Als Paar in der Politik

von Redaktion

Wenn Alex und Anneliese Will am Abend mal in ihrem Wintergarten zusammensitzen und über Kommunalpolitik reden, könnte das glatt als Mini-Fraktionssitzung der SPD durchgehen. Die beiden sind das erste Ehepaar, das gleichzeitig dem Waldkraiburger Stadtrat angehört.

Waldkraiburg – Bei den Kommunalwahlen vor 16 Jahren wäre das noch gar nicht möglich gewesen: ein Ehepaar, das gleichzeitig einem bayerischen Gemeinde- oder Stadtrat angehört. 2006 wurde das Kommunalwahlrecht geändert – und damit ist der Weg frei für Paare in der Politik. So wie die Wills in Waldkraiburg, die bei der Kommunalwahl 2014 den Einzug in den Stadtrat noch knapp verpassten. Vor zwei Jahren rückte dann Alex Will nach dem Tod von Reinhard Babiak nach, vor wenigen Wochen seine Frau Anneliese für den verstorbenen Gerd Ruchlinski.

Und seitdem wird im Hause Will nur noch über Kommunalpolitik diskutiert? Ach, was! „Das haben wir vorher nicht getan, und jetzt auch nicht“, winkt die 59-Jährige ab. „Ich bin die meiste Zeit eh weg“, ergänzt ihr 66-jähriger Partner und lacht. „Ab und zu muss ich ja neben der Politik auch noch Taxi fahren.“ Und Anneliese Will ist nicht nur als Oma von drei Enkeln beansprucht, sondern auch durch die Arbeit als Altenpflegerin und Dauernachtwachen im AWO-Seniorenheim.

Ein Thema war die Politik natürlich trotzdem immer bei den Wills. Mindestens seit sie zur SPD gestoßen sind, er vor den Kommunalwahlen 2002, sie vor den Wahlen sechs Jahre später. Und sozialdemokratisch angehaucht waren sie ebenfalls schon immer und stolz auf Politikerpersönlichkeiten wie Helmut Schmidt und Willy Brandt. „Bessere sind nicht mehr nachgekommen“, findet er.

Einen regen Austausch über die Stadtpolitik, übers Rathaus, Waldbad oder die neue Kita, gab es auch bisher schon, „soweit er mir halt was erzählen durfte“. Längst weiß Alex Will, dass seine Anneliese, die er vor 19 Jahren in zweiter Ehe heiratete, auch in der Politik „ihre eigene Meinung hat“.

„Wir versuchen natürlich auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen“, sagen sie. Bei welchen Themen das nicht geht, damit wollen sie nicht so recht herausrücken. Aber mit politisch Andersdenkenden kommen die beiden klar. „Unsere Freunde sind überwiegend Schwarze“, sagt die SPD-Stadträtin. Auch Alex Will sieht da keine Probleme. Schwierig wäre das Diskutieren allenfalls, wenn die Ehepartnerin eine AfDlerin wäre.

Für sie komme es im Moment ohnehin vor allem darauf an, gut zuzuhören und die Arbeit in den Gremien kennenzulernen, findet Anneliese Will. Soziale Themen, die Belange der Heimat- und Kulturvereine sind der Waldkraiburgerin, die 1975 aus Siebenbürgen kam, wichtig. Und auch für ihren Mann hat sie ein Rezept, wie er selbst lachend erzählt. „Erst überlegen, dann reden! Weil ich manchmal zu spontan bin. Diese Tipps krieg ich schon seit Jahren.“

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