Kristin Hüwel
Waldkraiburg – Etwas unsicher stehen vier Schüler der 10e der Wirtschaftsschule Gester mit Kamera und Mikrofon vor dem Bahnhof in Mühldorf. Ihre Aufgabe ist es, eine Umfrage zu Mode zu erstellen. Fragen zu aktueller Kleidung, bayerische Tracht und Kopftuch haben sie vorbereitet.
Schließlich ist eine Interviewte ausgemacht. Anna Körmeier wagt den ersten Schritt. Sie geht auf eine Frau zu, die den Berg zum Bahnhof herunterkommt, und stellt ihr die Fragen. „So schlimm war es gar nicht“, berichtet die 16-Jährige anschließend. „Am Anfang war es komisch, Fragen zu stellen. Dann wurde es aber immer besser.“ Körmeier nimmt mit ihrer Klasse an dem Projekt Culture-X-Change des Kreisjugendrings Mühldorf teil.
Sprache, Essen, Feste und Sport – dies und noch vieles mehr machen Kultur aus, haben die Schüler bereits ausgearbeitet. Nun erstellen sie eine Magazinsendung mit Umfragen, schauspielerischen Elementen und Studiogästen. Die Ergebnisse wurden im Cinewood Kinocenter Waldkraiburg gezeigt. Drei Schulklassen zwischen der siebten und zehnten Klasse sowie eine Gruppe des Projekthauses Jagus haben sich daran beteiligt. Zur Vorführung sind weitere Schulklassen aus Waldkraiburg und Mühldorf angereist und haben den Kinosaal mit rund 130 Plätzen gefüllt.
An zwei Vormittagen geht es zunächst darum, passende Themen und Ideen zu finden. Schließlich hat sich die Klasse in Moderatoren, Reporter und Techniker aufgeteilt. Eine Einführung in die Handhabung von Kameras und Schnittsoftware folgt. Danach geht es an die Umsetzung. Schließlich sitzt die Schulklasse am Ende des zweiten Projekttages in ihrem Klassenzimmer. Es ist inzwischen zum Studio umfunktioniert.
Auf einer Couch nehmen zwei Moderatoren Platz und führen durch die Sendung – drei Beiträge zu den Themen Fußball, aktuelle Mode sowie Tracht und Kopftuch sind entstanden. Zusätzlich hat die Klasse 10e zwei Gäste geladen. „Wir haben Junad und Mustafa eingeladen. Sie sind aus der Parallelklasse und dem elften Jahrgang“, sagt Körmeier. Sie haben ihre Sicht zum Thema Mode erläutert.
„Viele Jugendliche wissen oft zu Beginn nicht, was Kultur eigentlich ist. Unsere Aufgabe ist es zunächst, dies mit den Jugendlichen herauszufinden“, berichtet Sozialpädagogin Tamara Schweidler vom Medienunternehmen Q3, die das Projekt mit den Schülern umgesetzt hat. „Es ist aber erstaunlich, welche Ideen schließlich kommen. Ich hatte zum Beispiel nicht mit dem Thema Architektur gerechnet.“
Doch nicht nur Baukunst in Mühldorf, sondern auch das Fasten vor Ostern und Ramadan, Begrüßungen wie Hände schütteln, Ghetto-faust und Nase wetzen sowie Lieblingsessen griffen die Jugendlichen in ihrem Filmprojekt auf.
Der Klasse 10e hat das Projekt gefallen und sie würden gerne wieder eines machen. In zwei Tagen sei alles gut zu schaffen gewesen, berichten sie. Auch, wenn am Schluss wenig Zeit zum Proben der Moderation gewesen sei. Im September geht das Projekt in die nächste Runde, jedoch mit neuen Teilnehmern. Zum Abschluss steht dann wieder eine Vorführung im Kino an – Popcorn inklusive.