Waldkraiburg – Banater Schwaben aus ganz Bayern waren am Samstag nach Waldkraiburg gekommen, um ihren 20. Kultur- und Heimattag zu begehen. Dieser stand unter dem Motto „Heimat gefunden, bewahren und gestalten“.
Der Festtag begann mit einem Festgottesdienst in der Kirche Christkönig, zelebriert von Pater Walter Kirchmann. Ein bunter Trachtenfestzug marschierte anschließend vor das Rathaus, wo den zahlreichen Zuschauern Trachten- und Volkstänze gezeigt wurden. Es gab den „Donauschwabenwalzer“ ebenso zu bestaunen wie die Polkas „Zwei veilchenblaue Augen“ oder „O, du mein Banater Land“. Auch Kinder und Jugendliche wirkten mit. Musikalisch untermalte die Tänze die Blaskapelle der Banater Schwaben unter Leitung von Stefan Munding.
Für die Opfer von Flucht und Vertreibung wurde am Denkmal der Vertreibung ein Kranz niedergelegt.
Im Haus der Kultur verlas Georg Ledig, der Vorsitzende der Banater Schwaben in Waldkraiburg, ein Grußwort von Innenstaatssekretär Stephan Mayer. Dieser lobte die Banater Schwaben, die ihre Tradition so liebenswert leben und präsentieren.
Bürgermeister Robert Pötzsch betonte, dass heute 25000 Menschen aus 100 Nationen in Waldkraiburg friedlich zusammenleben, einer Stadt, die neben Traunreut, Geretsried, Neugablonz und Neutraubling erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sei. Waldkraiburg sei ein starker Wirtschaftsstandort, zahlreiche Unternehmen sicherten den Lebensstandard. Sport- und Freizeitangebote, Feste und Kultur prägten eine solche Stadt. Dazu trügen auch und vor allem die Banater Schwaben bei, neben Sudetendeutschen, Egerländern, Böhmerwäldlern und Siebenbürger Sachsen ein starker Heimatverein.
In seiner Festrede merkte Landrat Georg Huber an, dass die Menschen im Banat nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben worden seien. Ohne Hab und Gut kamen sie in einem fremden Land an, wo so vieles für sie neu war. Vielerorts begegnete ihnen Misstrauen, sie wurden als Flüchtlinge beschimpft. Hatten die Banater Schwaben auch ihre Heimat verloren, ihr Brauchtum und ihre Kunst konnte ihnen niemand nehmen, die trugen sie in ihrem Herzen, ebenso wie die Heimat.
Dem Landrat imponierte, dass der Heimatbegriff nicht nur Erinnerung an vergangene Zeiten, sondern auch die Gestaltung der Zukunft bedeute. Die Banater Schwaben bauen Brücken und überwinden Grenzen. Trotz erlittenen Unrechts in der alten und Abweisung in der neuen Heimat arbeiten sie für den Frieden. Huber schloss mit einem Zitat des Philosophen Karl Jaspers: „Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde.“
Peter Leber, der Bundesvorsitzende der Banater Schwaben, dankte Huber mit den Worten: „Herr Landrat, Sie haben uns verstanden. Und wo wir verstanden werden, fühlen wir uns daheim“. Er betonte, dass die Banater Schwaben ihren Anteil am deutschen Wiederaufbau geleistet hätten. Sie wollten zeigen, dass sie dazugehören, dass Waldkraiburg ihre Heimat wurde. Das Banat ist für sie Teil ihrer Biografie, aber nicht mehr ihr Alltag.
Eine Überraschung gab es, als der bayerische Ministerpräsident Markus Söder per Videobotschaft zugeschaltet wurde. Er ist seit vielen Jahren Mitglied bei den Banater Schwaben, seine Büroleiterin ist eine Banater Schwäbin. Er lobte, dass die Banater Schwaben es schaffen, die alte und die neue Heimat zu verbinden. An erstere denken sie, letztere gestalten sie. Landtagsabgeordneter Marcel Huber überreichte zusammen mit Stephanie Pollmann im Auftrag Söders ein Ehrenband für die Fahne der Banater Schwaben. Er erinnerte daran, dass die Banater Schwaben nach 1683, als die Türken vor Wien standen und entscheidend geschlagen wurden, im Banat angesiedelt wurden. Die Frage, ob man zwei Heimaten haben kann, beantworten sie mit „Ja“. In Waldkraiburg passiert dies seit 45 Jahren.