon mittendrin in den Themen. Welche inhaltlichen Schwerpunkte hat die Filmreihe neben dem Thema Energiewende? Nennen Sie die drei wichtigsten.

Mit unseren Filmangeboten greifen wir soziale und ökologische Zukunftsherausforderungen auf. Immer wieder stellen wir auch kritische Themen zur Diskussion und haben gerade mit spirituell angehauchten Filmen großen Zuspruch.

Wer heute ins Kino geht, sucht in der Regel Spannung und Entspannung. Wie kommt man da auf die Idee, ausgerechnet eine Dokumentarfilmreihe, also richtig schwere Kost, anzubieten?

Gerade in diesem Segment hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Immer mehr Filme zeigen Lösungsmöglichkeiten, sind weniger ideologisch angehaucht und sprechen somit auch ein breites bürgerliches Publikum an.

Warum konnte sich diese Reihe so lange halten?

Mit unserer Filmauswahl treffen wir offensichtlich den Zeitgeist. Die Gesellschaft verändert sich und wir schaffen eine Plattform für Austausch und Meinungsbildung. Diese Art der Bildungsarbeit findet inzwischen auch in anderen Landkreisen Nachahmer.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Filme eigentlich aus?

Es gibt Filmverleiher, die sich auf dieses Genre spezialisiert haben und die inzwischen proaktiv auf uns zukommen. Daraus ergeben sich immer wieder interessante Möglichkeiten, Mitglieder der Film-Crew nach Waldkraiburg zu holen. Auch das Cinewood hat ein gutes Gespür für Filme, die in unsere Reihe passen, entwickelt. So ist neben der geschäftlichen Zusammenarbeit eine enge Freundschaft mit Thomas Rahnert entstanden.

Sie haben sich – auch durch diese Kino-Reihe – den Ruf eines Weltverbessers und Querdenkers erarbeitet. Täuscht dieser Eindruck?

In der Bildungsarbeit gibt es verschiedene Methoden, um zum Nachdenken anzuregen. Manchmal versuchen wir es auch ganz bewusst mit etwas Provokation. Für mich ist „Weltverbesserer“ kein Schimpfwort. Ich glaube weiterhin fest daran, dass eine bessere Welt möglich ist.

Wie viele Filme haben Sie in diesen fünf Jahren gezeigt?

In den letzten fünf Jahren haben wir knapp 70 Filme gezeigt. Fix ist immer der erste Montag im Monat. Zwischendurch nehmen wir immer wieder besondere Specials ins Programm. So zeigen wir am 15. April die Kurzfilmrolle „Augenblicke“ mit dem Medienexperten des Bistums München, Franz Haider.

Wie viele Zuschauer waren insgesamt bei ihren Dokumentarfilmabenden? Bei welchem Film waren die meisten?

Die Spannweite reicht von 20 bis 500 Besucher. So haben wir bei „Das System Milch“ gleich mehrere Kinosäle an diesem Abend gefüllt. Zahlreiche Filme haben es eine Woche später wegen der großen Nachfrage ins Wochenprogramm geschafft. Wenn wir einen Mittelwert von 50 Gästen annehmen, waren es bei den KAB-Veranstaltungen 3500 Besucher.

Es gab einige Filme, die ihnen auch Kritik einbrachten, deren Botschaft als sehr links oder Populisten-nah eingestuft werden. Ich denke zum Beispiel an einen sehr impf-kritischen Film, an Filme von Putin-Verstehern oder von einem Moderator, der unter Antisemitismus-Verdacht stand.

Der Film „Eingeimpft“ wurde durch öffentliche Filmförderung finanziert. Einige Impfgegner haben sich im Anschluss massiv über den Film beschwert, weil er zu impffreundlich gewesen sein soll. Ja, dem US-Regisseur Oliver Stone wird vorgeworfen ein „Putin-Versteher“ zu sein. Wir lassen verschiedene Sichtweisen zu und versuchen so Konflikte abzubauen und Missverständnisse zu beseitigen.

Was war der größte Flop? Die größte Enttäuschung?

Gemeinsam mit der „Aktion Hoffung“ haben wir einen sehr erfolgreichen Second-Hand-Kleidermarkt im Cinewood organisiert. Die begleitende Filmreihe, die vom Bundesumweltministerium unterstützt wurde, interessierte nur ganz Wenige. Bäckermeister Pötzsch, der uns mit Backwaren versorgt hat und zum Filmgespräch bleiben sollte, verließ die Vorstellung von „Canned Dreams – Träume in Dosen“, weil er sich die gezeigten Bilder nicht bis zum Schluss ansehen wollte. Ich hatte dafür vollstes Verständnis. Ein wirklich schrecklicher Film.

Welchen Filmabend haben Sie in besonders guter Erinnerung? Warum?

Eine besondere Freude bereitet es mir immer, wenn andere Organisationen auf uns zukommen und wir in Kooperation Projekte umsetzen. Der erste Filmabend, der alle Erwartungen übertroffen hat, ist auch der, dem ich mich besonders gerne zurück erinnere.

Wie geht es weiter mit der KAB-Dokumentarfilmreihe?

Wir wollen in bewährter Qualität auch künftig mit dem Cinewood an einem Strang ziehen. Und ich freue mich sehr, dass neben Lisa Sieber, Sepp Sperr und Erich Gottwald auch die KAB-Ortsgruppen diese Reihe unterstützen. HANS GRUNDNER

Das fünfte Jahr: Zur Feier des Tages freier Eintritt

Mit der Doku-Reihe im Kino Cinewood deckt die Katholische Arbeitnehmerbewegung ein weites thematisches Spektrum ab: Es reicht von Filmen zur Energiewende oder Agrarreform über Streifen zu einer gerechten Gesundheitsversorgung, friedenspolitischen und entwicklungspolitischen Themen bis hin zu kapitalismuskritischen Dokus und auch Filmen zu spirituellen und religiösen Themen ab. Der nächste Film läuft am Montag, 1. April, um 20 Uhr: „Autark“ von Frank Farenski. Der Filmemacher, der auch den allerersten Film gedreht hatte, der in dieser Reihe vor fünf Jahren zu sehen war, setzt sich darin für einen nachhaltigen Lebensstil ein, der Ressourcen schont und den Planeten für künftige Generationen lebenswert erhält. Der Regisseur kommt am Montag zur Filmvorführung und mit den Besuchern ins Gespräch. Zur Feier des Tages ist der Eintritt frei.hg

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