Waldkraiburg – Sobald es mit dem Bau eines neuen Rathauses am Stadtplatz losgeht, muss das Mahnmal der Vertreibung von seinem bisherigen Standort entfernt werden. Der Kulturausschuss hat sich dafür ausgesprochen, das Denkmal abzubauen und – bis zum Abschluss der Baumaßnahme voraussichtlich im Jahr 2023 – einzulagern. Die Alternative wäre, es für die Dauer der Bauzeit an einem anderen Standort im Stadtgebiet aufzustellen.
Allerdings ist das Material des Mahnmals „sehr empfindlich“. Darauf wies Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) hin. Der Aufwand, die Skulptur zu versetzen, aufzubauen und dann wieder zu versetzen, verursacht nicht nur zusätzliche Kosten, sondern erhöht die Gefahr von Beschädigungen.
Für das sichere Einlagern sind im Grunde alle Ausschussmitglieder. Allerdings war Margit Roller (CSU) nicht damit einverstanden, einen Beschluss zu fassen, ohne vorher die Landsmannschaften und Heimatvereine zu hören. Diese haben das Mahnmal mitfinanziert und deshalb ein Mitspracherecht, so Roller. Im Übrigen sei der Neubau noch keine beschlossene Sache, es bestehe folglich auch kein Zeitdruck.
Dagegen sagte Thomas Mühlbäck, stellvertretender Kämmerer: Formaljuristisch sei die Stadt Eigentümer des Mahnmals, könne also darüber verfügen.
Laut Elke Keiper vom Haus der Kultur, haben die Vorsitzenden der beiden Organisationen, die am Mahnmal Gedenkfeiern abhalten, Andreas Pawel von der Sudetendeutschen Landsmannschaft und Georg Ledig von den Banater Schwaben, bereits signalisiert, dass sie mit diesem Vorgehen einverstanden sind. Die Gedenkfeiern sollen vorübergehend am Waldfriedhof stattfinden.
Georg Ledig, der auch Kreisvorsitzender des Bundes der Vertriebenen ist, kündigte gleichzeitig an, alle Landsmannschaften und Heimatvereine zusammenzurufen und zu befragen. Er ist allerdings davon überzeugt, dass auch die Vereine sich für die Einlagerung aussprechen.
Ein Kompromissvorschlag des Bürgermeisters wurde daraufhin einstimmig angenommen: Der Ausschuss beschließt die Einlagerung. Sollten sich die Vereine wider Erwarten für eine andere Lösung aussprechen, kommt das Thema noch einmal auf die Tagesordnung.
Vielleicht, so die Hoffnung des Bürgermeisters, findet sich noch ein langfristiger Standort, der nicht von einem Rathaus-Neubau betroffen ist. Bislang zeichnet sich aber da noch keine Lösung ab.hg