Auf einen Blick

Ein großer Tag für dieBanater Schwaben

von Redaktion

Interview Georg Ledig zum 20. Heimat- und Kulturtag der Landsmannschaft

Waldkraiburg – Ein großes Fest steht den Banater Schwaben am Samstag, 25. Mai, in Waldkraiburg ins Haus: Zum 20. Kultur- und Heimattag der Banater in Bayern kommen Gruppen aus dem ganzen Freistaat. Im gesamten Bundesgebiet leben heute nach Angaben der Landsmannschaft etwa 212000 Landsleute, die als Aussiedler aus Rumänien nach Deutschland kamen. Im Landkreis Mühldorf sind es etwa 3000 (ohne die hier geborenen Nachkommen). Sie leben hauptsächlich in Waldkraiburg. Die örtliche Kreisgruppe ist mächtig stolz, heuer Gastgeber des Treffens zu sein. Das sagt der Kreisvorsitzende und Zweiter Bundesvorsitzende, Georg Ledig, im Interview, in dem er über die drei Jahrhunderte lange, wechselvolle Geschichte der deutschen Volksgruppe berichtet sowie Tracht und Brauchtum vorstellt, das bis heute gepflegt wird. Und dabei auch erklärt, warum die Frauen die Kirchweih, das wichtigste Fest der Banater, nur im Stehen mitfeiern können.

Herr Ledig, welche Bedeutung kommt dem Kultur- und Heimattag der Banater Schwaben in Waldkraiburg zu?

Es ist für mich, die Banater Schwaben und unsere Stadt eine große Ehre, dass dieser Kulturtag – nach so vielen größeren Städten wie Augsburg, Regensburg oder Würzburg nun in Waldkraiburg stattfindet. Deshalb sehen wir dem Wochenende erwartungsvoll und mit Freude entgegen.

Die Banater Schwaben haben ja eine sehr wechselhafte Geschichte gemeistert?

Ja, denn nach der Türkenabwehr 1683 wollten die Habsburger das Land landwirtschaftlich kultivieren, handwerklich und gewerblich weiterbringen und die Militärgrenze stabilisieren. In einer ersten Siedlungswelle schipperten dann von 1722 bis etwa 1787 Ulmer Schachteln die Donau hinab in eine ungewisse Zukunft. Die Einwanderer rodeten Land, schufen sich eine neue Heimat und wuchsen zum Stamm der Donau- schwaben zusammen im östlichen Teil des heutigen Rumänien um Temeswar. Ihr Schicksal 1945 ist bekannt: Etwa 35000 Banater Schwaben wurden in sowjetische Lager zur Zwangsarbeit deportiert und lebten in Rumänien unter kommunistischer Herrschaft. Um 1980 kam es zu einer verstärkten Aussiedlung der Deutschen in die BRD und der massive Auswanderungsstrom in den Jahren 1989/90 nach dem Zusammenbruch des Ceausescu-Regimes führte zu einer Ausdünnung des deutschen Siedlungsgebietes im Banat. Doch ihr Gemeinschaftsleben und die tradierten Lebensformen waren meinen Landsleuten in all den Schicksalsjahren erhalten geblieben.

So ist sicher auch die Erhaltung des Kulturgutes bis in die Gegenwart herein zu erklären.

Ja, unsere Tracht zum Beispiel ist ein wesentlicher Bestandteil davon. Sie ist immer den Beschäftigungen der sozialen Gruppe angepasst, die sie geschaffen hat. Tracht tragen ist äußeres Zeichen der Verbindung von Sitte und Brauchtum. Wenn auch verschiedene Einflüsse in der Banater Tracht festzustellen sind, konnten zum Beispiel die Schürze, das Schultertuch mit seinen Fransen und andere Elemente nicht vollends verdrängt werden. Sonntägliche Kleidung der ehemaligen Auswanderer wie auch die vereinfachten Werktagsformen sind alle noch barocken Ursprungs. Der Kirchweih- tracht für das wichtigste Fest im Banater Kalender kommt auch heute noch große Bedeutung zu, besonders der der Frauen.

Was macht diese Kirchweih-Tracht denn aus?

Über dem „Hemet“ und dem Leibchen trug man das schwowische Halstuch mit zwei Zusatztüchern. Der Oberrock, auch Vier- oder Fünfblattrock genannt, war meist in Hohlfalten gerafft und darunter kam das Wichtigste, der Unterrock, der oft aus bis zu sieben Schichten bestand, alle gestärkt, gebügelt und „gezeppelt“, das heißt in Falten gelegt mit dem Ergebnis, dass bis heute die Trägerinnen an einer Festlichkeit nur stehend teilnehmen können.

Und die Männer-Tracht?

Die Männer haben es etwas leichter. Der breit- oder schmalkrempige Hut war sehr unterschiedlich geschmückt, teils recht üppig und aufgetürmt mit Blumen. Über das einfache Leinenhemd kam das „Leiwl“ mit Silberknöpfen, dazu ein Rock oder Spenser, auch Tschobe genannt. Die Hose mit geraden Beinen war früher weiß, später dunkelfarbig. Dazu trug man als „Fußzeug“ Stiefel, die Tschismen, oder Schnürschuhe, die Bakantschen. „Mann“ machte also richtig was her!

Tragen Sie selber noch Tracht?

Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ich mich in meiner heimatlichen Tracht zeige, wo immer das möglich und angebracht ist. In meinem Heimatort Semlak entstand die Tracht, die bis heute existiert, in den Jahren 1914 bis 1938, und es war immer ungeschriebenes Gesetz, dass zu Kirchweih 50 Paare in dieser Tracht dabei waren.

Welche anderen Traditionen werden von den Banatern bis heute gern gepflegt?

Uns liegt die Musik im Blut. Schade, dass es keinen eigenen Chor mehr gibt, der ja ehemals über 50 Mitglieder hatte, doch seit Franz Christmann den Dirigentenstab an den Nagel gehängt hat, schlummern auch die Stimmen. Dafür ist unsere 16-Mann-Blaskapelle bei vielen Festivitäten dabei. Eines liegt mir sehr am Herzen: Unsere Mundart wird allmählich aussterben, denn wer außer der älteren Generationen spricht sie heute noch?

Am Wochenende wird man sie öfter hören…

Es wird am Wochenende Gott sei Dank viel Gelegenheit geben, die Mundart zu pflegen, denn es sind bei uns Gruppen aus Augsburg, Ingolstadt, München, Nürnberg, Würzburg und Altötting zu Gast. Dazu ist die ganze Bevölkerung herzlich eingeladen. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Eine besondere Freude steht uns Banatern außerdem 2021 bevor, denn da wird Temeswar Kulturhauptstadt Europas, und dazu bieten wir in unserem Rathaus im November eine Ausstellung an unter dem Titel „Temeswar 1716 – Die Anfänge einer europäischen Stadt“INTERVIEW: ERIKA FISCHER

Das Programm des Heimattages

Ein buntes Programm haben die Banater Schwaben zum 20. Kultur- und Heimattag am Samstag, 25. Mai auf die Beine gestellt:

• 13.45 Uhr: Trachtenfestzug vom Haus der Vereine zur Christkönig-Kirche

• 14 Uhr: Gottesdienst

• 15 Uhr: Trachtenfestzug zum Rathaus; Banater Trachten- und Volkstänze

• 15.15 Uhr: Empfang durch Bürgermeister Robert Pötzsch, Kranzniederlegung am Denkmal der Vertreibung

• 16 Uhr: Festzug zum Haus der Kultur

• 16.15 Uhr Festansprache von Landrat Georg Huber

• 19 Uhr: Ausstellungseröffnung 50 Jahre Temeswarer Schubert-Chor

• 19.30 Uhr Festkonzert des Schubert-Chors

• 21 Uhr: Tanzunterhaltung mit der Blaskapelle der Banater Schwaben, Waldkraiburg.

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