Jetzt ist es raus. 8,40 Euro kostet die Mass Festbier. Und unsereins weiß auch, wovon unsereinem diesmal schon vom Zuschauen schlecht wird auf der Waldkraiburger Wiesn: Frei schwingende Gondeln in 26 Metern Flughöhe. „Avenger“ heißt das Monster. Schon der Name, furchteinflößend. Jede Fahrt rächt sich.
Vermutlich nur weil der Meindl Norbert, seines Zeichens Volksfestorganisator, auch nicht jünger wird, gibt es wenigstens ein Nostalgiegeschäft: „Allround“. Hört sich nicht nach Entschleunigung an. Bald rührt sich also wieder was auf dem Volksfest in und um den Zelten. Man sieht sich vom 12. bis zum 22. Juli.
Die Trasener haben ihr Volksfest schon hinter sich. Und was für eins! Vier Tage volles Haus beim 140-jährigen Feuerwehrjubiläum. Die ganze Plackerei hat sich gelohnt. St. Florian stand für St. Erasmus Pate, hat der Feuerwehr drei Tage Schönwetter beschert. Ausgleichende Gerechtigkeit. Beim 125-Jährigen hat‘s geschüttet wie aus Kübeln.
Und obwohl ganz Pürten, Ebing und Trasen am Sonntag unabkömmlich war, herrschte auch droben in der Stadt Hochbetrieb, als im Haus der Kultur die Ausstellung zu einem spannenden Kapitel aus der Geschichte der Inntaldörfer eröffnet wurde. Wer da war, erfuhr, dass es im Landkreis Mühldorf nicht nur den schwarzen Schorsch gibt, sondern auch den roten Schorsch gab, damals an der Innkanal-Baustelle vor 100 Jahren.
Ein Jahrhundert spielt der VfL noch nicht in der Fußball-Bezirksliga, gefühlt aber beinahe so lang. Nach 20 Jahren gehört der Verein für Leibesübungen längst zum Liga-Inventar. Mit drei Siegen in Folge ist die Gibis-Truppe im letzten Moment der Abstiegsrelegation von der Schippe gesprungen.
Der VfL bleibt also drin, die politischen Parteien müssen draußen bleiben. Für Wahlkampf ist kein Platzerl mehr auf dem Sartrouville-Platz, wenn der Wochenmarkt läuft. Beim Europawahlkampf ist das gar nicht aufgefallen. War eh nicht so viel los. Bei den Kommunalwahlen im nächsten Jahr, der Mutter aller politischen Schlachten, sollten die Veranstalter aber noch mal in sich gehen – aus rein gewerblichen Gründen.
Sonst hängen nur versprengte Kandidaten rum. Kommunalwahlen bringen Frequenz. Bei Stadt- und anderen Bällen, Volks- und sonstigen Festen laufen die Kandidaten Schau in Scharen. 40, 60, 80, 100 Besucher mehr, lauter Land-, Stadt- und Kreisräte in spe – der Markt könnt‘s schon vertragen.
Ein bisschen Blumenschmuck könnten die Verkehrsinseln im Süden der Stadt noch vertragen, meinen Anlieger. Weit gefehlt, sagt der Bund Naturschutz und plädiert für Wildblumen und Wildwuchs. Denn weniger Zier wäre mehr im Hinblick auf den Artenschutz. Es gibt noch viel Gesprächsbedarf bei diesem wichtigen Thema.
Wir sind reif für die Insel. Es muss ja nicht unbedingt eine Villa in Ibiza sein. Mein Gott, der Wiener Wahnsinn! Man traut Augen und Ohren nicht mehr in diesen Tagen, wenn man ins Nachbarland Österreich schaut. Und denkt sich: Skandale mögen andere erleben, Du, glückliches Waldkraiburg bleibe gelassen.
Naja, aufregen kann man sich schon ab und zu, zum Beispiel über die neueste AfD-Aktion. Weil’s zuletzt arg ruhig um die Rechtspopulisten im Landkreis geworden ist, spielt ihr Kreisvorsitzender Oliver Multusch mal wieder die Islam-Karte. Vier Tage vor dem Wahltermin geht er auf die türkisch-muslimische Jugend in Waldkraiburg und den Kreisjugendring los. Als Anlass muss ausgerechnet eine Veranstaltung herhalten, die sich seit einigen Jahren dem guten Miteinander von Christen und Muslimen verschrieben hat, ein Dialog-Abend zum Fastenbrechen im Ramadan.
Ansonsten nix Neues. Nicht vor Ort. Nein, nicht dass der AfD’ler wüsste, so sehr er auch über die Indoktrination „unserer Jugend“ schwadroniert. Multusch bemüht die bekannte Kritik an Erdogan und Vorgängen, die sich vor einigen Monaten in der Kölner DITIB-Moschee ereigneten. Die ist sicher nicht in allen Teilen unberechtigt. Doch der AfD geht es ja nur darum, ihr lokales Polit-Süppchen zu kochen, Unfrieden vor Ort zu stiften. Das ist der Skandal. Es ist wie beim „Avenger“. Schon vom Zuschauen wird einem schlecht. Und es ist gut, wenn immer mehr Bürger dieser durchschaubaren Strategie des Spaltens und Ausgrenzens überdrüssig werden und es deutlich sagen. Damit der Dialog weitergehen, auch Differenzen angesprochen werden können, offen, sachlich, konstruktiv. Die AfD braucht dafür keiner.