Verein im Krankenstand

von Redaktion

Zu den besten Zeiten hatte der Krankenpflegeverein über 2000 Mitglieder. Mehr als eine halbe Million Euro brachte der Verein seit den 70er-Jahren für die ambulante und Kurzzeitpflege in Stadt und Dekanat auf. Doch im 50. Jahr seines Bestehens ist die Zukunft ungewiss.

Waldkraiburg – Auch in diesem Jahr fördert der Krankenpflegeverein Waldkraiburg die Arbeit der Caritas-Sozialstation mit 10000 Euro. Doch allzu lange wird die finanzielle Unterstützung in dieser Form nicht mehr möglich sein. „Wenn es wie bisher weitergeht, dann ist der Verein in fünf Jahren am Ende und das Vermögen aufgebraucht.“ Mit diesen Worten bringt Siegfried Klika, Altbürgermeister und Kassier des Krankenpflegevereins, die Situation auf den Punkt: Die Mitgliederzahl ist auf 135 abgeschmolzen, das Vermögen auf 70356 Euro. Der Verein ist völlig überaltert, die Werbung neuer Mitglieder, das zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre, ist außerordentlich schwierig.

Vor 50 Jahren war das ganz anders. Als der damalige Stadtpfarrer Rudolf Haderstorfer den Verein im Juni 1969 mit engagierten Waldkraiburger Bürgern aus der Taufe hob, war dies die Antwort auf ein drängendes soziales Problem der Zeit. In der Stadt, die schon damals einen vergleichsweise hohen Anteil an Senioren hatte, gab es keine Einrichtung der ambulanten Pflege. Als Mitte der 1970er-Jahre der Caritas-Verband flächendeckend neue Sozialstationen mit zentraler Einsatzleitung auf Kreisebene gründete, blieb die örtliche Pflegestation unter Trägerschaft des Krankenpflegevereins erhalten, ein Waldkraiburger Alleinstellungsmerkmal. Nun gab es zwei Sozialstationen im Kreis. Das Einsatzgebiet wurde auf das ganze Dekanat Waldkraiburg ausgedehnt. Und die Akzeptanz der Waldkraiburger Station wuchs erneut, als 1986 gemeinsam mit der Stadt eine Kurzzeitpflegestation in der Mozartstraße als Modellmaßnahme eingerichtet wurde. Die Mitgliederzahl schnellte noch einmal nach oben, so Klika, auf über 2200.

Seitdem hat sich viel verändert, der ganze Pflegebereich ist völlig neu organisiert und finanziert. Die Kurzzeitpflege musste aufgegeben werden. Damit fehle „das Leuchtturmprojekt“, mit dem sich die Menschen vor Ort identifizieren, findet Klika, der ehemalige Geschäftsführer der Sozialstation, die 2003 in die Trägerschaft des Caritasverbandes überging. Seitdem fördert der Krankenpflegeverein die ambulante Pflege, die auch von Mühldorf aus sehr zuverlässig geleistet werde, mit jährlichen Betriebskostenzuschüssen. Damit der Bezug der Menschen vor Ort wieder gestärkt wird, habe man die Caritas gebeten, die Präsenz in der Waldkraiburger Niederlassung, die Büro- und Beratungszeiten wieder zu stärken, sagt der Kassier.

Seit Bestehen der Sozialstation (1976) hat der Verein nach seinen Worten über 560000 Euro für die Sozial- und Pflegearbeit aufgebracht. Für die Zeit davor liegen keine Zahlen mehr vor. Ein beachtlicher Wert, ein Grund zum Feiern. Ob und wie das 50-jährige Bestehen des Krankenpflegevereins begangen wird, ist noch nicht klar. So wenig, wie es weitergeht mit dem Verein. Eine mögliche Option: eine Überleitung in den Förderverein des Caritas-Zentrums in Mühldorf. Entschieden sei darüber aber nicht.

Der Vorstand

Bei den turnusgemäßen Neuwahlen haben sich keine gravierenden Veränderungen ergeben. Pater Bernhard Stiegler ist als Leiter des Pfarrverbands als Vorsitzender gesetzt. Als seine Stellvertreterin wurde Regina Westhoff bestätigt. Schriftführerin bleibt Inge Schauberger, Schatzmeister Siegfried Klika. Weitere Mitglieder im Vereinsausschuss sind Marie Hauptfleisch und Franz Schölzel sowie als Vertreter der evangelischen Kirche Erika Stangl (für Ulrike Marczynski) und als Vertreter des Caritas-Zentrums Mühldorf Kreisgeschäftsführer Richard Stefke. Als Kassenprüfer fungieren Petra Spirkl und Anton Kindermann.hg

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