DieHochzeit,dieman die „Eiserne“nennt

von Redaktion

Kurt und Berta Krüger aus Waldkraiburg sind seit 65 Jahren verheiratet

Waldkraiburg – Sie haben Höhen und Tiefen erlebt, Freud und Leid geteilt und immer zusammen gehalten: Vor 65 Jahren haben sich Berta und Kurt Krüger das Jawort gegeben, am 22. April 1954 in Stadlern. „Es war eine richtige Bauernhochzeit mit Böllerschützen und Blasmusik.“ Noch heute erinnern sie sich gerne daran.

Berta Krüger kam am 30. Dezember 1932 im Böhmerwald zur Welt und wuchs mit vier Geschwistern auf. Als 13-Jährige wurde sie mit ihrer Familie vertrieben. Nach der Schulzeit in Waldhausen bekam sie in München eine Lehrstelle als Näherin. Dort wohnte und arbeitete sie bis zur Heirat. „Den langen Weg vom nächsten Bahnhof bis nach Titlmoos musste ich zu Fuß zurücklegen, keiner hatte ein Auto damals.“

Ihr Gatte Kurt ist am 28. Juli 1927 in Berlin geboren. Er hatte drei Brüder. Nach der Schulzeit lernte er als Chemiegraf im Buchdruckergewerbe. Schon mit 16 Jahren wurde er Soldat und kam später nach Heilbronn in Gefangenschaft. Nach Berlin konnte er nicht mehr zurück. Ein Kamerad verriet ihm eine Adresse in Grünthal, wo er als „Stadtkind“ die Landwirtschaft gründlich kennenlernte und acht Jahre bei einem Bauern arbeitete, ehe er in Mühldorf auf dem Bau tätig war.

Beim Waldfest mit Musik und Tanz lernte er 1951 in Hochstraß seine Berta kennen. Sie wurden ein Paar. Kurt ging 1952 nach Gelsenkirchen und wurde Bergmann. Als Hauer war er 30 Jahre „unter Tage“ tätig, in bis zu 1000 Meter Tiefe.

Ein Jahr nach der Hochzeit zog auch Berta ins Ruhrgebiet. „Wir haben uns jeden Tag mit einem Kuss und lieben Worten verabschiedet. Immer hatte ich Angst um ihn, wenn er in die Grube fuhr“, denkt sie zurück. „Doch die heilige Barbara – Patronin der Bergleute – hat mir immer Glück gebracht“, sagt Kurt und erzählt, dass die Bergmänner damals pro Jahr sechs Tonnen Kohle bekamen. „Die mussten wir mit Eimern in den Keller tragen. Einen Teil konnten wir verkaufen.“

Zwei Söhne entstammen der glücklichen Ehe; einer verstarb schon mit elf Jahren an Leukämie. Das war ein schwerer Schicksalsschlag für die Familie.

Zwischendurch zog es die Krügers immer wieder nach Bayern. Mit Freude sahen sie Waldkraiburg wachsen, wo sie sich 1982 eine Wohnung am Grünen Weg kauften. Von dort gingen sie gerne in den Stadtpark zu den volkstümlichen Sonntagskonzerten.

Eine seniorengerechte Wohnung in der Adlergebirgsstraße lockte sie vor zwei Jahren in die Innenstadt, wo sie sich sehr wohl fühlen und ihren Haushalt noch selbst bewältigen. Das einigermaßen rüstige und geistig sehr fitte Ehepaar freut sich über die Besuche und die Unterstützung ihres Sohnes, der in Erding lebt.

„Meine Kameraden vom Bergbau sind alle schon verstorben – mir tut halt die gute bayerische Luft gut und die Pflege meiner Frau“, sagt der 91-Jährige lächelnd.

Und – gibt es noch ein Rezept, so lange zusammen glücklich zu bleiben? Ihr Fazit: „Die Armut hat uns zusammen geschweißt und jeder muss halt nachgeben können.“

Mit einem Blumenstrauß gratulierte auch Bürgermeister Robert Pötzsch dem Paar zur Hochzeit, die man die „Eiserne“ nennt. Dazu gab es Glückwünschschreiben vom Landrat, vom Ministerpräsidenten und vom Bundespräsidenten.

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