„Endlich packt einer das heiße Eisen an“

von Redaktion

Bis zu drei verkaufsoffenen Sonntage will Wirtschaftsminister Aiwanger künftig erlauben, ohne dass ein konkreter Anlass dafür vorliegt. Während es für den Vorstoß überregional auch Kritik gab, unterstützt Waldkraiburgs Einzelhandel die Initiative auf der ganzen Linie.

Waldkraiburg – Willi Engelmann, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk Waldkraiburg, freut sich über die Äußerungen des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger (Freie Wähler): Endlich packe einer „das heiße Eisen“ an. Als „völlig unangebracht“ und „lachhaft“ sieht er die Kopplung der verkaufsoffenen Sonntage an eine „Veranstaltung mit überregionalem Charakter“, die das Ladenschlussgesetz vorschreibt. Es müsse endlich Schluss gemacht werden mit „diesem unsäglichen Rumgeeiere“. Engelmann kritisiert den damit verbundenen bürokratischen Aufwand. Seine Erfahrung ist zudem, dass eine junge Stadt wie Waldkraiburg dadurch in der Regel Nachteile habe. Mit alten Markttraditionen, auf die gewachsene Einzelhandelsstandorte wie selbstverständlich verweisen können, kann Waldkraiburg nicht dienen. Und während sich die Aktionsgemeinschaft oder die Stadt zur Decke strecken müssen, um Veranstaltungen auf die Beine zu stellen, die als Anlass für eine Sonntagsöffnung durchgehen, scheinen andernorts Kommunen oder große Einkaufszentren sich an die Vorgaben nicht zu halten. „Die Städte und die Händler sollten selbst bestimmen, was sie an diesen Sonntagen machen“, so Engelmann. Die bislang geltenden Restriktionen seien „komplett aus der Zeit gefallen“, so der Vorsitzende mit Blick auf den Onlinehandel, der rund um die Uhr läuft. Vor allem die Einwendungen, die die Gewerkschaften im Anhörungsverfahren vorbringen, stören ihn. „Im mittelständischen Bereich stehen eh fast nur die Inhaber im Laden. Und wenn einmal gar kein Geschäft mehr da ist, dann gibt es keine Arbeitsplätze mehr.“

Eine Veränderung der Rechtslage sei „längst überfällig“, findet auch sein Stellvertreter Adi Schäftl-maier. Der Inhaber eines Sportartikelgeschäfts stellt klar: „Wir brauchen natürlich auch in Zukunft Attraktionen an diesen Sonntagen. Nur aufmachen wäre zu wenig.“ Die Autoschau im Oktober oder „Kunst und Kommerz“ im Mai sollten aus seiner Sicht auf jeden Fall fortgesetzt werden. Doch davon, „krampfhaft, ein Thema zu finden und Fieranten zu gewinnen“, um veralteten gesetzlichen Vorgaben zu genügen, hält Andrea Schmieder nicht viel.

Vier verkaufsoffene Sonntage gab es in den vergangenen Jahren in Waldkraiburg und wiederholt hatte es Diskussionen um den Anlass und den Umgriff des Gebiets gegeben, in dem Geschäfte öffnen dürfen. Vor drei Jahren wurde die räumliche Ausdehnung beanstandet. Ein großer Fachmarkt und ein weiteres Geschäft im nur wenige hundert Meter entfernten Gewerbegebiet müssen seitdem zu bleiben.

Auch das ist aus Sicht der Aktionsgemeinschaft, die insgesamt rund 60 Mitglieder vertritt, ein Unding. In Waldkraiburg seien die beiden Geschäfte vom verkaufsoffenen Sonntag ausgeschlossen, in anderen Kommunen, zum Beispiel – Pfarrkirchen, Raubling, Burghausen – dürften große Einkaufszentren auf der „grünen Wiese“, ohne Anbindung an den Stadtkern, aufmachen. „Das ist nicht mehr nachvollziehbar“, sagt Adi Schäftlmaier. Und Willi Engelmann hofft, dass mit dem jüngsten Vorstoß des Wirtschaftsministers auch diese Problematik gerechter gelöst wird.

Dabei betonen die Vorstände der Aktionsgemeinschaft, dass sie keinesfalls einer ungezügelten Liberalisierung des Ladenschlussgesetzes das Wort reden wollen. Engelmann: „Vier verkaufsoffene Sonntage mit Öffnungszeiten nach der Kirche am Nachmittag reichen.“ Und zu Forderungen, bei den Öffnungszeiten unter der Woche über 20 Uhr hinauszugehen: „Ich will keine Supermärkte, die rund um die Uhr auf haben.“

Im Übrigen seien Nachtöffnungszeiten schädlich für den örtlichen Handel an Standorten wie Waldkraiburg, so Adi Schäftlmaier. „Von solchen Zeiten profitieren nur die großen Einkaufszentren. Das fördert den Einkaufstourismus an den Wochenenden weiter.“ Dabei gerate der kleine örtliche Handel ohnehin durch den rasant wachsenden Internet-Handel immer stärker unter Druck.

Andrea Schmieder vom gleichnamigen Nähmaschinen und Handarbeitsgeschäft befürchtet keine Nachteile „in meiner Mini-Branche“. Schmieder: „Mein größter Feind ist der Online-Handel. Da versuche ich, so weit möglich selbst mitzumischen. In anderen Branchen könnten die kleineren Standorte allerdings durch eine Ausdehnung der Öffnungszeiten Nachteile haben.“ Ihr großer Wunsch, die beiden verkaufsoffenen Sonntage im Herbst nicht so kurz aufeinander folgen zu lassen, ist kein Fall für den Wirtschaftsminister.

Öffnungszeiten bis 22 oder 23 Uhr würden sich auf Geschäfte in Waldkraiburg nicht auswirken, glaubt dagegen Alexandra Schneider von Wäsche Wachutka. Da sei der Zug schon abgefahren. „Wir leben eh von unseren Stammkunden, für die spielen solche Öffnungszeiten keine Rolle.“

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