Was Heimat ist? „Komische Frage!“ Würden sie drunten im Inntal vermutlich spontan antworten. In den boarischen Dörfern, die vor Jahrzehnten mit der Eingemeindung in der großen Stadt ihre Selbstständigkeit verloren haben, nicht ihre Heimat. Die ist geblieben. Wie selbstverständlich. Heimat – das ist Zusammenhalt. Mia san Mia. Sind Junge und Alte. Ist Blasmusik. Ist Pfarrgemeinde. Ist Tracht. Ist Nachbarschaft. Feuerwehr und andere Vereine.
Neulich beim großen Fest in St. Erasmus war es wieder zu spüren und zu bestaunen: dieses echte und gute Gefühl – Heimat. Viele haben mitgeholfen, alle waren da. Aus Trasen, Pürten und den vielen Nachbarorten, auch von droben aus der Stadt Waldkraiburg.
Eine Woche später wieder ein großer Heimat- und Kulturtag. Aus dem ganzen Freistaat kamen sie zusammen, die Banater Schwaben, um hier in Waldkraiburg ihre Geschichte, ihre Herkunft, ihre Bräuche und Traditionen zu feiern. Auf die sie stolz sind, so wie auf den Beitrag, den sie nach der Aussiedlung aus den ehemals deutsch besiedelten Gebieten in Rumänien in den vergangenen Jahrzehnten in Waldkraiburg, in Bayern geleistet haben.
Was Heimat ist? Darum geht es, darum ging es bei diesem Heimattag auch. Ganz zentral sogar. „Wo wir verstanden werden, fühlen wir uns daheim“, sagte etwa der Bundesvorsitzende der Banater, Peter Leber. Und dass die Schwaben verstanden werden, das machten Bürgermeister, Landrat, Staatssekretär, sogar der Ministerpräsident in einer Videobotschaft deutlich.
Dieses Gefühl von Heimat ist zerbrechlicher als drunten im Inntal. Und ganz abgeschlossen ist der Prozess der Beheimatung tatsächlich erst, wenn es die Beteuerung nicht mehr braucht. Von den Vertretern der Stadt, des Landkreises, vom Staatssekretär und vom Ministerpräsidenten.
In Wahrheit gehören die Banater Schwaben nicht nur dazu. Sie machen – mit vielen anderen – die Stadt erst zur Heimat. Unverwechselbar. Wer kann sich Waldkraiburg denn vorstellen ohne Wurzeln im Egerland, in Schlesien, in Haida, Grulich oder Reichenberg, ach, ja und Bayern, ohne starke Äste, die aus Siebenbürgen oder dem Banat hinzu gewachsen sind, ohne die vielen anderen Zweige und Blätter aus vielen Ecken und Enden der Welt.
Wer einmal einem Türken zugehört hat, wenn er erzählt, wie das ist, nach sechs Wochen Urlaub in Anatolien und mehrtägiger Autofahrt über den Balkan endlich wieder heim zu kommen. In sein Waldkraiburg! Wo er arbeitet. Wo er groß geworden ist. Wer das gehört hat, weiß, was ich meine.
Für viele Menschen, die hier leben, gibt es zwei Heimaten. Das ist so, seit es diese Gemeinde gibt. Das macht die DNA Waldkraiburgs aus: Heimat ist Wandel. Ist Veränderung. Ist offen. Gehört niemandem.