Schilda 1969: Es heulen die Sirenen

von Redaktion

Funkalarmierung wegen hoher Gebühren der Post zu teuer

Waldkraiburg und die Welt – „Schilda 1969“ – Mit diesem Titel überschreibt die Zeitung in der Woche vor 50 Jahren einen Bericht über Sondergebühren der Deutschen Bundespost, die dazu führen, dass die Feuerwehr nachts wieder per Sirene und nicht mit den hochmodernen Funkalarmgeräten alarmiert wird.

36000 Mark haben die neuen Geräte gekostet, die die bestausgerüstete Feuerwehr im Landkreis noch schlagkräftiger machen soll. Tagsüber läuft die stille Alarmierung über den Pförtner im Rathaus – ohne zusätzliche Telefongebühren. Für die Alarmierung außerhalb der Dienststunden über eine Nebenstelle im Feuerwehrhaus verlangt die Bundespost dagegen sehr hohe zusätzliche Gebühren, die die Stadt seit 1966 auch noch nachzahlen müsste. Hochgerechnet 102 Mark würde jeder Funkalarm damit kosten.

Die Stadt legt Einspruch ein und die Feuerwehr wird mindestens vorübergehend nachts wieder über Sirene zu einem Brand oder Unfall gerufen. Und 16000 Einwohner aus den Federn gerissen.

Eine Notkirche wird in der Enzianstraße aufgestellt. Sie soll den Gläubigen aus dem westlichen Stadtgebiet den Weg zur Christkönigkirche ersparen. Zuletzt waren für sie alle zwei Wochen eine Messe im Festsaal der Gaststätte Zappe gefeiert worden. Später soll statt der provisorischen Holzkirche eine richtige Kirche gebaut werden. (Nichts ist so beständig wie ein Provisorium. Die Johann-Nepomuk-Kirche steht bis heute; Anm. d. Red.)

Nicht weniger als 2000 Teilnehmer kommen zur Maikundgebung der Gewerkschaft in der Festhalle zusammen.

Die passionierten Angler und Sportfischer wollen sich zu einem Verein zusammenschließen. Zwei Dutzend Fischer haben ihr Interesse angemeldet. Ein Fischwasser in der Nähe von Haigerloh steht bereit.

Auf „moderne Jugendarbeit“ setzt die katholische Stadtpfarrei in der alten Bunkerkirche. Neben Tanz und Musik gibt es in den Clubräumen jede Menge Angebote, Vorträge und Diskussionen zu Themen wie Pazifismus, Antibaby-Pille oder die Studentendemonstrationen. 60 bis 70 Jugendliche kommen fast immer, sagt Kaplan Huber und begründet dies damit, dass „wir nicht die Themen vorgeben und mit erhobenem Zeigefinger drohen, sondern weil wir den Jugendlichen die Themenstellung, Organisation und Einladung von Referenten selbst überlassen“. Clubleiter ist Manfred Meier, der demokratisch von den Jugendlichen gewählt wurde.

Der neue Wochenmarkt, in der Nähe des Polizeigebäudes, der mit sechs Ständen gestartet ist, hat einen so großen Zulauf, dass die Zeitung schon nach dem zweiten Termin verkündet: Das wird eine ständige Einrichtung.

Josef Fuchs aus Waldkraiburg wird erneut zum Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Egerländer Gmoin in Südostbayern gewählt, in der zwölf Vereine organisiert sind.

Tischtennis-Legende Eberhard Schöler verpasst in München den WM-Titel. Trotz einer 2:0-Führung unterliegt der Abwehrkünstler dem Japaner Ito im Finalkrimi mit 2:3 Sätzen.hg

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