Waldkraiburg – Die Kirche liegt ihr am Herzen und deshalb unterstützt Inge Schauberger aus Waldkraiburg die Forderungen der katholischen Fraueninititiave „Maria 2.0“. Deren Aktion richtet sich gegen die Ausgrenzung von Frauen in der katholischen Kirche und setzt sich für die Gleichberechtigung und den Zugang zu allen Ämtern ein. Warum sie diese Anliegen unterstützt und wie sie zum Kirchenstreik steht, der für diese Woche von „Maria 2.0“ ausgerufen wurde, erklärt die Religionspädagogin, die bis 2001 in Waldkraiburger Schulen Religionsstunden erteilte, im Interview mit unserer Zeitung. Obwohl sie mit den männerdominierten Strukturen in ihrer Kirche nicht einverstanden ist, austreten will Schauberger nicht. Trotz ihrer 80 Jahre ist sie bis heute ehrenamtlich im Pfarrverband tätig, etwa bei der Vorbereitung von Familiengottesdiensten oder der Frauenmaiandacht am morgigen Sonntag um 18 Uhr, die sie zusammen mit anderen Frauen aus der Pfarrei Maria Schutz gestaltet. Das Thema: „Maria – eine Frau von heute“.
Frau Schauberger, in Münster und anderen Regionen im Norden protestieren und demonstrieren katholische Frauen gegen Missbrauchsfälle und andauernde Ausgrenzung von Frauen im „Männerbund“ Kirche. Zu Recht?
Ich begrüße das, absolut. Ich habe auch die Petition der Gruppe „Maria 2.0“ an Papst Franziskus unterschrieben. Und ich bin nicht die einzige Katholikin hier in Waldkraiburg.
Warum ist diese Aktion wichtig?
Weil man die kleine Hoffnung haben kann, dass die Herren der Kirche hier in Deutschland dadurch aufwachen und merken, was Frauen stillschweigend in den Gemeinden alles leisten.
Was müsste Sich Ihrer Meinung nach denn zuerst an der Rolle der Frau in der Kirche ändern?
Es braucht ein Bewusstsein bei den Pfarrern und Priestern für den wertvollen Dienst von Frauen in den Gemeinden. Und es braucht Frauen an führenden Stellen in der Kirche, weil sie empathischer sind, manchmal vermittelnder wirken als Männer und viele Bedürfnisse in einer Gemeinde oder Diözese spüren. Warum sollte eine Frau nicht Generalvikarin eines Bistums sein? Damit das klar ist: Ich will keine Frauenkirche. Es kommt auf die Mischung an.
Zuletzt hat Landtagspräsidentin Ilse Aigner vehement für das Ende des Zölibats und den Zugang von Frauen zu allen Ämtern gefordert. Was sagen Sie dazu?
Ich teile sie voll und ganz. Natürlich gilt das auch für den Zugang zu den Weiheämtern für Frauen. Ich sehe nicht, was theologisch wirklich dagegen steht. Ich würde die Diakoninnenweihe sehr befürworten. Ich bin auch für die Weihe von Priesterinnen, allerdings glaube ich, dass die Forderung von Frau Aigner zum jetzigen Zeitpunkt nicht realistisch ist. Priesterinnen – das ist kein kleiner Schritt, sondern ein sehr großer für die Kirche in dieser Machtstruktur. Ich erlebe das nicht mehr. Eines muss man im weltkirchlichen Maßstab schon sehen. Die Bewegung für ein Priesteramt für Frauen ist vor allem in den deutschsprachigen Ländern stark, in den Niederlanden oder in Frankreich. In Polen und Osteuropa, auch in Afrika oder Asien sieht das schon anders aus.
Würden Sie für diese Forderungen auch streiken?
Ich würde einen Streik nicht ausschließen. Ich könnte mir vorstellen, dass wir da auch ein Grüppchen zusammenbringen. Aber es sollte nicht zu Lasten anderer gehen. Das müsste sehr gut und langfristig vorbereitet werden. Wir hatten am vergangenen Sonntag einen tollen Familiengottesdienst in Maria Schutz. Hätten wir uns wirklich am Streik beteiligt, hätten wir die Kirche nicht betreten dürfen. Durch solche Aktionen sollte kein Gottesdienst, Krankenbesuch oder Altennachmittag ausfallen. Damit habe ich ein Problem.
Im Norden haben katholische Frauen eine Woche lang gestreikt und keine Kirche mehr betreten. Warum ist es im Süden, auch bei uns in der Region, noch immer so ruhig. Sind die Frauen hier zufrieden mit ihrer Rolle in der Kirche?
Nein, auf keinen Fall! Die Information war nicht optimal, in vielen Gemeinden fehlt es an den Organisationen. In Waldkraiburg zum Beispiel haben wir schon seit Jahren keinen Frauenbund mehr. So bleibt es Einzelinitiative. Das macht es schwierig. Und ich mit meinen 80 Jahren sehe mich nicht in der Rolle, dabei federführend zu sein. Vielleicht sind wir in Bayern aber einfach nur langsamer und wachen erst auf.
Es gab schon viele Reforminitiativen in der Kirche. Warum hat sich so wenig bewegt?
Kleinere Veränderungen hat es immer gegeben, Fortschritte in der Ökumene zum Beispiel. Auch die Tatsache, dass man heute als Laie den Mund aufmachen kann auch gegenüber Amtsträgern, zähle ich dazu. Und sogar bei der Rolle der Frau gibt es Veränderungen, aber sehr langsam. Es gibt heute ganz selbstverständlich Lektorinnen und Kommunionhelferinnen im Gottesdienst. Das sind kleine Fortschritte.
Sind nur die Männer in der Kirche daran schuld, dass es so langsam geht?
Die Machtstrukturen sind noch immer sehr stark. Aber es liegt natürlich auch an den Frauen. Das Interesse an Kirche ist in den letzten Jahren geringer geworden. Gerade jüngere Frauen sind in Beruf und Familie sehr gefordert und können sich in der Kirche nicht im notwendigen Maß einbringen. Manche tun sich auch aufgrund ihrer langjährigen kirchlichen Prägung schwer. Ich habe mich kürzlich mit einer liberalen, modernen Katholikin unterhalten, die mit dem Begriff „Priesterin“ nicht klar kommt.
Wie ist diesmal Ihre Prognose? Kommt 2019 Bewegung in die Kirche?
Ich bin eher ein bisschen pessimistisch. Es geht bestimmt nicht so schnell, wie viele hoffen. Das ist die Erfahrung von vielen Jahren (lacht).
Viele enttäuschte Frauen sind längst ausgetreten. Warum sind Sie noch immer in der Kirche?
Die Frage ist berechtigt. Die Bibel könnte ich auch ohne Kirche lesen, aber ich brauche die Gemeinschaft. Kirche, das sind für mich die kleinen Gemeinschaften am Ort oder früher in der Fokolarbewegung. Wenn ich gemeinsam mit anderen einen Kindergottesdienst vorbereite, dann ist das für mich Kirche. Was die da oben machen, ist mir dann wurscht. Ich ärgere mich manchmal drüber, aber mein Inneres betrifft das nicht.
Interview: Hans Grundner