Waldkraiburg – Wundersam und fantastisch, traurig und berührend, überraschend und spannend, so war die Reise der kleinen Sofie, mit der die rund 20 Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 9 unter Leitung von Ruth Mayr die Zuschauer von Anfang an in ihren Bann zogen. Das Ensemble der Theatergruppe des Gymnasiums hatte sich mit seiner Aufführung an ein anspruchsvolles Stück mit einem nicht gerade leichten Thema gewagt. Die Bühnenumsetzung des gleichnamigen Buches von Els Pelgrom, das 1986 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, setzt sich mit den Themen Krankheit, Tod und der Bedeutung des Lebens auseinander.
Sofie ist todkrank und muss ständig das Bett hüten. Doch trotz alledem ist sie neugierig auf das Leben und ihre Wissbegier ist grenzenlos. Eines Abends tritt Sofie im Schlaf zusammen mit ihren Spielgefährten aus Stoff und Plüsch eine Reise an, die viele ihrer Fragen beantworten wird.
Ihr Kater Terror beschließt nämlich, ihr ihren Wunsch zu erfüllen und in ihrem Kinderzimmer ein Theaterstück aufzuführen, in dem alles vorkomme, um Sofies Fragen zu beantworten. Alles, was das Leben zu bieten hat! Es soll ein sehr langes Stück sein, und es hat keinen Titel. Die Puppen und Stofftiere im Publikum bekommen mächtig Angst und keiner möchte mitspielen. Nur Langer Lappen, Bär und Sofie selbst!
Ab da kommt Terrors Theaterstück ganz von selbst in Schwung. Auf ihrer Reise lernt Sofie, dass das Leben eine Menge zu bieten hat. Zusammen erfahren sie, dass sich im Leben angenehme und unangenehme Dinge beständig ablösen. Sie lernen den Unterschied zwischen Freundschaft und Feindschaft, Armut und Reichtum, Recht und Gerechtigkeit, Tapferkeit und Feigheit und vielem mehr kennen. Sofie erlebt in der Familie von Langer Lappen den Hunger und Überfluss bei Familie Bär. Immer setzt sich Sofie für die Gerechtigkeit und für die Schwächeren ein. Sie rettet zusammen mit den anderen den Bären, der mit seinen Taschen voll Geld im Moor zu versinken droht, oder rettet Langen Lappen, der im Gefängnis gelandet war, weil er geklaut hat.
Eine Weile lebt sie deshalb im Heim für misslungene Kinder, wo es aber schön und heiter ist. Doch auch das geht vorbei. Am Ende springt sie aus einer Torte für den König und schleudert ihm dabei einen dicken Klecks Sahne ins Gesicht, wovon dieser nur wenig begeistert ist. Vor seinem Zorn fliehen die Freunde auf ein Schiff, das in einen schweren Sturm gerät und schließlich in den Fluten versinkt: Die Reise und das Leben, die so viel zu bieten hatten, sind zu Ende. Sofie, die unbedingt wissen wollte, was das Leben zu bieten hat, ist sich am Ende ganz sicher, genau das herausgefunden zu haben: „Soviel, soviel!“ Aber das Ende ist für Sofie der Beginn ihrer endlosen Reise, auf der sie von ihren liebsten Freunden begleitet wird.
Die Zuschauer verfolgten das Bühnengeschehen mit sichtlichem Interesse und genossen eine in sich stimmige und einfallsreiche Inszenierung: Das Bühnenbild bestach durch seine Variabilität und bot den jungen Darstellern eine ideale Spielfläche: Da entstand aus Sofies Bett und Puppenschrank im Handumdrehen die gemütliche Wohnung der Familie des Bären, das karge Gefängnis, in dem sich Sofie und Langer Lappen wieder begegnen oder das Heim für misslungene Kinder.
Der Theatergruppe gelang es so überzeugend, auf der Bühne die einzelnen Stationen von Sofies wundersamer Reise in bemerkenswertem Tempo zu erschaffen und die Erzählung in Bewegung zu halten.
Die dabei entstandenen Bilder nahmen das Publikum auf unterhaltsame Weise mit, ließen aber auch die Tiefsinnigkeit des Erlebten bewusst werden. Die mehrfach besetzten Rollen spielten die Schüler mit großer Hingabe bemerkenswerter Bühnenpräsenz. Am Ende der Aufführung belohnte das Publikum die jungen Darsteller mit begeistertem Beifall.