Kraiburg – Eigentlich sollte der Marktgemeinderat nur über einen Antrag der Jungen Union entscheiden, die am 13. Juli wieder eine Kraiburger Sommernacht auf dem Marktplatz veranstalten will. Ab 12 Uhr sollen dazu der Platz und die benachbarten Straßen und Parkplätze gesperrt werden. Der Antrag ist eine Formsache. Der Gemeinderat hat ihn folglich ohne weitere Diskussionen durchgewunken. Erheblich mehr Gesprächsbedarf sahen die Kommunalpolitiker der unterschiedlichen Couleurs allerdings, als Erich Unterforsthuber (UWG) den Konflikt zwischen dem Veranstalter der Sommernacht und einem ortsansässigen Betrieb öffentlich machte.
Die Kraiburger Bäckerei wollte an einem Stand auf dem Fest Kleingebäck, Butterbrezen und Kuchen anbieten. Und weil sie das nicht durfte, wandte sich das Unternehmen an die Kraiburger Kommunalpolitiker, Bürgermeister und Gemeinderäte.
Unterforsthuber griff das Anliegen des Betriebes in der Gemeinderatssitzung auf und bedauerte, dass das alteingesessene Unternehmen bei der Sommernacht, „einer super Veranstaltung“, keinen Stand bekomme. Für die Zukunft hoffe er, dass die Kraiburger Firma „ins Boot genommen wird“.
Dass diese Angelegenheit politisch höchst sensibel ist, war klar, als im weiteren Verlauf der Debatte deutlich wurde, dass es sich bei dem Beschwerdeführer um den Sohn des ehemaligen Bürgermeisters Michael Loher (UWG) handelt, und beim Vorsitzenden der Jungen Union, die die Veranstaltung organisiert, um Sebastian Heiml, Sohn des aktuellen Bürgermeisters Herbert Heiml (CSU).
In einer schriftlichen Stellungnahme an den Marktgemeinderat hatte Sebastian Heiml die Position der Jungen Union ausführlich dargestellt und begründet. Demnach hat die JU bereits im Frühjahr beschlossen, das Speisenangebot aufgrund des großen Andrangs im Vorjahr deutlich auszuweiten. Mit dabei sind erneut die Gastronomen im Bereich des Marktplatzes sowie zusätzlich einige Essensstände, die allesamt in Kraiburger Hand sind.
Die JU werde zudem einen Kaffee- und Kuchenverkauf zugunsten der Kraiburger Kindergärten organisieren. „Aus diesen Gründen baten wir die Bäckerei Loher um Verständnis, dass wir es heuer nicht passend finden, aber man wieder reden könne, wenn einer der oben genannten Gastronomen kein Interesse mehr hat.“ Denn das Angebot sei in diesem Jahr mehr als ausreichend, der Veranstalter wolle den Wirten nicht zu viel Konkurrenz machen. Bereits im Vorjahr habe eine andere alteingesessene Bäckerei angefragt, so Heiml junior. Auch dieser habe man abgesagt.
Werner Schreiber (SPD) und Dritte Bürgermeisterin Anneliese Schuster (CSU) betonten, dass der Gemeinderat Vereinen keine Vorschriften machen könne, wen sie als Wirte verpflichten sollen. „Wir haben noch nie einem Verein eine solche Empfehlung gegeben“, so Schuster. Der Gemeinderat habe kein Mitbestimmungsrecht, vertrete aber die Interessen der Kraiburger Gewerbebetriebe, so Schreiber. „Wir können die Vereine nur bitten, die Kraiburger Gewerbebetriebe zu berücksichtigen.“
So sehen das im Grunde auch Erich Unterforsthuber und Angelika Hefer (Grüne), die sich für das Anliegen der Bäckereien stark machten.
Dagegen fragte Adrian Hilge (SPD): „Wollen wir wirklich drüber diskutieren, wie ein Verein sein Fest organisieren soll?“ Er sieht keinen Anlass zur Kritik am Veranstalter: Schließlich sei kein Unternehmen dabei, das nicht aus Kraiburg ist.
Bürgermeister Herbert Heiml hält das Anliegen, Kraiburger Betriebe einzubeziehen, für richtig. „Aber wir können als Gemeinde nicht sicherstellen, dass alle zum Zuge kommen.“
Er wies zudem darauf hin, dass die Lebkuchen beim Christkindlmarkt von der Bäckerei Loher kommen. „Die Bäckerei Loher wird also nicht geschnitten.“