Unterreit – Der Urlaub ist vorbei! So wirklich Bock auf die neue Saison haben die sibirischen Uhus „Coco und Balu“ aber nicht; das Wetter ist noch nicht so prickelnd. Faul und müde hocken sie in ihrer Voliere, Coco blinzelt nur mit einem Auge. Ein Häusl weiter ist Rabatz. „Wer stört?“, scheint das Gezeter zu bedeuten.
„Unsere Greifvögel sind noch nicht so richtig wach. Sie haben die Winterpause total genossen, vor allem weil sie chillen und viel fressen durften“, sagt Viola Rohnstock. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Rudi Kolitsch (54) ist die 38-Jährige im Wildpark Oberreith für die Greifvögel zuständig. Jetzt werden die Tiere „ausgewintert“, fit gemacht für die neue Saison. Die erste Flugschau ist am heutigen Montag um 10.30 Uhr.
Das heißt, die Tiere müssen sich umstellen, die Nähe zu ihren Falknern erneut dulden, so dass man sie wieder „auf die Faust“ nehmen kann. Eulen werden in den drei Monaten Winterpause richtig scheu, fremdeln also erst einmal.
Das Futter wird reduziert, die Tiere müssen täglich auf die Waage. „Ein Falke mit einem Gewicht von 850 Gramm fliegt gut. Nach der Pause hat er aber 100 Gramm mehr auf den Rippen und die müssen runtertrainiert werden“, erklärt Kolitsch. Anfangs nimmt er dazu die Vögel auf seinen dicken Lederhandschuh und trägt sie. Dann kommen Flugtraining und Muskelaufbau dazu.
Bei den Falken geht das schnell. Dazu brauchen sie das richtige Futter, das gute Zeug: Wachteln und Tauben. Natürlich kein Lebendfutter, denn das ist verboten. Aus dem Frostfutterhandel bezieht der Park gefrorene männliche Eintagsküken.
Die Flugschau – sie findet täglich nach dem 1. April dienstags bis sonntags jeweils um 10.30 und um 14.30 Uhr statt – ist im Eintrittspreis enthalten.
Die Zuschauer erleben eine simulierte Kaninchenjagd. Handzahme Frettchen treiben die „Kaninchen“ aus den künstlich angelegten Hügeln und der Falke schnappt sich seine vermeintliche Beute – die freilich nur eine Attrappe ist. Ein altes Kaninchenfell, auf dem Fleischstückerl liegen, hängt an einem dünnen Seil an einer Zugmaschine. So wird das Fliehen des Beutetiers nachgeahmt. Das Frettchen, der wuselige „Jagdhelfer“, sitzt dann längst wieder in seiner Box.
Obwohl Viola Rohnstock und Rudi Kolitsch in der Schau erklären, was hier passiert, gibt es immer wieder Spezialisten, die denken, dass das Frettchen oder ein anderes süßes Tierchen verfüttert wird. Dann folgt schon mal eine Anzeige beim Veterinäramt. „Die Leute hören oft nicht zu, dann gibt es Ärger, der sich natürlich schnell aufklärt. Da muss man cool bleiben“, sagt Kolitsch.
Die Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt, das den Wildpark kontrolliert und betreut, finde auf Augenhöhe statt. Das Amt checkt Haltung, Hygiene, Futterlagerung und etwa die Mindestgrößen der Volieren, „damit alles rechtens ist“.
Kolitsch und Rohnstock, die beide die Jagd- und die Falknerprüfung absolviert und vor drei Jahren ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, machen in Oberreith Show-Falknerei. Viele Falkner aber gehen mit ihren Greifvögeln zur Beizjagd, jagen Kaninchen, Hasen, Fasane oder etwa Krähen. Oder setzen ihre Tiere zur Tauben-Vergrämung ein.
Je größer der Greifvogel umso größer kann das Beutetier sein. „Die Mongolen jagen mit Adlern sogar Wölfe“, weiß Kolitsch.
Besonders beliebt bei den Menschen sind Eulen. Seit den Harry-Potter-Filmen – der Zauberlehrling besaß eine Schnee-Eule namens „Hedwig“ – gibt es einen richtigen Run, wie die Falkner berichten. „Oft kommen Kinder und fragen, ob wir auch eine Hedwig haben“, lacht Viola, die ankündigt, dass es bald zwei Schnee-Eulen zu bestaunen gibt. Das Besondere: Sie sind tagaktiv, halten Temperaturen bis -54 Grad aus und tragen „Winterstiefelchen“ aus dichten weichen Federn, die das Einsinken im Schnee verhindern. Die drollige Eule sieht im Winter aus, als trüge sie dicke Wollsocken.
„Eulen sind einfach der Wahnsinn. Sie werden total verschmust, wenn man mit ihnen regelmäßig arbeitet. Sie sind vielfältig, gelehrig und das Geheimnisvolle fasziniert mich“, schwärmt Viola Rohnstock. Ihren Kopf können Eulenvögel um 270 Grad drehen – praktisch, weil ihre Augen nicht beweglich sind.
Kollege Rudi liebt die majestätischen Adler. Die imposanten Tiere werden sehr personenbezogen. Sie akzeptieren ihren Falkner als „Lebenspartner“. Wie „Marahute“, ein Adlermädel, das den Rudi heiß und innig liebt. Ihr Name stammt aus „Bernhard und Bianca im Känguruland“, wo ein Adler vor den Wilderern gerettet wird.
Bei aller Nähe und Zuneigung: Die Greifvögel sind kein Spielzeug, betonen die beiden Experten. Es sind Wildtiere, die man mit Respekt behandeln muss. Und wenn Futter im Spiel ist, ist ohnehin Vorsicht geboten.
Vögel sind auch mal launisch und zickig. Jedes Tier hat einen eigenen Charakter. „Die haben Persönlichkeit, darauf muss man sich einstellen“, erklärt Kolitsch.
Zum Beispiel „Siegfried und Roy“, die machen gern den Kasperl. Die Truthahngeier zwicken Rudi schon mal ins Wadl, um ihn zu ärgern. Wenn es ihnen zu langsam geht beim Füttern, pflanzen sie sich auf seinen Kopf.
Uhu „Sarah“ ist die Diva hier. „Nö, wenn die nimmer mag, dann hilft alles nichts. Eulenartige können sehr stur sein“, beschreibt der 54-Jährige die imposante Dame auf seiner Faust. Sie hat richtig Gewicht. „Bubo bubo“ lautet der wissenschaftliche Name des Uhus – wie lautmalerisch passend! Diva „Sarah“ stößt gerade ein entrüstetes „Grooooh-grooooh“ aus. Welche Frau mag es schon, als störrisch bezeichnet zu werden?
Zu den „Quatsch-Kandidaten“ gehören hier im Park die Steppenadler: Sie fahren auf Gummiknochen und Hundespielzeug ab. Die Buntfalken sammeln Steine und legen sie auf ihrem Futterstamm ab. „Das könnte eine Dankesgeste sein“, mutmaßt Viola. Die Milane sind die Superstars. Falkner Rudi trägt immer Käppi. Bei der Vorführung „stehlen“ die Rot- und Schwarzmilane im Sturzflug Fleischstückchen von der Kappe. Oder sie klauen gleich die ganze Kopfbedeckung und legen sie in unerreichbarer Höhe ab. Etwa auf eine fünf Meter hohe Stange. „Da muss ich‘s dann mit dem Wasserschlauch runterspritzen“, schmunzelt der 54-Jährige. Die Wüstenbussarde hat er mit der Hand aufgezogen. Doch ist es Viola, an der sie einen Narren gefressen haben. „Wenn sie dabei ist, schauen die mich mit dem Arsch nicht an“, so Rudi.