Gewerbe statt Wald: Widerstand wächst

von Redaktion

Naturschutzverband fordert Diskussion über Grenzen des Wachstums

Waldkraiburg – Der Widerstand gegen die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets nördlich der Daimler-straße um einen fast zwei Hektar großen Waldstreifen (wir berichteten) wächst. Jetzt haben sich Anlieger und der Bund Naturschutz dagegen ausgesprochen.

In einer Stellungnahme, die auch unserer Zeitung vorliegt, verweist die Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN) darauf, dass sich durch die geplante Erweiterung der Abstand zwischen Wohnbebauung und Gewerbe-, beziehungsweise Industriegebiet erheblich verringere. Dies lehnt der Naturschutzverband ab, „da dem betroffenen Wald gemäß Waldfunktionsplan eine besondere Bedeutung für den lokalen Klima-, Lärm- und Immissionsschutz sowie als Erholungswald für die Bevölkerung zukommt“. Zudem befürchtet der BN negative Auswirkungen auf seltene Fledermausarten, besonders die Bechsteinfledermaus, die am Eichelgarten nachgewiesen wurde. „Für sie entfallen durch die Bebauung wesentliche Teile des Jagdgebietes, zumal sie Licht meidet und deshalb wegen der Straßenlampen auch im Wald neben dem Industriegebiet nicht mehr jagen wird.“ Die Ausgleichsmaßnahmen, die in der Aufforstung einer Wiese in einer Nachbargemeinde bestehen, können nach Auffassung der Naturschützer weder ein Lebensraum für die betroffenen Fledermausbestände sein, noch die Rolle als Klima-, Lärm- und Immissionsschutz für Waldkraiburg übernehmen.

„Eine Erweiterung von Siedlung und Gewerbe geht in Waldkraiburg fast immer zu Lasten des Waldes“, so BN-Ortsvorsitzender Heinrich Hiemisch. „Das Artenschutz-Volksbegehren und die Klimaproblematik verdeutlichen jedoch, dass mit dem Schutzgut Wald vorsichtiger als bisher umgegangen werden muss.“ Der Verband fordert daher eine Diskussion über die Grenzen des Wachstums für Waldkraiburg und den Einsatz der Stadt für die Einhaltung der Klimaziele, wozu insbesondere der Erhalt der Waldflächen gehört.

Auch die Anlieger, die eine Unterschriftenaktion gestartet haben, führen ökologische Gründe geben die Erweiterung ins Feld. Sie fragen sich, was nach Abzug der Erschließungsflächen noch an Gewerbeflächen übrig bleibt.

Die Änderung des Flächennutzungsplans, die für die Erweiterung des Gewerbegebiets notwendig ist, ist derzeit in der zweiten Auslegung. Bis Mitte Juli sind laut Bauabteilungsleiter Carsten Schwunck noch Stellungnahmen möglich. Er verweist auf das laufende Verfahren, in dem die Einwände behandelt und abgewogen werden. Voraussichtlich im Stadtentwicklungsausschuss im September werde das Thema erneut öffentlich behandelt.

In der ersten Verfahrensrunde war das Vorhaben bereits kontrovers in den Gremien diskutiert worden. Mit 24:7 Stimmen fiel das Votum für die Änderung des Flächennutzungsplanes aber deutlich aus. Auf dem Areal planen die Stadtwerke unter anderem ein neues Schalthaus zur Stromversorgung des Industriegebiets.

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