„Ein Nachtjob ist nix für Luschen“

von Redaktion

Interview Wie Martin und Florian Obereisenbuchner mit 50 dem Kater trotzen

Kraiburg/Tüßling – Ein WG-Haus in einer stillgelegten Fabrik. Zwei Brüder, die seit über 25 Jahren Geschäftspartner in der Eventgastronomie sind, leben hier. Mit ihnen zwei Katzen, die geteilt und vergöttert werden. Die Samtpfoten haben heilende Kräfte. Welche Rolle sie beim Bekämpfen des Katers nach einer durchzechten Nacht spielen, erklären Martin und Florian Obereisenbuchner, Betreiber des Uschihauses in Tüßling, im Interview.

Früher Sudhaus und Wailtl‘s in Dorfen, Stadtsaal, Haberkasten, Wintergarten und Uschibar in Mühldorf und seit zehn Jahren das Uschihaus in Tüßling. Ein bewegtes Gastronomenleben ohne regelmäßigen Schlaf. Wie packt man das noch so – jenseits der 45?

Martin: Ich fühle mich nicht älter als 25 (zwinkert). Kürzlich bin ich 50 geworden, verändert hab ich mich aber nicht.

Flo, 48 Jahre: Ich gestehe, wenn unsere Events bis 6 Uhr morgens gehen, dann hab ich hinterher schon einen Jetlag.

Martin: Ja, die Regenerationsphase dauert ein bisschen länger, als vor 20 Jahren. Man muss dann viel ruhen und schlafen. Dann kommt Rudi. Oder Mausigrau und schaut nach, ob wir noch leben.

Die heilende Kraft der Katze…

Martin: Sie bringen Geschenke, tot oder lebendig, tapsen mit der Pfote ins Gesicht, um Vitalzeichen zu checken.

Flo: Du bist schlagartig wach, wenn ein Beutetier plötzlich ziemlich lebendig in der Wohnung rumläuft und die Katze es wieder einfangen will. Oder wenn Mausigrau ihren Jammergesang anstimmt. Wenn sie merkt, dass du noch total fertig bist, kommt sie kuscheln und schnurrt. Wir vergöttern diese Diva im grauen Schlafanzug.

Die totalen Katzentypen, also?

Martin: Absolut. Wir leben in dieser Fabrik, jeder hat seine Wohnung. Nur die Katzen haben uneingeschränkten Zutritt zu den Privatgemächern.

Flo: Ins Gemeinschaftsbüro dürfen sie nicht. Da kommst sonst nicht zum Arbeiten.

Ungewöhnlich ist, dass sich zwei Brüder nach so vielen Jahren noch so gut verstehen, dass sie ein Geschäft miteinander führen und zusammen wohnen können!

Flo: Wir haben schon auch unsere Auseinandersetzungen, oft lautstark und sehr anstrengend. Wir sind recht unterschiedlich, aber als Team eine Weltmacht. Der Erfolg gibt uns recht.

Martin: Und wir ergänzen uns gut. Mein Bruder ist ein handwerklich begabter Allrounder. Wie ein MacGyver. Ist gelernter Koch und Kfz-Meister – sehr hilfreich!

Flo: Und mein Bruder ist hier der Steuerberater, Grafiker, Texter, Social-Media-Beauftragter. Fehlt nur noch Singer-Songwriter. Nein, bitte verschon‘ mich (lacht).

Wann passiert die meiste Arbeit?

Flo: Den größten Stress haben wir unter der Woche, während der Vorbereitungsphase. Die Organisation nimmt den größten Part ein. Und die vorausschauende Planung.

Martin: Da ist es fast entspannend, wenn wir am Samstagabend die erste Astra-Knolle und den ersten Pfeffi an der Bar zusammen trinken, um den Druck etwas entweichen zu lassen. Dann muss eh alles von selbst laufen und wir haben ein gutes Team an Mitarbeitern, das dann operativ übernimmt.

Ihr habt Euch auf den Eventbereich spezialisiert?

Flo: Früher machten wir vieles, Tagesgastronomie und Events zeitgleich. Als wir vor zehn Jahren das ehemalige „Blaue Haus“ kauften und umbauten, wollten wir nur alle drei Wochen ein Event machen, weil wir auch noch die Uschibar hatten. Aber die Nachfrage des Publikums nach den Partys war enorm. So folgte die Spezialisierung.

Wie unterscheidet sich Euer Konzept von anderen?

Martin: Wir wollten einen Gegenentwurf zur schnieken Clubszene. Party feiern, wie daheim – das war die Grundidee. Dafür eignet sich diese alte Bahnhofsvilla mit den unterschiedlichen Räumen – wie etwa Roter Salon, Kaminzimmer, Hip-Hop-Wohnzimmer und auch Lustgarten. Wie die privat anmutenden Feten, die man aus Berliner Stadthäusern kennt.

Stichwort Musik – worauf kommt es hier an?

Martin: Der 90er-Jahre und 2000er-Boom kommt uns sehr entgegen. Das war unsere Zeit, in der wir unterwegs waren. Bei unseren Events gibt es kaum bis null Charts. Wir mögen auch Undergroundige Sachen. Einfach alles, was geil ist und war, hat seinen Platz.

Wie wichtig ist der DJ?

Flo: Die DJ-Kontakte muss man pflegen, fast wie Freundschaften, auch deren Gigs in anderen Häusern besuchen. Da erlebt man das Können – aus Sicht eines Gastes. Die DJs sind ja schon (fast) ausgebildete Toningenieure.

Martin: Ein guter DJ muss einen Spannungsbogen aufbauen mit wechselnden Tempi. Wir legen darauf Wert, dass es höchste Qualität mit außergewöhnlich tanzbarer Musik gibt. Das junge Partyvolk will „eskalieren“, also maximale Ausgelassenheit zelebrieren. Das bedienen wir mit dem allergrößten Vergnügen.

Welcher ist der größte Fehler, den der Typ an den Turntables machen kann?

Flo: Den Spannungsbogen zu früh überreizen. Dann fällt die Erregungskurve und die Tanzfläche wird leer. Schlecht ist auch, wenn ein DJ auf dem Selbstverwirklichungstrip ist und nur Zeug spielt, das ihm gefällt.

Was, wenn ein Abend mal nicht die gewünschte Resonanz hat?

Flo: Das kann vorkommen, beispielsweise bei Blitzeis, Nebel des Grauens, wenn‘s „Hacke schneibt“ oder zu Sommeranfang bei Grill-Mania.

Martin: Gerade an so einem Abend ist es wichtig, dass die treuen Gäste besonders gebauchpinselt werden. Dann gewinnst du – selbst an so einem Abend.

Was ratet Ihr künftigen jungen Gastronomen, die Euren Weg einschlagen wollen?

Martin: Eine kultige Location suchen mit Vorgeschichte, denn kultig ist zeitlos. Eine Diskotheken-Konzession muss drauf sein, denn die bekommt man immer schwieriger und ist mit immensen Baukosten und Auflagen verbunden. Brauereifrei ist wichtig, denn das sind meist Knebelverträge.

Flo: Konzeptmäßig gilt es, den Zeitgeist zu treffen – aber mit klarer, eigener Handschrift. Nur nicht normal, das haben die Leute in Büro und Alltag. Aber: Nie die Bodenhaftung verlieren.

Und was ist jetzt Euer Geheimnis? Wie bleibt Ihr jung?

Flo: Der Job zwingt uns, jung zu bleiben. Man muss das Partyvolk verstehen und sich reinfühlen können. Im besten Fall mag man denselben Style. Wenn man den Job versteht, ist er super. Wenn nicht, leidet man.

Wie lange wollt Ihr das noch machen? Ihr mögt Euch wie 25 fühlen, seid aber doppelt so alt …

Martin: Um es mit Hoeneß‘ Worten zu sagen: Wenn es am schönsten ist, sollte man sich Gedanken machen, wie es weiter geht, mit einer Nachfolge. Wir haben keine Kinder. Uns liegt es am Herzen, dass der Laden mittelfristig in dem Geiste weiter geführt wird, den man erwartet.

Flo: Klar würden wir das am liebsten bis zur Rente machen. Aber, um beim Sport zu bleiben: Wenn man ganz oben ist, sollte man das Verletzungsrisiko eindämmen, seinen Körper schützen und in die Hobbymannschaft wechseln.

Da spricht der Eishockey-Spieler.

Flo: Stimmt. Ich hab früher etwa beim EV Landshut und in der DEB Juniorenauswahl gespielt. Ich war ein gefürchteter Abwehrrecke (grinst). Bei den Auswärtsspielen brüllten die gegnerischen Fans, „Obereisenbuchner, du bist so mies, wie dein Name lang ist“. Der hat ja kaum aufs Trikot gepasst.

Und heute?

Flo: Spiel ich beim EC Grizzly‘s in Waldkraiburg. Wir sind eine Hobbymannschaft mit einigen ehemaligen Profis. Training und Spiele halten fit. Manchmal geh ich sonntags nach einer Party nicht ins Bett, sondern gleich zu einem Turnier.

Gut gegen Kater?

Flo: Der Sport hilft. Im Sommer geh ich Segeln. Da kann ich mal ankern und mich ausruhen.

Martin: Mein Tipp zur Vorbeugung gegen Kater: Rohe Weißwurst um 8 Uhr morgens – mit Ketchup.

Welchen Tipp habt Ihr noch, um eine Partynacht zu überstehen?

Martin: In meiner St. Pauli- und Schanzenzeit hab ich mir angewöhnt, nach jeder Knolle und jedem Kurzen, ein Selters auf Ex zu kippen.

Klingt nach ’nem verdammt harten Job. Ist der förderlich fürs Privatleben?

Martin: Tja, ein Nachtjob ist nix für Luschen. Unsere Freundinnen müssen gute Nerven haben. Ganz einfach ist das nicht, mit diesem Beruf. Meine Ex hat mir mal ’nen Magenschwinger gegeben, weil ich ihr zu lange mit ’ner Tänzerin gequatscht habe (schmunzelt).

Flo: Die Meinige watscht mich auch ab und an. Vor allem, wenn sie mich heimlich beim Rauchen auf der Freiluft-Veranda erwischt.

So so.

Flo: Ich vertrag die Raucherei eigentlich gar nicht. Es beruhigt halt mein Gemüt. Wenn sie mir die Fluppe aus’m Gesicht schlägt, sieht die Frau gefährlicher aus, als sie ist (grinst).

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