Unterreit – Fast überfüllt war der Sitzungssaal im Unterreiter Rathaus. Der Grund: die Flächennutzungsplanänderung, die ein Areal in Stadl für eine Wohnbebauung vorbereitet. Ein Thema, das die Gemüter bewegt und den Dorffrieden gefährdet. Es stehen sich gegenüber: junge Familien, die sich in ihrer Heimat ein Eigenheim schaffen wollen, und Bürger, die eine Zersiedelung der freien Landschaft und Zerstörung der Natur befürchten.
Schnell waren in der öffentlichen Gemeinderatssitzung die Stellungnahmen des Wasserwirtschaftsamtes, des Straßenbauamtes und anderer zuständiger Ämter abgehandelt und einstimmig vom Gemeinderat befürwortet. Eine erste Hürde war damit für die jungen Familien genommen.
Einstimmig ohne Diskussionen beschlossen
Den Einsprüchen der Gegner erging es in der Folge nicht anders, auch hier wurde die Sicht der Gemeinde und anderer Ämter kurz verlesen, um die Einwände dann, ebenfalls einstimmig, zurückzuweisen – ohne eine einzige Nachfrage oder einen Diskussionsbeitrag.
Danach lichteten sich die Reihen in den Zuschauerrängen. Die einen gingen voller Tatendrang heim und freuen sich darauf, nun bald ihr Eigenheim realisieren zu können. Die anderen kehrten mit dem Gefühl, unverstanden zu sein, nach Hause zurück.
Festzustellen ist auch, dass das Vorhaben den Dorffrieden stört: Nachbarn aus Stadl und dem Weiler Meister Elsbeth sprechen kein Wort mehr miteinander. Unversöhnlich stehen sich viele gegenüber.
Tatsache ist, dass die Gemeinde Unterreit in Stadl „Dörfl“ ein Baugebiet ausweisen wollte, welches zu einer „Schlauchsiedlung“ zwischen Stadl und „Weiler“ Elsbeth geführt hätte. Selbst die Landesregierung empfahl, davon Abstand zu nehmen und das neue Baugebiet „abgerundet“ an die bestehende Siedlung anzufügen.
Bei einem Konsensgespräch zwischen Gemeinderat und Verwaltung sowie den Beschwerdeführern einigten sich die Beteiligten schließlich auf einen Kompromiss: Rund 1,4 Hektar Bauland wären entstanden und damit geringfügig mehr als von der Gemeinde ursprünglich geplant.
Erneuter Widerstand regte sich, nachdem – entgegen des Kompromisses – bekannt wurde, dass die Gemeinde nunmehr rund drei Hektar und damit doppelt so viel Bauland ausweisen möchte. Eine Siedlungserweiterung für rund 30 Häuser könnte nun entstehen. Es seien mehr als 20 Anfragen von Einheimischen für Baugrund vorhanden, argumentiert die Gemeinde.
„Es geht uns nicht darum, jungen Familien den Traum vom Eigenheim zu verwehren“, erklärt Alexander Wimmer, einer jener Anwohner, die Einspruch eingelegt haben. „Im Gegenteil, wir freuen uns auf neue Nachbarn und auf ein hoffentlich gutes Verhältnis mit ihnen.“ Doch die Art und Weise, wie aus einer Kompromiss- eine Großlösung geworden sei und die die Kommunikationspolitik der Gemeinde seien nicht hinnehmbar.
„Über Jahre werden wir mit schweren Baufahrzeugen konfrontiert sein, nach Abschluss der Arbeiten rollt dann der Siedlungsverkehr über unsere 3,3 Meter breite Straße, keine zwei Meter vor meiner Haustüre vorbei“, befürchtet Alexander Wimmer.
Der Argumentation der Kritiker, der freie Blick über die Felder und Wiesen, dürfe nicht zerstört werden, entgegnet die Gemeinde mit der Begründung, dass es darauf keinen Anspruch gebe. Das Wohl Mehrer stehe über dem Wohl Einzelner.
Kritiker sammeln Unterschriften für ein Bürgerbegehren
Die Beschwerdeführer befürchten, dass es auch um wirtschaftliche Interessen, geht. Wimmer sieht die Gefahr, dass auf dem Gelände auch Mietwohnungen errichtet würden – und dann die Miet- und Grundstückspreise explodieren könnten. Die Gemeinde spricht jedoch davon, dass es in erster Linie darum gehe, einheimischen Familien eine Baumöglichkeit zu geben.
Aufgeben wollen die Beschwerdeführer auch nach den Ratsbeschlüssen nicht: „Wir werden weiter versuchen, ein Bürgerbegehren gegen das neu abgesteckte Baugebiet zu realisieren“, erklären die Gegner. Notfalls wollen sie auch auf juristischem Wege eine Prüfung der Situation anstreben.