Kein Zahlendschungel

von Redaktion

Bürgerversammlung sind eine gute Gelegenheit, sich über die wichtigsten Themen einer Kommune kurz und knapp zu informieren. Wobei kurz und knapp immer so eine Sache ist. Denn wenn erst einmal viele Daten und Fakten in einem Vortrag verpackt werden, kann es für den Zuhörer langatmig werden. Für die eigentlich wichtigen Themen braucht der Zuhörer Durchhaltevermögen.

Sind wir doch mal ehrlich: Wer weiß denn noch am nächsten Tag, wie viele Betreuungsplätze es gibt? Oder wie groß das Haushaltsvolumen ist? Bürgermeister Robert Pötzsch geht deshalb das Thema ganz anders an: Die wichtigsten Zahlen gibt es in einer Broschüre zum Nachlesen, sein Vortrag konzentriert sich stattdessen gleich von Anfang an auf die entscheidenden Aufgaben in der Stadt. Projekte statt Zahlendschungel.

Und das macht sich bezahlt. Denn am Ende bleibt mehr Energie bei den Zuhörern übrig und die haben sie dieses Jahr wie selten zuvor in ihre Fragen investiert. Ob bei der Bürgerversammlung im Haus der Kultur oder im Pfarrhof in Pürten: Das Mikro wechselte während der Fragerunde munter durch den Raum. Klar, ging es auch um kaputte Straßenlaternen, undisziplinierte Parker oder den Wunsch nach einem Radweg. Aber die Diskussionen prägten die großen Themen der Stadtentwicklung wie der Schultausch, das Forschungszentrum oder Wohnungsbau.

Gesprächsbedarf gibt es wohl auch noch hinsichtlich des geplanten Tierkrematoriums in St. Erasmus. Noch liegen zwar keine Pläne vor, trotzdem gibt es schon erste kritische Stimmen. Nicht im Dorf, sondern besser in einem Gewerbegebiet soll das Vorhaben umgesetzt werden. Doch lässt es sich wirklich miteinander vergleichen, wenn Lastwägen Schlachtabfälle anliefern oder ein Auto mit einem Spezialanhänger ein verstorbenes Pferd bringt, dem die Besitzer nach vielen gemeinsamen Jahren nachtrauern?

„Unter einer Million geht nichts mehr“, ereiferte sich eine Zuhörerin bei der Bürgerversammlung. Klar, bei den Summen, die Bürgermeister Robert Pötzsch nannte, kann einem schon schwindlig werden: Elf Millionen Euro für das Waldbad, 23 Millionen für das Rathaus, 13,3 Millionen für das Forschungszentrum. Da sind kleinere Investitionen wie für den städtischen Kindergarten noch gar nicht dabei.

Große Zahlen, keine Frage. Aber was man dabei nicht vergessen darf: Das sind keine Luxusprojekte, welche die Stadt unbedingt haben will. Gerade das Thema Kinderbetreuung betrifft viele. Mehr Einwohner, mehr Kinder und damit eben auch mehr Betreuungsplätze. Denn wer will schon dauerhaft vor dem Problem stehen, keinen Kindergartenplatz für sein Kind zu haben.

Nur mal einen Tag keinen Platz hatten die Kinder vom Kindergarten Maria Schutz. Dort gab es zum Wochenstart nämlich nasse Füße. Ein Rohrbruch in einem der Waschräume hat den Eingangsbereich unter Wasser gesetzt. Deshalb blieb der Kindergarten für einen Tag geschlossen. Die Kinder hat‘s sicherlich gefreut, ausnahmsweise daheim bleiben zu dürfen – oder wie eben meine Tochter, auch mal ein paar Stunden mit in die Redaktion. Eine nette Abwechslung für beide.

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