Waldkraiburg-St. Erasmus/Kraiburg – Der Plan von PEGASUS Tierbestattungen, auf einem Grundstück in St. Erasmus, neben der Tierkörperverwertungsanstalt (TVA), ein Krematorium für Haus- und pferdeähnliche Tiere zu errichten (wir berichteten), sorgt im ganzen Dorf für Aufregung. Gegen die Ankündigung des Unternehmens, eine 600 Quadratmeter große Halle mit einem Zweikammerofen für Kleintiere und Pferde mit einem 27 Meter hohen Kamin für die Ableitung der Rauchgase, formiert sich heftiger Protest.
Der ganze Ort St. Erasmus sei dagegen, sagte Christian Meingaßner am Dienstagabend bei der Übergabe der Unterschriftenlisten an Bürgermeister Robert Pötzsch. 238 Bürger aus St. Erasmus und den benachbarten Weilern sowie „einzelne Waldkraiburger“ hatten unterzeichnet. „98 Prozent aller Haushalte, wo wir jemanden angetroffen haben, haben unterschrieben.“
Meingaßner, der von mehreren Bürgern ins Rathaus begleitet wurde, ist einer der Wortführer des Protests. „Uns ärgert vor allem, dass die Firma die Anwohner im Vorfeld nicht unterrichtet hat. Bis zum Zeitungsbericht wussten wir es nicht.“ Meingaßner führte eine Reihe von Argumenten gegen das Krematorium an, nicht zuletzt die Verkehrsbelastung. Tausend Fahrzeuge zusätzlich könnte die Anlage bringen, fürchtet etwa Thomas Neumeyer. Wieder werde eine freie Wiese bebaut und bei einer Gasfeuerungsleistung von 1,67 Megawattnorm viel Energie rausgeblasen, so Meingaßner. Dabei gehe es um „ein Luxusprojekt für einige wenige“. Zudem gebe es in München-Riem, nicht weit von der A94, bereits eine Anlage mit der notwendigen Infrastruktur wie etwa Parkplätzen. Dieses Krematorium sei nicht groß genug für Pferde. „Aber kann man die Anlage nicht modernisieren und erweitern?“
Meingaßner verweist auf eine hochmoderne Anlage in Schwäbisch-Hall, die ohne Schornstein auskomme. „Warum braucht es hier diesen Kamin?“ Nicht die einzige Frage, die die verärgerten Bürger umtreibt. Wie viele Kleintiere werden gebracht? Wie groß ist der Einzugsbereich? Will Wolfgang Hintereder wissen, der nichts gegen Tierfreunde einzuwenden hat, die sich für ihre Haustiere einen würdigen Abschied wünschen. Doch die Dimension der Anlage, vor allem der Kamin, beeinträchtigen das Ortsbild des Dorfes erheblich, findet er. Und die Aussage, Geruchsbelästigungen für das Umfeld seien nicht zu erwarten, sind ihm zu vage.
Hintereder setzt große Hoffnungen in die Stadt. „Ohne sie kann nicht gebaut werden.“ Die Tierkörperverwertung sei eine öffentliche Verpflichtung der Landkreise, das gelte aber nicht für ein Tierkrematorium.
Und Bürgermeister Robert Pötzsch teilte mit, dass für das Grundstück im geltenden Flächennutzungsplan ein Sondergebiet für Tierkörperverwertung und die Errichtung einer Biogasanlage ausgewiesen sei. Die Stadt selbst ist bei diesem Projekt nicht Genehmigungsbehörde. Die Genehmigung erteilt die Regierung von Oberbayern. Die Stellungnahme der Stadt war am gestrigen Abend Thema in der Bauausschuss-Sitzung (bei Redaktionsschluss nicht beendet). Er werde dem Gremium vorschlagen, dem Projekt nicht zuzustimmen, weil ein Tierkrematorium den städtebaulichen Zielen Waldkraiburgs widerspreche.
Stadtrat Franz Belkot, der bei der Übergabe dabei war, sieht das entscheidende Problem in der Nähe zu den Wohngebieten in Au und St. Erasmus. Im Ortsteil Au ist zudem eine weitere Fläche als potenzielles Bauland im Gespräch. Bereits am Dienstagabend hatte der Gemeinderat Kraiburg eine Stellungnahme abgegeben. „Über Sinn und Unsinn eines Tierkrematoriums kann man sicherlich diskutieren“, findet Bürgermeister Herbert Heiml. Die Marktgemeinde sei von dem Vorhaben aber nicht berührt, das solle Waldkraiburg entscheiden. Dennoch sehen sieben von 15 Gemeinderäten das Projekt kritisch.