„Wir waren nie über Nacht böse aufeinander“

von Redaktion

Das Eherezept von Anna und Ludwig Helfrich, die ihren 60. Hochzeitstag feierten

Waldkraiburg – Vor 60 Jahren traten sie an den Traualtar – nun feierten Ludwig und Anna Helfrich ihre diamantene Hochzeit. „Sich gegenseitig akzeptieren, wie man ist und nicht stur, sondern auch diplomatisch sein. Wir haben auch mal gestritten, waren aber nie über Nacht böse aufeinander – alles wurde vorher bereinigt“, gibt das rüstige Jubelpaar als ihr „gutes Eherezept“ preis.

Wie so manche Paare aus dem Banat kannten sie sich „so beiläufig“ schon von Kindertagen an – sind im selben Ort geboren und dort zur Schule gegangen. „Ich weiß noch, wie Anna im Sandkasten gespielt hat“, erinnert sich Ludwig, denn seine Cousine war die Freundin von Anna. Aber erst beim Kirchweihtanz kamen sie sich näher, wo es dann „gefunkt hat“. „Als er den ‚Kirchweih- oder Rosmarinbuschen‘ für mich gesteigert hat, wusste ich, dass er es ernst mit mir meint“, denkt seine Anna lächelnd zurück.

Geboren ist Ludwig Helfrich am 28. Juni 1938 in Mercydorf, unweit von Temeschburg/Rumänien. Er wurde bereits mit sieben Jahren Vollwaise. Sein Vater wurde im Krieg vermisst, seine Mutter starb in einem Arbeitslager in Russland. Nach der Schulzeit lernte Ludwig Maschinenschlosser und war in einem großen Betrieb tätig.

Am 6. August 1940 erblickte seine Frau Anna ebenfalls in Mercydorf das Licht der Welt. Ihren Vater hat sie gar nicht gekannt, er ist ebenfalls im Krieg geblieben. Ihre Mutter wurde in ein Kohlebergwerk in der jetzigen Ukraine verschleppt. So ist Anna überwiegend bei ihrer Großmutter aufgewachsen. Nach der siebten Volksschulklasse arbeitete sie bei der Post als Telefonistin.

Ludwig und Anna Helfrich heirateten am 27. April 1959 im heimischen Standesamt, am 2. Mai folgte die kirchliche Trauung. „Es waren schwere Zeiten damals, wir feierten aber eine schöne Hochzeit mit etwa 65 Gästen. Dazu wurde ein Schwein geschlachtet, ein Saal gemietet und alle Verwandten und Freunde halfen mit“, erinnert sich das Jubelpaar. Ein Sohn und eine Tochter vervollständigten das Familienglück.

Im Jahr 1980 erfolgte die Ausreise nach Deutschland. Sie kamen nach Waldkraiburg, wo bereits Annas Mutter und Großmutter lebten. So erwarb die Familie ihr Haus in der Breslauer Straße. Ludwig Helfrich war bis zu seinem Ruhestand bei BMW in München tätig. Fleisch selber „einsuren“ und dann räuchern lassen oder auch das „Wursteln“, die Herstellung einer Art „Kaminwurz“, macht er gerne. Anna leitete 13 Jahre die Turngruppe des Frauenbundes, geht ins Fitness-Studio und gerne ins Theater. Die Helfrichs freuen sich besonders über ihre fünf Enkelkinder. bac

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