Waldkraiburg und die Welt – Das Jahnstadion bekommt eine Tribüne mit 2000 Plätzen. 100000 Mark soll die 90 Meter lange Stahlbetonkonstruktion mit Sitzbänken aus Holz kosten. Das berichtet die Zeitung in der Woche vor 50 Jahren.
Stadtbaumeister Alfred Frank stellt im Stadtrat außerdem die Pläne für eine tausend Quadratmeter große Teichanlage im Stadtpark vor. Die voraussichtlichen Kosten für die betonierten Becken: 20000 Mark.
Der schulfreie Samstag wird heiß diskutiert, auch in einer Umfrage der Zeitung. Der Tenor unter Lehrern, Eltern und Schülern: Der schulfreie Samstag bringt nur dann etwas, wenn auch der Lehrplan geändert wird und nicht die Stunden am Nachmittag nachgeholt werden müssen.
Das Kriegerehrenmal soll im Waldfriedhof aufgestellt werden. Auf diesen Standort verständigen sich Bürgermeister Josef Kriegisch und die Krieger- und Soldatenkameradschaft.
Die Kraftfahrer in Waldkraiburg wollen nicht mehr hinnehmen, dass die Benzinpreise in der Stadt um bis zu sieben Pfennig pro Liter höher sind als in der Umgebung. In einem Protestschreiben an sieben Mineralölgesellschaften, das auch Bürgermeister Kriegisch unterzeichnet und von 26 Industriebetrieben und dem Gewerbeverband mit 200 Mitgliedern sowie dem ADAC Motorclub mitgetragen wird, werden Forderungen nach einer Angleichung der Preise erhoben. Die Tankstellenbesitzer und -pächter in Waldkraiburg haben dafür derzeit nicht den Spielraum.
Gleichzeitig berichtet die Zeitung über den „Treibstoffkrieg in Mühldorf“. Dort verschärfen die Freien Tankstellen den Wettbewerb weiter. „Ein Kampf um Zehntelpfennige hat eingesetzt.“ Einer der Freien Besitzer kündigt an, in Waldkraiburg eine Tankstelle zu eröffnen. „Jetzt geht es auch in der Industriestadt los.“
Seit Monaten streiten Gewerkschaften und Unternehmer um das Betriebsverfassungsgesetz, das paritätische Mitbestimmung der Arbeitnehmer in großen Firmen vorsieht. Wochenlang veröffentlicht auch die Heimatzeitung kontroverse Leserbriefe von Seiten der Industriegemeinschaft und der Gewerkschaft. Dann setzen sich Unternehmer, Politiker und Betriebsräte bei einem Seminar der Industriegemeinschaft im Gummiwerk zusammen. Das Fazit: „Alle haben etwas dazu gelernt.“
Waldkraiburg bekommt einen Wochenmarkt am Mittwoch. Auf Initiative eines auswärtigen Unternehmers werden ab sofort vor dem Gasthof „Bayernbrücke“ auf dem Platz hinter der Polizeistation Obst, Gemüse, Honig, Eier, Geflügel und Geräuchertes verkauft.
Die Landpolizeistation Waldkraiburg wird verstärkt und hat künftig 30 Beamte (heute sind es 49; Anm. d. Red.).
Richtfest bei der Gemeinnützigen Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft Waldkraiburg: 60 neue Wohnungen für Spätaussiedler für 2,5 Millionen Mark sind entstanden. Insgesamt hat die Genossenschaft seit ihrer Gründung damit über 1300 Mietwohnungen, 84 Eigentumswohnungen und über 250 Familieneigenheime gebaut.
Sie war ein großer Streitpunkt in den 1960er-Jahren: Die Verlängerung der Verjährungsfrist für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Dritten Reich. Das Verfassungsgericht stellt vor 50 Jahren fest, dass die 1965 vom Bundestag beschlossene Verlängerung der Verjährungsfrist bis Ende 1969 nicht gegen die Verfassung verstößt. Das Bundeskabinett beschließt wenige Tage später: Die Verjährung bei Mord und Völkermord soll ganz aufgehoben werden.
Nordirland steht am Rande eines Bürgerkriegs. Nach dem „Blutsonntag von Londonderry“, bei dem 260 Menschen verletzt werden, ruft die nordirische Regionalregierung britische Truppen zu Hilfe. Ausgelöst wurden die blutigen Zwischenfälle durch ein Sit-in katholischer Bürgerrechtler, die von protestantischen Nationalisten angegriffen wurden. Die Katholiken fühlen sich in Nordirland diskrimi- niert.hg