Klimaschutz fängt vor der Haustür an

von Redaktion

Ziemlich konkret waren die Vorschläge und Forderungen, die Jugendliche bei der „Klimakonferenz“ des Jugendparlaments einbrachten. Vor allem der viele Müll an den Schulen und der „Hol- und Bringdienst“ der Eltern ins Schulviertel ist ihnen ein Dorn im Auge.

Waldkraiburg – Der Klimawandel und seine Ursachen ist in aller Munde und vor allem durch die „Fridays for Future“-Bewegung bei den jungen Leuten angekommen. Das hat das Jugendparlament (Jupa) Waldkraiburg veranlasst, eine lokale „Klimakonferenz“ einzuberufen. Mit Bürgermeister Robert Pötzsch, der Dritten Bürgermeisterin Inge Schnabl und Charlotte Konrad, Referentin für Jugend und Familie, kamen sie im Sitzungssaal des Rathauses ins Gespräch.

Chiara Molter, derzeit noch Schülerin an der Realschule in Waldkraiburg, ist die Müllvermeidung an ihrer Schule ein wichtiges Anliegen. „Jede Leberkassemmel wird extra in Alufolie verpackt. Auch wenn man sie sofort isst. So wird nur unnötig Müll produziert.“ Das Jupa schlägt dazu vor, Infoveranstaltungen zu organisieren, auf denen Schüler schon früh den richtigen Umgang mit Müll lernen sollen. Außerdem empfehlen sie, mit der Schule und dem Pausenverkauf Kontakt aufzunehmen. „Das Müllproblem an den Schulen ist uns bekannt. Leider haben wir noch keine Top-Lösung dafür“, schließt Charlotte Konrad das Thema ab.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Vermeidung von Kurzstreckenfahrten mit dem Auto. Janis Weise, Schüler am Gymnasium, stört dabei vor allem, dass so viele seiner Mitschüler täglich mit dem Auto zur Schule gebracht werden. „Die meisten wohnen sogar in Waldkraiburg. Gerade solche kurzen Autofahrten belasten die Umwelt ganz besonders“, sagt der Schüler. Auch nach einem Elternbrief hat sich seiner Meinung nach nicht viel geändert. Das Problem ist dem Bürgermeister bekannt. „Auf das hohe Verkehrsaufkommen in der Franz-Liszt-Straße, vor allem morgens, bin ich schon aufmerksam gemacht worden“, sagt er. Dem Vorschlag des Jugendparlaments, die Straße für den Verkehr zu sperren, verpasst der Bürgermeister jedoch einen Dämpfer. „Man kann nicht so einfach eine Straße sperren. Vor allem keine Durchfahrtsstraße.“ Seiner Meinung nach ließe sich das Problem damit auch nicht lösen. Die Eltern würden ihre Kinder einfach eine Straße früher rauslassen, die Verkehrsprobleme würden sich nur verschieben. Pötzsch: „Die Frage ist ja: Liegt das Problem eher bei den Eltern oder den Kindern?“

Das nächste Thema spricht Dennis Uzon, jugendpolitischer Sprecher der Linken im Kreis, an. Er fordert ein besseres Radwegenetz. „Wenn Straßen saniert werden, plant man, wo es sinnvoll ist, Radwege mittlerweile automatisch mit“, antwortet ihm Charlotte Konrad. Das Problem dabei: Für den Neubau der Radwege müssen die Kommunen Grundstücke kaufen. Die Grundstücksverhandlungen sind dann häufig schuld daran, dass die Ausbauprojekte ins Stocken geraten.

Uzon fordert zudem, dass der Stadtrat Beschlüsse nur noch im Einklang mit den Klimazielen fassen soll. Die Stadt tue schon einiges für den Klimaschutz, kontert der Bürgermeister. Viele öffentliche Gebäude seien zum Beispiel schon an die Geothermie angeschlossen. Die Kritik an der Rodung von Waldflächen für ein neues Industriegebiet kann er so nicht stehen lassen. „Waldflächen, die gerodet werden, müssen eins zu eins an anderer Stelle wieder aufgeforstet werden.“

Dazu hatte auch das Jupa noch etwas zu sagen: Claudia Maier-Schöne von Mobile Care und Stephanie Pollmann von der Praxis für Ergotherapie Pollmann stifteten 200 Laubbäume, um Wälder in und um Waldkraiburg wieder aufzuforsten.

Zu den Themen der Konferenz meinte der Bürgermeister, dass die Stadt in bestimmten Bereichen nur einen begrenzten Handlungsspielraum habe. „Wir sollten uns immer fragen: Was können wir im Kleinen bewirken?“ Charlotte Konrad beendete die Konferenz mit der Aussicht auf ein erneutes Treffen. Dazu sollen dann Lehrer und Umweltreferent eingeladen werden. „In Sachen Klimaschutz müssen wir alle mitnehmen, die etwas bewirken wollen.“

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