Waldkraiburg – Von einem Tag auf den anderen funktionierte plötzlich der Fahrstuhl nicht mehr am Stadtplatz 20. Eigentlich sollte nur eine Inspektion durchgeführt werden, doch danach wird er aufgrund technischer Mängel nicht mehr in Betrieb genommen. Für die Bewohner heißt das: Treppen steigen. Was aber für manche Mieter nicht immer ganz so einfach ist aufgrund körperlicher Beschwerden.
Jochan-Walter Moscu-Gregor kennt das Haus und seine Bewohner. Bis vor 20 Jahren lebte er selbst dort, noch heute ist sein Vater Mieter. Er hat eine kleine Wohnung im sechsten Stock und hat sich trotz seiner 85 Jahre noch immer selbst versorgt. Bis zum 18. Januar. „Ohne Aufzug ist es für ihn nicht möglich, die Einkäufe bis in den sechsten Stock hochzutragen.“
Die siebenstöckige Wohnanlage am Stadtplatz wurde in den 1970er-Jahren errichtet, so alt sei auch der Fahrstuhl. Gleiches Baujahr, sogar gleicher Besitzer und gleiche Hausverwaltung wie das Gebäude in der Prager Straße 6, in dem ebenfalls die Mieter ab 18. Januar wochenlang keinen Fahrstuhl hatten (wir berichteten). Die Wohnanlagen gehören zu diesem Zeitpunkt einem Unternehmen mit Sitz in Luxemburg. Mittlerweile sind beide Gebäude verkauft an ein Unternehmen in Amsterdam.
In einem Schreiben informiert die Hausverwaltung darüber, dass sich die Reparatur des Fahrstuhls schwieriger gestaltet als erwartet. Wann der Lift wieder in Betrieb genommen werden könne, sei bislang nicht absehbar. Auch für die Bewohner am Stadtplatz gibt es eine Mietminderung: Je weiter oben die Wohnung, desto größer ist die Mietminderung. Der gleiche Vorgang wie in der Prager Straße 6.
Das war Anfang Februar. Es vergeht Woche um Woche und nichts passiert. Informationen, ab wann der Lift wieder in Betrieb genommen werden kann – Fehlanzeige. Moscu-Gregor versucht deshalb, Kontakt aufzunehmen mit der Hausverwaltung Adler Wohnen Service, doch: „Alle Anrufe gingen ins Leere. Auch auf meine E-Mails habe ich keine Antwort erhalten.“ Der Satz in dem Schreiben, dass die Hausverwaltung bei eventuell auftretenden Rückfragen gern zur Verfügung stehe, klingt wie Hohn in den Ohren von Jochan-Walter Moscu-Gregor.
Während für die Bewohner der Prager Straße zwar Unterstützung zugesichert, schlussendlich aber doch nicht umgesetzt wird, gibt es am Stadtplatz nicht einmal ein entsprechendes Angebot. Die Mieter müssen seit 18. Januar damit klar kommen, Treppen steigen zu müssen.
Seit Mitte März funktioniert in der Prager Straße der Aufzug wieder, am Stadtplatz ist er noch immer außer Betrieb. Viel zu lange nun schon, findet Moscu-Gregor, der auch für einige Nachbarn seines Vaters spricht. Hinzu kommt, dass die Mietminderung für Januar und Februar rückerstattet worden sei, bislang nicht aber für März und April.
Wieso der defekte Fahrstuhl nicht auch schon längst behoben worden ist wie in der Prager Straße, warum es keine Unterstützung für die Mieter gibt oder warum die Reparatur so lange dauert, darüber hält sich die Hausverwaltung auf Nachfrage der Heimatzeitung bedeckt. Sprecher Dr. Rolf-Dieter Grass teilt in einer knappen Mail lediglich mit, dass die Reparatur des Aufzugs im Gange ist. „Wir rechnen damit, dass er Ende nächster Woche wieder benutzbar sein wird. Wenn wir das genaue Datum wissen, werden wir die Mieter auch entsprechend informieren.“
Die Mietminderung soll als Einmalbetrag zurückerstattet werden, wenn der Grund für die Mietminderung entfallen ist. „Das macht die Abrechnung einfacher und auch für die Mieter transparenter.“