Kraiburg – Die Tuareg-Rallye ist Geschichte. Und das Abenteuer in der algerischen Wüste hat Spuren hinterlassen. In der Hofeinfahrt zur Werkstatt von Adi Ruhaltinger in Kraiburg-Malseneck steht sein ramponierter grasgrüner „Frosch“. Mit dem knallgrünen Rallye-Auto der Marke Tomcat, gebaut auf der Basis eines Land Rovers, mit dem er im März zusammen mit seinem Team-Kollegen Ernst Amort vom Pircher-Racing-Team den Wettkampf anging (wir berichteten mehrfach).
Mit großer Begeisterung erinnert sich Ruhaltinger an dieses Erlebnis zurück, obwohl die Rallye von einigen Problemen überschattet wurde, allen voran ein schwerer Unfall bei einer Testfahrt. Aufhören war jedoch keine Option für sie. „Wenn man so ein Rennen fährt, steht man derart unter Adrenalin. Da denkt man nicht an Schlaf, Schmerzen, Hunger oder sonst etwas“, so der OffRoad-Fahrer. „Das Auto muss schnellstmöglich wieder fahrtüchtig sein. Man hat nur das Rennen vor Augen, denn das muss weitergehen. Egal wie“, so der Extremsportler.
Gleich am ersten Renntag bekam das Team eine Strafzeit, weil es einen Checkpoint nicht angefahren hatte. In diesem Fall war es ein Secret Checkpoint. „Die muss man natürlich erst einmal finden.“ Denn wer nicht alle Stempel in der Startkarte hat, kann am Ende des Tages bei der Auswertung ganz vorne ins Ziel einfahren, rutscht aber durch die Strafzeiten automatisch ein paar Plätze nach hinten.
Immer wieder habe sich das Team nach vorne gekämpft.
Kurz vor Ende der Rallye war der Wettkampf für die Startnummer 227 dennoch frühzeitig beendet. Ihr Fahrzeug streikte. Eine Reparatur war absolut unmöglich. „Motorisch hat unser Auto super funktioniert, aber durch die fehlende Windschutzscheibe, mit der wir die ganze Zeit fahren mussten, kamen die Probleme. Der Motor wurde schnell überhitzt.“ Als klar war, dass das Rennen für die beiden vorbei ist, wollten Ruhaltinger und Amort den Samstag zur Erholung nutzen.
Es kam völlig anders. Statt sich von den Strapazen zu erholen, landete „Adi“ auf dem Beifahrersitz eines Unimogs. „Paul, wie der Unimog-Fahrer hieß, stand auf einmal alleine da. Sein Teamkollege musste kurz vor Ende des Rennens wieder nach Hause fliegen. Also sprang ich ein.“
Der Unimog schaffte es dann auf die vordersten drei Plätze. Paul hatte er erst bei dieser Rallye im Camp kennengelernt. Der Unimog-Fahrer wusste jedoch, dass der Mühldorfer sehr viel Erfahrung mitbringt und ein guter Co-Pilot für ihn wäre. „Wir waren dann ein richtig tolles Team, obwohl wir da zum ersten Mal zusammen in einem Fahrzeug saßen.“ Ruhaltinger ist selbst früher Unimog-Rennen gefahren, bevorzugt heute aber das Fahrgefühl mit seinem grasgrünen Rallye-Wagen.
Ruhaltinger strahlt übers ganze Gesicht, wenn er von der Tuareg-Rallye erzählt. „Die Rallye war hervorragend organisiert. Der Zusammenhalt war klass, auch das Leben im Camp war einfach großartig.“ Trotz der Sicherheitswarnungen durch das Auswärtige Amt gab es nicht das Geringste zu beanstanden. Die Polizei war überall und sehr bemüht, dass nichts passierte.
In wenigen Monaten sind die beiden Rennsportler wieder bei einer extremen Tour unterwegs. Da zieht es sie nach Bulgarien zur größten Off-Road-Rallye Europas. Die startet am 14. September in Borovets und endet am 20. September am Schwarzen Meer. Seit 2011 gibt es die spektakuläre Motorsportveranstaltung. Ruhaltinger ist seit Anfang an dabei. Quer durch Bulgarien, von den Bergen bis ans Meer. Was für Aussichten…