Waldkraiburg – 15,9 Prozent. Ist dieses Ergebnis bei den Europawahlen nun ein Beweis dafür, dass sich die AfD in Waldkraiburg langfristig auf hohem Niveau stabilisiert? Oder ist mit diesem Resultat ihr Aufwärtstrend auch in der größten Stadt im Landkreis gebrochen? Ähnlich wie im ganzen Kreis Mühldorf hat die Partei auch in Waldkraiburg gegenüber den Bundestags- und Landtagswahlen verloren, in absoluten Zahlen fast die Hälfte der Stimmen, die sie bei der Bundestagswahl 2017 holte.
Damals erreichte sie noch 19,9 Prozent. Bei einer deutlich höheren Wahlbeteiligung (66,7 Prozent; Europawahl: 44 Prozent): Im Herbst 2017 machten 2165 Waldkraiburger Wähler ihr Kreuzchen bei der Alternative für Deutschland, bei der Landtagswahl 2018 waren es 1732 bei den Europawahlen am Sonntag nur noch 1138. So die aktuellen Werte aus dem Waldkraiburger Rathaus.
Entgegen den Befürchtungen von politischen Gegnern, die Partei könnte bei einer niedrigen Wahlbeteiligung ihr Ergebnis über 20 Prozent treiben, hat es die AfD also nicht geschafft, ihre Wähler auch diesmal zu mobilisieren.
„Wir haben uns dem allgemeinen Trend dieser Wahl nicht entziehen können. In Bayern ist die Wahl nicht gut gelaufen“, sagt Oliver Multusch, AfD-Kreisvorsitzender, der dafür einen „Österreich-Faktor“ und die schlechte Performance der Landtagsfraktion verantwortlich macht.
Waldkraiburg sieht er als „Sonderfall“. An den Themen, die die AfD aufgreift, und der Form des Wahlkampfs will der Kreisvorsitzende deshalb auch bei den Kommunalwahlen im März 2020 nichts ändern.
Kommunalwahlen sind Personenwahlen. Dafür werden Parteigänger der AfD, die im Landkreis in der Öffentlichkeit im Grunde nur aus Multusch und Bezirksrat Martin Wieser besteht, aus der Deckung gehen müssen. Das sei ein Problem, etwa bei Leuten, die ein Geschäft haben und Nachteile befürchten, wenn sie sich zur AfD bekennen, räumt der Kreisvorsitzende ein.
Doch er zeigt sich zuversichtlich, dass „viele, die noch im Hintergrund für uns arbeiten“, kandidieren. 82 Mitglieder hat der Kreisverband derzeit nach seinen Angaben, etwa ein Viertel davon in Waldkraiburg. In jedem Fall werde die AfD eine Kreistagsliste „mit mindestens 20 Kandidaten“ aufstellen.
Erklärtes Ziel sei es auch, zwei Stadtratslisten auf die Beine zu stellen, in Waldkraiburg und in Mühldorf. „Dort werde ich selbst draufstehen“, sagt der Mühldorfer und erteilt damit gleichzeitig Gerüchten eine Absage, er könnte als Bürgermeisterkandidat in Waldkraiburg antreten. „Für mich stellt sich diese Frage nicht.“
Für sehr wahrscheinlich hält es der AfD-Kreisvorsitzende, dass die Partei in Mühldorf einen Bürgermeisterkandidaten aufbietet. Denkbar sei auch ein auswärtiger Kandidat. Namen nennt Multusch nicht. Für die Landratswahlen und Bürgermeisterwahlen in Waldkraiburg legt er sich nicht fest.
Noch vor den Sommerferien strebt er die Gründung eines Ortsvereins in Waldkraiburg an, es wäre der erste im Landkreis.