Steckbrief

Mit natürlicher Autorität

von Redaktion

Porträt der Woche Fritz Gottwald, Vorsitzender des Alpenvereins Wasserburg

Wasserburg/Gars – Das Mobiliar in seinem Haus in Mittergars ist hauptsächlich aus Holz, auch die Decke im Wohnzimmer, die sein Vater liebevoll geschreinert hat. Gemütlich ist’s bei Fritz Gottwald, dem Vorsitzenden des Deutschen Alpenvereins, Sektion Wasserburg. Ein echter Naturfreund. Am Esstisch hat er die Zeitung ausgebreitet, und das Gespräch beginnt mit einem Thema aus dem Blatt. In 80 Jahren könnten die Alpen fast völlig eisfrei sei, wird eine Studie zitiert. Die Entwicklung verfolgt Gottwald schon seit vielen Jahren, und sie macht ihm große Sorgen. „Noch Anfang der 80er-Jahre bin ich oft in Eiswände gestiegen, aber viele sind relativ schnell abgeschmolzen. Die gibt es heute definitiv nicht mehr.“

Noch ein weiteres aktuelles Thema, das die Alpen betrifft, kommt in der Zeitung zur Sprache: Reinhold Messner, so ist zu lesen, will nicht, dass am Kronplatz am Rande der Dolomiten ein Konzert veranstaltet wird. Auch Gottwald ist dagegen, dass die Alpen immer mehr als Kulisse für die Bespaßung der Touristen herhalten müssen. Doch den Ex-trembergsteiger sieht er kritisch. Diesen Trend habe der geschäftstüchtige Südtiroler selber mitbefördert, Messner habe „auch selbst viele Events in die Berge gebaut“.

Geboren ist Gottwald nahe Ebersberg, in Wasserburg besucht er das Luitpold-Gymnasium. Nach dem Abitur 1981 verpflichtet er sich für zwei Jahre bei der Bundeswehr. Er schlägt die Offizierslaufbahn ein, mit Stationen in Neuburg an der Donau und München, und wird Fähnrich der Reserve. Es ist eine Zeit, die ihn prägt. Im Gespräch lässt er sein Bedauern darüber einfließen, dass es Wehrpflicht oder Zivildienst nicht mehr gibt: „Ich finde es schade, dass sich die jungen Leute nicht mehr für unseren Staat einsetzen müssen.“

Während der Zeit beim Bund entdeckt der junge Gottwald seine Leidenschaft für die Polizei, 1983 in der Eichstätter Polizeischule beginnt er seine Berufslaufbahn. „Das war eine schwierige Zeit, 1985 wurde ja Wackersdorf errichtet“ – die Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe in der Oberpfalz, deren Bau heftige Proteste auslöst. „Da war ich als Polizist voll mit dabei, vom ersten bis zum letzten Tag.“ Erding und Poing bei München sind seine weiteren Dienstorte, gefolgt von Traunstein und Waldkraiburg, wo er 21 Jahre dient. „Viele Nationen sind da gemischt. Mit auffällig vielen Leuten gibt es Probleme“, sagt er im Rückblick. Seine letzte Etappe ist nun Haag, ein Streifendienstbeamter aus Leidenschaft. Im Büro Akten zu sortieren, nein, das sei nicht sein Ding. „Ich bin gern draußen mit den Bürgern zusammen.“ Bei der Polizei kümmert sich Gottwald auch als Sachbearbeiter um den Naturschutz und geht Umweltsünden nach. Geradezu prädestiniert ist er für den Vorsitz des Alpenvereins Wasserburg. Der Zweite Vorsitzende Karl Schwaninger verspricht ihm tatkräftige Unterstützung, und so meistert Gottwald den Schritt an die Spitze des Vereins. Sein Vorgänger wird abgewählt. „Der hatte eine etwas schwierige Art“, erinnert sich Gottwald, ohne in die Einzelheiten zu gehen. Seit 25 Jahren hat er diesen Posten nun schon inne. 1200 Mitglieder zählt der Verein, als er anfängt. Mittlerweile sind es 3900. Den Zustrom erklärt er so: „Die Leute wollen halt gern raus, sie nutzen unsere Angebote und Vorteile der Mitgliedschaft.“

Mittlerweile

3900 Mitglieder

Gottwald ist ein Mann mit gewinnender Art und natürlicher Autorität. Er vermittelt ein Gefühl der Sicherheit, sagt einer, der ihn gut kennt, er weiß Gefahren einzuschätzen und hat ein feines Gespür dafür, was für seine Mitwanderer zumutbar ist. Kurzum, ein Mann, dem man sich bedenkenlos anvertrauen kann. Die Touren will er möglichst umweltfreundlich gestalten, also werden Busse angeheuert, kleine und große, damit nicht jeder mit dem eigenen Auto kommt.

Wie schafft er es nur, sich eine so schlanke Figur zu bewahren? Bei der Frage muss Gottwald schmunzeln. „Da haben mich schon viele gefragt. Ich geh‘ halt viel raus in die Berge.“ Sein höchster Berg, den er bezwungen hat, ist der Ojos del Salado in Chile – knapp 6900 Meter hoch. Als längsten Marsch nennt er den über die „Sieben Schwestern“ in Norwegen. „Da bin ich 17 Stunden lang unterwegs gewesen.“ Einen Sturz hundert Meter tief an der Schönfeldspitze im Steinernen Meer überlebt er in den 90er-Jahren nur mit viel Glück. Ein Felsenbrocken hatte sich plötzlich gelöst. Und was für eine große Tour hat er noch vor? „Ich möchte mit meiner Frau zum Nordkap radeln.“ 6500 Kilometer. Gottwald ist fit, es ist ihm zuzutrauen.

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