Waldkraiburg – Es ist vollbracht: Der Zweckverband für den Hochschulcampus Mühldorf-Waldkraiburg ist offiziell gegründet. Gestern haben dies die Vertreter des Landkreises, Landrat Georg Huber, die Mühldorfer Bürgermeisterin Marianne Zollner und ihr Waldkraiburger Kollege Robert Pötzsch mit ihren Unterschriften bei einem Pressetermin im Sitzungssaal des Waldkraiburger Rathauses besiegelt. Lange Verhandlungen und kontroverse Diskussionen in Kreistag und Stadtrat (wir berichteten) waren vorangegangen.
Mit der Vertragsunterzeichnung sei ein „Meilenstein“ und „ein wichtiges Signal“ für die weitere Entwicklung des Landkreises als dezentraler Hochschulstandort gesetzt worden. So die Kommunalpolitiker. Der Zweckverband habe zum einen die Funktion, Sprachrohr für die hochschulpolitischen Forderungen zu sein, insbesondere im Hinblick auf die Finanzierung durch den Freistaat. Zum anderen hat er die Aufgabe, für die beiden Außenstellen der Technischen Hochschule Rosenheim, den Hochschulcampus in Mühldorf und ein Forschungszentrum für biobasierte Materialien und innovative Stoffe in Waldkraiburg, die erforderlichen Gebäude bereitzustellen und deren Betriebsaufwand zu tragen. Der Landkreis mit seinen 31 Gemeinden trägt einen Anteil von 50 Prozent, die Stadt Mühldorf 35 Prozent, Waldkraiburg 15 Prozent.
Der Campus in Mühldorf, der im Jahr 2014 mit dem dualen Studiengang Maschinenbau gestartet war, habe sich „außergewöhnlich entwickelt“, so Professor Heinrich Köster, der Präsident der Technischen Hochschule Rosenheim. Seitdem ist der Standort kontinuierlich gewachsen, zuletzt mit dem Studiengang Soziale Arbeit. Ab dem neuen Wintersemester kommt mit der Angewandten Psychologie ein weiterer Studiengang hinzu, der auf größtes Interesse stößt. Köster: „Wir haben 300 Bewerbungen und können maximal 50 Studierende aufnehmen.“
Bald 600
Studenten
Auf 600 Studierende wird der Hochschulstandort bald anwachsen. „Wir sind auf dem besten Weg, die notwendigen Räumlichkeiten dafür zu schaffen“, so der Leiter der Hochschule.
Mühldorfs Bürgermeisterin Marianne Zollner sprach denn auch von „einem großen Tag für die Zukunft unserer Region“. Sollte es zu einem weiteren Ausbau des Campus auf tausend und mehr Studierende kommen, müsse der Freistaat noch stärker ins Boot geholt werden, so ihre Forderung. Wie Zollner, so wertete auch ihr Waldkraiburger Bürgermeisterkollege Robert Pötzsch den Zweckverband als „Beispiel, wie die Zusammenarbeit der Städte im Oberzentrum weitergehen kann“. Die Vertragsunterzeichnung im Waldkraiburger Rathaus nannte er ein „starkes Symbol“. Landrat Georg Huber stellte die Bedeutung der Hochschulprojekte für die gesamte Region heraus. Großes Potenzial für die Waldkraiburger Industrie steckt aus seiner Sicht in dem geplanten Forschungszentrum. „Da können Start-ups entstehen.“
„Eine echte Chance für die Region“ sieht darin Landtagsabgeordneter Dr. Marcel Huber. Es gehe um einen Forschungsbereich mit großem Zukunftspotenzial, so Huber im Hinblick auf die Herausforderungen durch Klimawandel und die Belastungen der Umwelt durch Plastikmüll. Das zwinge dazu, den Umgang mit Kunststoff zu überdenken und aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz Alternativen für Stoffe auf fossiler Basis zu entwickeln. Der Standort Waldkraiburg biete sich dafür an, weil seit Jahrzehnten Kunststoff-Industrie vorhanden sei. Die Technische Hochschule ist laut Professor Köster seit einigen Jahren an diesem Thema dran, derzeit in Leuna. „Das hätte ich gerne hier.“ Aus Holz könne man mehr machen als Brennholz und Bauholz.
Keine Festlegung auf einen Zeitrahmen
Wichtig ist dem TH-Präsidenten, das Zentrum für biobasierte Materialien nicht isoliert zu sehen, sondern als Teil eines Netzwerkes mit dem Hochschulstandort Burghausen sowie mit anderen Hochschuleinrichtungen in Straubing und der Uni in Regensburg und der TU München.
Auf einen Zeithorizont wollte sich Köster nicht festlegen. Es sei in Zeiten des Fachkräftemangels nicht einfach, die Chemiker und Holzwissenschaftler für das Projekt in Waldkraiburg anzuwerben. Wichtig sei zudem, so Marcel Huber, Partner aus der Wirtschaft zu gewinnen. Die Gespräche mit Vertretern der örtlichen Industrie sollen in nächster Zeit beginnen. Huber betonte einmal mehr, dass Ministerpräsident Söder hinter dem Forschungszentrum in Waldkraiburg stehe. Zuletzt hatte die Tatsache, dass im bayerischen Doppelhaushalt 2019/20 keine Stellen und Mittel für diese Einrichtung ausgewiesen sind, im Waldkraiburger Stadtrat zu erheblichen Irritationen geführt. Dazu der ehemalige Staatskanzlei-Chef: Entscheidend sei, dass das Forschungszentrum ein Haushaltstitel ist, also auch mit dem Haushalt verabschiedet wurde. Das frühe Entwicklungsstadium des Projekts sei der Grund dafür, dass diese Haushaltsposition noch nicht mit Stellen und Mitteln gefüllt ist.
Zum möglichen Standort machte Bürgermeister Pötzsch keine Angaben.