Mein Gott, Waldi

von Redaktion

An ihrem Klingelton werdet ihr sie erkennen. So oder so ähnlich heißt es schon in der Bibel. Und was da steht, stimmt. Und wurde neulich auch im Bauausschuss des Waldkraiburger Stadtrates wieder einmal bestätigt. Mitten hinein in die Diskussionen um Brücken-, Straßen- und andere Baustellen platzte da das Handy vom Schenk Gustl. Nein, nicht mit dem Defiliermarsch – der ersten nahe liegenden Möglichkeit –, sondern – einzig denkbare Alternative – mit dem Amtsgerichtslandler, der Kennmelodie des „Königlich Bayerischen Amtsgerichts“.

Eine wehmütige Reminiszenz an die gute, alte Zeit Waldkraiburgs, die 1970er-Jahre, in denen die Kultserie von Georg Lohmaier, in der der Stadtrat locker als „Herr Rat“, Viehhandler, Hochzeitslader oder Wachtmeister durchgegangen wäre, rauf und runter gesendet wurde. In den wenigen damals verfügbaren Programmen.

Ach ja, die 70er! Als der „Waldi“ erfunden wurde, das erste offizielle, heute legendäre Olympia-München-Maskottchen von Otl Aicher, das Maßstäbe setzte.

Das haben „Waldi“ und „Kraibi“ noch vor sich, jene beiden Wesen, die dem laufenden Umstrukturierungsprozess der Waldkraiburger Stadtverwaltung ein Gesicht geben, die das Beste aus zwei Rathauswelten verkörpern, Tradition und Innovation, Information und Emotion, der bodenständige „Waldi“ und der Macher „Kraibi“, die die Mitarbeiter der Verwaltung an der Hand nehmen, zu neuen Ufern geleiten und die Leichtigkeit der Veränderung vermitteln.

Dass bei solchen Umstrukturierungsmaskottchen bei dem einen oder auch der anderen Verwaltungsmitarbeiterin Verunsicherung aufkommt, Wunder wär’s keins. Mindestens auf Außenstehende wirkt das Ganze, sagen wir, gewöhnungsbedürftig.

Aber wer weiß, vielleicht macht der innovative Ansatz Schule. Und die Kollegen in der Kreisstadt berichten schon in wenigen Monaten von „Mühli“ und „Dorfi“ und ihrer segensreichen Wirkung auf die Erneuerung der Mühldorfer Stadtverwaltung oder gar des Landratsamtes. Man kann nie wissen…

Entscheidend ist ohnehin, was hinten rauskommt. Nein, das ist kein Schlüsselsatz der 70er-, sondern einer aus den 80er-Jahren. Passt aber trotzdem an dieser Stelle. Denn im Bau-, Verkehr- und Umweltausschuss wurden ja durchaus Themen behandelt, die den Leuten auf den Nägeln brennen. Das geplante Tierkrematorium den Bürgern in St. Erasmus zum Beispiel. Wer will den Trasenern verdenken, dass sie keinen gesteigerten Wert legen auf eine Anlage, die Tierfreunde aus dem weitesten Umkreis in ihr Dorf holt und das Ortsbild bestimmt nicht verschönert.

Georg Lohmaier, Schöpfer des Königlich Bayerischen Amtsgerichts, würde sich im Grab umdrehen – allein der Ausdruck: „Event-Almhütte“. Aber so heißt das heute halt im verbreiteten Jargon der Erlebnis-Gastromie. Und vermutlich könnte die Hütte vor dem „Centrale“ in den Winterwochen ein kleiner Beitrag sein, damit am Stadtplatz wieder ein bisserl mehr los ist, fast wie in den 1970er-Jahren, der guten, alten Waldkraiburger Zeit.

Schad wär’s schon, wenn mit dem Beschluss im Bauausschuss das Projekt „Event-Almhütte“ vom Tisch wäre. Wahrscheinlich würden nämlich auch „Waldi“ und „Kraibi“ einkehren nach getaner Umstrukturierungsarbeit. Um bei Pils und Glühwein die Leichtigkeit der Veränderung zu spüren.

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