Waldkraiburg-St. Erasmus – Die Feuerwehr St. Erasmus feiert ihr 140-jähriges Gründungsfest. Als kleine Dorfwehr kann sie auf die stattliche Anzahl von 193 Mitgliedern stolz sein. Auf viele Aktive war seit 1879 Verlass, bei Bränden, Unfällen, nach Unwettern oder bei Hochwasser. Auch Josef Manstetter senior aus Niederndorf gehört zu ihnen. Er kann vieles aus alten Feuerwehrzeiten erzählen. Denn der 91-Jährige ist nicht nur das älteste, er ist auch das treueste Mitglied der Trasner Wehr. Er war schon im Einsatz, als die meisten heutigen Aktiven noch lange nicht geboren waren. Bald nach Kriegsende trat der Manstetter Sepp der damaligen Feuerwehr Fraham bei. Damals ging es noch anders zu im Feuerwehrdienst.
„Beim Maihuber brennt der Stadl!“ Der Sepp hat den Alarm zu seinem ersten Brandeinsatz mit 17 Jahren gut in Erinnerung. „Eine Handpumpe, die beim Rappensperger in Bergham untergestellt war, bildete unsere Lösch-Ausrüstung. Aber in der Ortschaft St. Erasmus hatten wir keine Wasserentnahme.“ Zum Ende der Kriegszeit waren die nahen Brücken des Innkanals entweder gesprengt oder durch Bomben zerstört. Durch den ganzen Schutt habe sich das Wasser aufgestaut. Und der Kanal war abgelassen. „So mussten wir das Wasser vom Artheser holen und mit Eimern löschen. Der Stadl ist abgebrannt, aber den Kuhstall konnten wir retten“, erinnert sich der „Feuerwehr-Veteran“.
Nach der Währungsreform 1948 bekam die Feuerwehr der Gemeinde Fraham eine Rosenbauer-Motorspritze. „Das war schon ein Fortschritt.“ Funktioniert habe sie aber nicht immer. „Bei einer Gemeinschaftsübung in Aschau haben wir mit drei Pumpen kein Wasser hochgebracht. Auch damals hatte es die Technik schon in sich.“ Zur Übung sind die Trasener Feuerwehrleute nicht in eigenen Fahrzeugen angerückt. „Nach Aschau gefahren hat uns der damalige TVA-Chef Emil Gundel, denn Autos waren noch Mangelware“, erzählt Manstetter.
Auch zu den Feuerwehrfesten reisen heute die Floriansjünger bequemer an. „Anfang der 50er-Jahre war in Oberneukirchen ein Feuerwehrfest, da sind wir mit dem Rad hingefahren.“ Einige Jahre später zum Feuerwehr-Jubiläum in Hörbering ging es dann schon mit dem Motorrad. „Da ist uns die Kette rausgesprungen.“
In den vielen Jahrzehnten hatte die Feuerwehr auch immer wieder mit dem Hochwasser zu tun. Josef Manstetter senior arbeitete 30 Jahre beim Wasserwirtschaftsamt und war somit schon „berufsmäßig“ im Hochwasser-Einsatz. Er war bei der Feuerwehr nicht nur bis zu seinem 60. Lebensjahr als Aktiver dabei, sondern von 1961 bis 1976 auch deren Kassier. So wurde er schon mit einigen Ehrungen für aktive und langjährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. Und natürlich ist er nach wie vor am Feuerwehr-Geschehen interessiert und durch seine „Feuerwehr-Junioren“ auch bestens informiert. Besonders spannend war 2012 eine Gemeinschaftsübung auf dem Anwesen der Manstetters, wo er genau zuschauen konnte.
Der Manstetter Sepp ist zwar nicht mehr so gut zu Fuß unterwegs, aber noch geistig rege und an allem interessiert. Täglich ist er in seiner Werkstatt anzutreffen, wo er noch Vogelhäuschen oder Insektenhotels bastelt. Und auch beim bevorstehenden Feuerwehrfest am kommenden Wochenende ist er sicherlich mal anzutreffen.