Waldkraiburg – Die Stadtverwaltung will sich für die Zukunft neu aufstellen. Dazu braucht es einen Veränderungsprozess, den sie schon vor rund zwei Jahren angestoßen, aber noch nicht abgeschlossen hat. Ein Zwischenbericht.
Fachkräftemangel, Digitalisierung, demografischer Wandel – die Gesellschaft wandelt sich, wird immer komplexer. Davon betroffen sind auch öffentliche Verwaltungen. Die Stadt Waldkraiburg hat im Jahr 2017 einen Veränderungsprozess erneut aufgegriffen. Was seitdem passiert ist, darüber informierte Stefan Süße vom Bürgermeisterbüro in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses.
Er sprach von einem „enormen Handlungsdruck“, aufgrund dessen sich die Stadtverwaltung neu ausrichten müsse. Es geht darum, die „ideale Passform für morgen zu finden“. Vor allem die Digitalisierung verändere die Arbeitswelt grundlegend und werde die Verwaltung „hart treffen“.
Was braucht es, um den Anforderungen gerecht zu werden? Denn Verwaltungen konkurrieren nicht nur mit Betrieben um Fachkräfte, sondern auch innerhalb des öffentlichen Dienstes. Um so wichtiger, dass sich die Stadt als attraktiver Arbeitgeber aufstelle. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass Mitarbeiter wechseln und Stellen neu zu besetzen sind“, sagte Süße.
Nach einem Führungskräfteworkshop haben sich verschiedene Projektgruppen unterschiedlicher Handlungsfelder angenommen. Unterstützung in diesem Prozesse gibt es von außerhalb: Eine Personal- und Organisationsberatung ist eingebunden.
Was ist bislang passiert? Unter anderem wurde die Personalstelle reorganisiert von der Personalverwaltung zum Personalmanagement, außerdem werden die Stellenanzeigen überarbeitet. Symbolisch für den Veränderungsprozess stehen zwei kleine Figuren: „Waldi“ und „Kraibi“. Der eine beständig, verwurzelt und traditionell, der einen auf den „Boden der Tatsachen zurückholt“. Der andere neu, fortschrittlich, noch etwas unerfahren, der aber die „Dinge ins Rollen bringt“.
Für den Veränderungsprozess hat die Stadt 150000 Euro bereitgestellt. Bislang sind 60000 Euro verbraucht, inklusive externe Beratung. Mit den verbleibenden 90000 Euro werde man die nächsten zwei bis drei Jahre über die Runden kommen, wie Süße erklärte. Eine Prognose konnte er aber nicht geben. „Wir wissen nicht, was kommt. Die Digitalisierung gibt es nicht zum Nulltarif.“
Doch wie reagiert das städtische Personal auf die Entwicklung? „Sicherlich gibt es eine gewisse Unsicherheit wegen der Veränderungen“, antwortete Süße auf die Frage von Richard Fischer (SPD). Aufgabe sei es, verunsicherte Angestellte aufzufangen und ihnen die Notwendigkeit des Prozesses zu zeigen. Auch der Personalrat sei eingebunden. Den Veränderungsprozess lobte Susanne Engelmann (SPD) als professionell, aber wie kommen die Mitarbeiter mit „Waldi und Kraibi“ zurecht?
„Man trifft nicht immer den Nerv von allen“, sagte Süße. Doch das geteilte Feedback liefere wertvolle Informationen. Mut und Vorbild der Führungskräfte müsse gelebt werden. „Das passiert nicht von heute auf morgen.“ „Waldi“ und „Kraibi“ würden aber eine Leichtigkeit in den Prozess bringen.
Engelmann war es ein Anliegen, dass bei dem Veränderungsprozess kein Mitarbeiter auf der Strecke bleibe. „Es soll für alle gut sein, jeder hat sein eigenes Tempo. Nicht, dass sich innerlich jemand verabschiedet.“ Das sei die Herausforderung des Prozesses, wie Bürgermeister Robert Pötzsch sagte.
Der Haupt- und Finanzausschuss war einstimmig dafür, dass der Veränderungsprozess im Rahmen der Finanzplanung bis zu einem Gesamtvolumen von 150000 Euro fortgeführt werden soll. Die Verwaltung soll regelmäßig über die Fortschritte informieren.