Waldkraiburg/Pürten – Schlechte Straßenzustände, abgeschlossene Parkplätze oder der Wunsch nach einem Radlweg: Eifrig nutzten die Bürger die Gelegenheit bei der Bürgerversammlung, im Anschluss ihre Fragen zu stellen. Aufreger war das geplante Tierkrematorium in St. Erasmus, für den es Applaus von den Zuhörern gab.
Wolfgang Hintereder: Braucht es auch noch ein Tierkrematorium in St. Erasmus? Das ist der falsche Fleck, dafür gibt es Industriegebiete. Die Tierkörperverwertungsanlage ist ein Schandfleck. Pferde einäschern ist ein Luxusproblem: Was macht dann der Investor, wenn es keine Nachfrage mehr gibt? Der Kirchturm ist 32 Meter hoch, der geplante Kamin 27 Meter. „Braucht es so was?“ Wenn es nicht riecht, wieso braucht man dann überhaupt einen Kamin? „Braucht es noch mehr Verkehr? Muss das mit St. Erasmus gemacht werden?“ Kein Gewerbe, stattdessen soll man die Landschaft wirken lassen.
Pötzsch: Das Gelände um die Tierkörperverwertungsanlage ist als Sondergebiet ausgewiesen. Der Stadtrat selbst ist von den Plänen in einer nicht öffentlichen Sitzung informiert worden. „Wir werden in diesem Verfahren noch beteiligt und können dann eine Stellungnahme abgeben.“
Manfred Brandwirth: Ist die Geothermie schon ausgereizt?
Herbert Lechner: Man ist noch weit von der Kapazität weg. Ausgereizt wird die Geothermie nämlich so, dass in sehr kalten Zeitspannen, wenn mehr Energie benötigt wird, zugeheizt werden muss. Würde man den Bedarf auch in diesen Kälteperioden abdecken wollen, gebe es für den Rest des Jahres zu wenig Abnehmer für die Wärme.
Florian Zacherl: Kann man pauschal sagen, wie viele Wohnungen es mehr in Waldkraiburg gibt?
Götz Keßler: Aktuell gibt es noch nicht mehr Wohnungen. Aber mit den geplanten Projekten werden rund 250 Wohnungen entstehen. „Das muss man sich überlegen, in welchen Schritten dies gemacht wird, um keine Leerstände zu haben.“
Andreas Rödig: Ortsteich, Feuerwehr oder Parkbänke: In den vergangenen Jahren seien viele Projekte in Ebing umgesetzt worden. „Warum werden diese nicht erhalten und gepflegt?“ Nach einem Unfall ist eine Straßenlaterne ausgefallen, bis heute ist sie nicht repariert. „Es dauert viel zu lange.“
Pötzsch: „Wir werden das in den Bestand aufnehmen und priorisieren.“ Vielleicht ist es zu viel, so dass es hinten runtergefallen ist. „Wir werden es zeitnah umsetzen.“
Anton Gallneder: Der Kreisverkehr bei Niederndorf wurde vergangenes Jahr saniert. Darunter gelitten hat das untere Dorf in Pürten, weil auch Lastwägen diese Strecke als Umleitung nutzten. „Die Verkehrsinsel ist ramponiert, Gummielemente sind rausgerissen. „Eine Antwort habe ich noch nicht bekommen.“
Pötzsch: Die Stadt will sich darum kümmern, dass die Schäden ausgebessert werden.
Florian Zacherl: Die Straße nach Moos ist in einem schlechten Zustand. Kann man da ein bisschen Asphalt hinschütten?
Pötzsch: Mit Asphalt hinschütten allein ist es nicht getan. „Das ist zu wenig. Die Maßnahme ist im Haushalt drin.“
Franz Pertl: Die Straße zum Feuerwehrhaus in St. Erasmus hat ein Schlagloch. Da tut sich nichts. „Es passiert nichts mit Schauen und Messen.“
Pötzsch: „Das werden wir uns auf die Fahnen schreiben.“
Anna Hörth: „Ich hätte gerne das Angebot des Kulturbusses genutzt, aber mir wurde gesagt, dass er nicht in die Ortsteile fährt.“ Das dafür nötige Abo hat sie.
Pötzsch: Der Kulturbus fährt in Zusammenarbeit mit dem Adalbert-Stifter-Wohnheim und ist für Leute mit einem Abonnement gedacht. „Ich erkundige mich.“
Anna Hörth: „Besteht die Chance, dass die Geothermie nach Pürten kommt.“
Lechner: Der Fokus liegt bei dem Geschosswohnungsbau. „In naher Zukunft kommt die Geothermie nicht über die Brücke.“
Pötzsch: „Es braucht die großen Abnehmer.“
Anne Stadler: Wenn die Harter Brücke abgerissen wird, gibt es dann auch gleich Ersatz?
Pötzsch: Abriss und Neubau gehen nahtlos ineinander über. Geplant ist aber, die Gewichtsbegrenzung auf 40 Tonnen anzuheben. „Die Stadt wird ihren Teil dazu zahlen.“
Sebastian Roß: Zu einer möglichen Erweiterung des Industriegebiets: Wie groß ist die Fläche und wie sieht‘s aus mit entsprechenden Ausgleichsflächen?
Pötzsch: Es geht dabei um etwa zehn bis zwölf Hektar. Käufer müssen einen Ausgleich schaffen. Aber auch die Stadt ist immer auf der Suche nach Ausgleichsflächen für eigene Baumaßnahmen.
Sebastian Roß: Es wird so viel zubetoniert, am Ende müssen die Landwirte machen. „In St. Erasamus gibt es so viele Steingärten und Mähroboter.“
Pötzsch: Die Stadt ist ohnehin eingeschränkt, braucht aber die Flächen, ansonsten sind die Firmen weg. Eine schwierige Aufgabe für die Stadt: „Was ist möglich? Wo lässt sich was verwerten?“
Helga Manstetter: Neben dem Wirtshaus in Pürten sind nach der Dorferneuerung die Parkplätze noch nicht freigegeben. „Wir brauchen die Parkplätze. Nicht, dass sie vergessen werden.“
Pötzsch: Der Boden muss sich erst setzen und festigen. „Damit der Parkplatz nicht gleich wieder kaputt geht.“
Ein Bürger aus Niederndorf geht gern mit seiner Frau abends in Waldkraiburg spazieren. Überall sind die Schaufenster schön beleuchtet. „Nur vor der Bäckerei Pötzsch ist alles dunkel.“
Pötzsch: „Wirklich? Ich gebe es an den Chef weiter.“
Sepp Brandl: Tempo 30 und die Regelung „Rechts vor links“ – in Niederndorf funktioniert das nicht. Die Sicht ist teilweise eingeschränkt. Vorschlag: „Die Pürtener Straße zur Hauptstraße machen und die Seitenstraßen herabstufen.“
Pötzsch: „Diesen Vorschlag werden wir in die Verkehrsschau aufnehmen.“
Brandl: Die Stadt soll Anschieber sein beim Straßenbauamt Rosenheim. Denn der Kreisverkehr in Niederndorf ist eine „tote Sache“. Das Volksbegehren zur Artenvielfalt soll man als Aufhänger nehmen, damit dort eine Blühfläche geschaffen wird.
Pötzsch: Straßenbauämter handhaben die Bepflanzung der Kreisverkehre unterschiedlich. Das Rosenheimer ist in dieser Hinsicht eher schwerfällig. „Das Volksbegehren ist ein Anlass.“
Brandl: Einen großen Wunsch hat er: Einen Radlweg nach Kraiburg. Dazu wird er poetisch und hat extra ein Gedicht geschrieben. „Warum geht nix vorwärts? Liegt es ebban am Geud? Oder is es die Statik? Drum frag i jetzt heud?“
Pötzsch: Die Straße nach Kraiburg ist eine Kreisstraße. „Ein Radlweg steht weit hinten im Kreishaushalt.“