Ersatzeltern für die Fuchsbabys

von Redaktion

Allein auf sich gestellt hätten die beiden verwaisten Fuchsbabys nicht überlebt, nachdem ihre Mutter von einem Auto überfahren worden ist (wir berichteten). Doch die beiden wurden gerettet. Hans und Margit Gottbrecht sind die nächsten Monate ihre Ersatzeltern.

Taufkirchen – Nur ein leises Rascheln im Heu ist zu hören, ansonsten verhalten sich die beiden Fuchswelpen still in der Box. Während der Bruder sich in eine Ecke gekuschelt und die Augen geschlossen hat, wühlt seine Schwester mit der Schnauze im Heu. Sie ist auch deutlich frecher als ihr Bruder, lässt es sich nicht gefallen, dass Hans Gottbrecht sie aus der Box nehmen will.

Eine Fähe war in der Nacht auf Dienstag von einem Auto erfasst und dabei getötet worden. Auf die beiden Jungtiere wurde eine Autofahrerin aufmerksam, weil sie immer wieder auf die Straße liefen. Die Polizisten wussten, wo die Füchse eine neue Heimat finden können. Um 2 Uhr früh klingelten sie an der Haustür von Hans und Margit Gottbrecht aus Taufkirchen – im Gepäck die beiden Füchse. Die Gottbrechts führen einen Gnadenhof und Auffangstation für wilde Tiere – nur wenige hundert Meter vom Unglücksort entfernt. Hier haben sie die nächsten Monate ihr neues Zuhause, die Gottbrechts als Ersatzeltern. Ziel ist es, dass die Tiere wieder in die Freiheit entlassen werden können.

Die Chancen schätzt Hans Gottbrecht als sehr groß ein. Eine wichtige Regel gilt es zu beachten: Die Füchse dürfen keinen Bezug zu Menschen aufbauen. Dass das nicht passiert, dazu bringen die Jungtiere eine wichtige Voraussetzung mit. Sie sind schon groß genug, um nicht mit der Flasche aufgezogen werden zu müssen. „Sie trinken Katzenmilch aus einer Schüssel und bekommen zum Teil auch schon feste Nahrung“, sagt Hans Gottbrecht.

Etwa alle zwei Stunden brauchen die Geschwister etwas zu essen. Dann wird das Milchpulver angerührt, als feste Nahrung gibt es tote Küken, etwa vier davon jeden Tag. Tagsüber sind die Füchse in einem Auslauf, nachts sind sie in einer Box neben dem Wohnzimmer. Gegen Mitternacht gibt es die letzte Mahlzeit, bis gegen 6 Uhr morgens schlafen sie dann eng aneinander gekuschelt.

Würden die Tiere einen Bezug zu Menschen aufbauen, ein Auswildern wäre dann nicht mehr möglich. „Sie würden immer wieder in die Nähe von Siedlungen zurückkommen“, sagt Hans Gottbrecht. Er weiß, wovon er spricht. Seit Jahrzehnten kümmert er sich um verwaiste Tiere. Die Auffangstation der Gottbrechts ist wie ein bunt gemischter Zoo: Raben und ein Uhu, Schafe und Schweine, Esel und Alpakas, Waschbären, Eichhörnchen und ein Murmeltier, Hirsch oder Reh. Nicht alle von ihnen sind ehemalige Findelkinder, oft geben Besitzer die Tiere ab, weil sie sich nicht länger um sie kümmern können. Der zahme Emu ist ein Beispiel dafür.

Die beiden Füchse sind nicht die einzigen Tiere in der Obhut von Hans und Margit Gottbrecht, die aufgepäppelt werden. Dieses Jahr haben sie bereits die Aufzucht von acht Vögeln – Amsel, Drossel und Star – übernommen. In einem Vogelkäfig sitzt eine Drossel, die noch weit ihren Schnabel aufsperrt und nach Futter bettelt. „Wir haben sie gerade aus der Voliere geholt, heute darf sie wieder in Freiheit“, sagt Margit Gottbrecht. Der Vogel hüpft von Stange zu Stange, sperrt den Schnabel auf und fliegt dann durch die geöffnete Käfigtür hinaus und in den Wald hinein. Ein kurzer Abschied.

So weit sind die beiden Füchse noch lange nicht. Etwa ein halbes Jahr wird es dauern, bis sie keine Milch mehr brauchen und nur noch feste Nahrung zu sich nehmen. Spielerisch werden sie ihren Jagdinstinkt trainieren. Dann naht auch ihr Abschied. Nicht direkt an der Auffangstation, sondern in einem Waldstück, das Hans Gottbrecht für die beiden Füchse zuvor aussucht.

Artikel 10 von 11