Waldkraiburg – Sie ist die letzte noch lebende Beteiligte am Widerstand der „Weißen Rose“: Traute Lafrenz, die heute in den USA lebt und in diesen Tagen ihren 100. Geburtstag feiert.
Was nur wenige wissen: Die mutige Frau, die nicht nur von den Aktionen der studentischen Widerstandsgruppe in München wusste, sondern auch in den Jahren 1942/43 an der Verteilung von Flugblättern gegen das NS-Regime beteiligt war, hat auch eine Verbindung nach Waldkraiburg. Im Sommer 1941 leistete die junge Medizinstudentin nach Abschluss des ersten klinischen Semesters ihren Arbeitsdienst in der Rüstungsindustrie im Werk Kraiburg (Fichte II). Darüber berichtet die verstorbene Waldkraiburger Kulturreferentin Gertraud Kesselgruber in einem Beitrag im Stadtbuch „Waldkraiburg schaut zurück“.
Vor ihrem Arbeitsdienst hatte Lafrenz (heute: Dr. Traute Page) an der Universität in München Hans Scholl, Christoph Probst und deren Freundes- und Widerstandskreis der späteren „Weißen Rose“ kennen gelernt. Zu Scholl entwickelte sich eine sehr enge Freundschaft. Einen Sommer lang war sie mit ihm liiert. In den zwei Monaten ihres Arbeitsdienstes schrieb sie über 20 Briefe an Scholl und berichtete darin auch über ihre Erfahrungen im Rüstungswerk und über die eintönige und anstrengende Arbeit.
Große Hochachtung empfand die Studentin vor der Tapferkeit der französischen Zwangsarbeiterinnen. Zunehmend habe sie auch der Gedanke, durch ihre Arbeit im Rüstungswerk mit schuld am Krieg zu sein und diesen noch zu unterstützen.
1942 wurde sie selbst für die Widerstandsgruppe tätig, brachte Flugblätter in ihre Heimatstadt Hamburg und nach Wien. Nach der Verhaftung der Geschwister Scholl ermittelte die Geheime Staatspolizei auch gegen Traute Lafrenz. Während die Geschwister und weitere Mitglieder der Weißen Rosehingerichtet wurden, wurde sie wegen „Mitwisserschaft“ „nur“ zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Später war Lafrenz erneut in Untersuchungshaft und wurde erst im April 1945 von der amerikanischen Armee befreit.
Nach der Emigration in die USA schloss sie ihr Studium ab und arbeitete als Ärztin in einer heilpädagogischen Klinik.hg