Tierkrematorium: Firma kritisiert Stadt

von Redaktion

Das geplante Tierkrematorium in St. Erasmus bewegt die Gemüter. Auch bei der Firma Berndt. Vertreter des Unternehmens, das an der Pegasus GmbH beteiligt ist, die das Krematorium betreiben will, werfen der Stadt „Vergesslichkeit“ vor.

Waldkraiburg – Konrad Meier ist sauer. Der Co-Geschäftsführer der Berndt GmbH, die die Tierkörperverwertungsanlage (TVA) in St. Erasmus betreibt, ärgert sich über Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) und den Waldkraiburger Stadtrat. Bei zwei Terminen sei das Vorhaben Vertretern der Stadt vorgestellt worden. Dabei seien „keine Einwände“ gegen das Projekt geäußert worden. Schon im Sommer 2017 war eine Delegation um Bürgermeister Pötzsch in München, um sich bei laufendem Betrieb das dortige Tierkrematorium anzusehen und einen Eindruck hinsichtlich der Geruchsbelastung zu verschaffen. Keiner der Teilnehmer „hat irgendwelche Bedenken geäußert“, erinnert sich Roland Höhler, Immissionsschutzbeauftragter der TVA. Im August 2018 habe dann Rainer Berndt, geschäftsführender Gesellschafter der GmbH, das Projekt erneut mit dem Bürgermeister besprochen. Höhler: „Wieder keine Einwände!“

Wahltaktische

Gründe?

Nach Bürgerprotesten und einer Unterschriftenaktion mit 238 Unterschriften sei es „zum plötzlichen Wandel“ gekommen. Einstimmig hat sich der Bauausschuss mit Verweis auf den Flächennutzungsplan gegen die Errichtung des Tierkrematoriums ausgesprochen, weil es nicht zur geplanten Stadtentwicklung an dieser Stelle passe. „Warum der Wandel?“, fragt Höhler und unterstellt wahltaktische Gründe.

Ausdrücklich beziehen sich die Vertreter der Firma Berndt auf Äußerungen der beiden CSU-Stadträte Margit Roller und Georg Ledig, die sich im Ausschuss erstaunt gezeigt hatten über einen „Meinungsumschwung“ in der Stadtverwaltung. Sie bezogen sich auf eine nichtöffentliche Beratung, in der sie den Eindruck gewonnen hatten, dass die Stadt das Vorhaben ohnehin nicht stoppen könne. Dazu Carsten Schwunck, Leiter der Bauabteilung: Die Stadt werde sich bei ihrer Argumentation „zur Decke strecken müssen“. Das habe er damals zum Ausdruck gebracht. Letztlich sei es Sache der Regierung von Oberbayern als Genehmigungsbehörde die ablehnende Position der Stadt abzuwägen.

Konrad Meier von der Berndt GmbH geht davon aus, dass die Stadt mit ihrer Begründung der Ablehnung nicht durchkommen wird. Denn im Flächennutzungsplan, auf den sich die Stadt beruft, wird das fragliche Grundstück als Sondergebiet für Tierkörperverwertung oder die Errichtung einer Biogasanlage ausgewiesen. Und unter Tierkörperverwertungsbetriebe fallen nach der Definition des einschlägigen Gesetzes über die Beseitigung tierischer Nebenprodukte auch Tierkrematorien.

Kritik üben Meier und Höhler zudem daran, dass „die gewählten Volksvertreter“, die über das Vorhaben informiert wurden, „offensichtlich kein Wort über das Projekt mit ihren Wählerinnen und Wählern besprochen haben und nun den Vorwurf unkommentiert lassen, das Unternehmen hätte vorher informieren müssen“. Damit wäre es erst gar nicht zu der großen Aufregung um das Krematorium gekommen, glaubt Meier.

Die Erwartung, die Stadt hätte die Öffentlichkeit informieren müssen, weist Bürgermeister Pötzsch entschieden zurück. „Das ist nicht unser Vorhaben, wir sind auch nicht die Genehmigungsbehörde. Das kann nicht der Auftrag der Stadt sein. Das ist Sache des Unternehmens.“

„Wir haben uns das angehört“, bestätigt der Bürgermeister die beiden Termine im Sommer 2017 und 2018 und die Tatsache, dass die Stadt bei diesen Gesprächen keine Einwände geäußert habe. Das sei in diesem Planungsstadium noch nicht möglich, sondern erst wenn es mit einem Antrag konkret wird. Pötzsch spricht von einem üblichen Prozedere in einem so frühen Stadium. Und er betont: „Es hat keinerlei Zusagen gegeben.“ Bis zum Bauausschuss habe es zu diesem Projekt keinen Beschluss eines städtischen Gremiums gegeben.

Wie sensibel der Bereich in St. Erasmus ist, sei am Protest der Bevölkerung zu erkennen. „Wir werten das anders als das Unternehmen.“ Zu den Aussichten der Stadt, das Krematorium zu verhindern, sagt Pötzsch nichts. Das sei offen.

Mittlerweile hat das Unternehmen das Gespräch mit Christian Meingaßner, einem Wortführer des Protests, und weiteren Anliegern gesucht. Dabei habe man die Relationen zurechtrücken können, sagt Roland Höhler: Die maximale Kapazität der Anlage liegt nach seinen Worten bei etwa 1100 Tonnen pro Jahr. „Dies entspricht nur 2,2 Prozent der genehmigten Kapazität der angrenzenden Tierverwertungsanlage.“ Das Krematorium sei vorrangig auf Pferde ausgerichtet, während der Aufheiz- und Abkühlphase können Sammelkremierungen von Kleintieren durchgeführt werden.

Im Gespräch mit unserer Zeitung korrigiert Meier bislang in der Diskussion gehandelte Zahlen: „Unsere Planungen gehen von drei bis fünf Pferden pro Woche aus, die dort verbrannt werden.“

Die Anlieferung der Pferde erfolge „in der Regel“ mit Pkws (Pickups mit Anhänger), nicht wie sonst in der TVA mit Lkws, so Roland Höhler. 2018 wurden nach seinen Angaben rund 145000 Tierkörper (ohne Geflügel!) in der TVA verarbeitet, darunter 1670 Pferde und Ponys sowie 3220 Hunde und Katzen. „Dieser Vergleich zeigt, dass die Befürchtung von erheblich verstärkten Verkehrsaufkommen unbegründet ist.“

Zuletzt ist das Verkehrsaufkommen bei der TVA deutlich zurückgegangen. Aufgrund gesetzlicher Änderungen sei die Rohware, die dort verarbeitet wird, von weit über 30000 Tonnen auf unter 20000 Tonnen im Jahr gesunken. Es gehe beim Krematorium also auch um Arbeitsplätze und Gewerbesteuer, so die Vertreter des Unternehmens.

Eine Erweiterung des Münchener Tierkrematoriums, an dem die Berndt GmbH ebenfalls beteiligt ist, sei geprüft worden, aufgrund der beengten Platzverhältnisse aber nicht möglich, so die Vertreter des Unternehmens.

Anlieger stört insbesondere der 27 Meter hohe Kamin. Die Höhe gibt allerdings ein Umwelt-Gutachten vor. Der Grund: Es dürfen keine zusätzlichen Nährstoffe in Form von Stickstoff in das Schutzgebiet „Innauen“ eingebracht werden. Die Reinigung der Abgase erfolge schon vor Eintritt in den Kamin nach den Vorgaben der neuen Technischen Anleitung Luft, so der Immissionsschutzbeauftragte des Unternehmens.

Und zu den ökologischen Einwänden führt er an: Die 475 Quadratmeter große Halle plus Bürogebäude sei auf einem Maisfeld geplant, Das Areal ist mit Bäumen und Sträuchern bereits so angelegt, dass die Halle nur vom Kanal aus eingesehen werden kann. Zur Ortsseite von St. Erasmus hin „wird als Ausgleich eine Fläche von 1375 Quadratmetern mit Büschen und Hecken bepflanzt“. In dem Gespräch mit den Kritikern aus St. Erasmus seien viele Themen ausgeräumt worden, sagt Konrad Meier. „Wir können die Position der TVA verstehen“, sagt Christian Meingaßner. Niemand sagt, dass allein die TVA schuld sei am Verkehrsaufkommen in St. Erasmus. „Aber es wächst.“ Miengaßner bleibt bei seiner Haltung: „Wir wollen das nicht.“ Und er hält auch die Forderung aufrecht, dass der Betrieb die Bürger in einer öffentlichen Versammlung informiert.

Forderung nach

mehr Information

Ob sie zu einer solchen Versammlung einlädt, lässt das Unternehmen offen. Am Donnerstag, 11. Juli, hat die Regierung von Oberbayern im Rahmen des Genehmigungsverfahrens einen Erörterungstermin angesetzt, bei dem Betroffene ihre Einwände vortragen können.

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