Kraiburg – Mit Gesamtkosten in Höhe von 900000 Euro ist das Naturbad im Gemeindehaushalt ausgewiesen. 200000 Euro Zuschuss darf der Markt voraussichtlich vom Mühldorfer Netz aus europäischen Leader-Mitteln erwarten. Diese Summe nannte Bürgermeister Dr. Herbert Heiml (CSU) im Gemeinderat und informierte gleichzeitig darüber, dass aus einem Bundesförderprogramm für die Sanierung kommunaler Einrichtungen sogar eine noch höhere Summe in Aussicht stehe. „Wir sind im Fördertopf drin.“ Das habe er schriftlich, so Heiml. Die Fördersumme, um die es da geht: 290000 Euro.
Dafür müsse die Gemeinde gewisse Auflagen erfüllen, die Thema eines Gesprächs am 4. Juli in Bonn sind. Sogar eine Doppelförderung ist nach den Worten Heimls nicht ausgeschlossen. Allerdings erklärte der Bürgermeister, er werde den Gesprächstermin nur wahrnehmen, wenn es einen förmlichen Beschluss des Gemeinderates gibt, dass er sich weiter um Fördermittel bemühen soll. Er reagiere damit auf Gerüchte und Unterstellungen, er verzögere das Naturbad-Projekt, so Heiml. „Das lasse ich mir nicht nachsagen.“ Die Ausschreibung sei erst nach diesem Termin sinnvoll, eine Verzögerung des Baubeginns also nicht zu umgehen. Das Problem sei, dass in der Öffentlichkeit nicht gesagt wird, wann es mit dem Bau losgeht, entgegnete Adrian Hilge (SPD). „Wir haben einen Beschluss, dass wir bauen, wir haben einen Plan, und wir werden von den Leuten angesprochen, können aber keine Auskunft geben“, so der Gemeinderat, dessen Fraktionskollege Werner Schreiber ebenfalls befürchtet, dass sich das ganze Projekt so weit ins nächste Jahr verschiebt, „dass wir 2020 nicht aufmachen können“.
Die lange Wartezeit, bis die Genehmigung für das Bad erteilt wurde, ist für Heiml keine Überraschung: „Wir bauen keinen Froschteich. Das ist ein Naturbad. Da geht es um Hygiene.“ Und der Bürgermeister, dessen Amtszeit im April 2020 endet, setzte hinzu: „Ich hätte das gerne noch in meiner Amtsperiode abgeschlossen. Mein Bestreben ist, dass wir heuer anfangen und nächstes Jahr fertig werden. Aber ich kann es nicht versprechen.“ Trotzdem sei er dafür, zu warten, bis die Details der Förderung klar sind. Er sehe sich in der Verantwortung gegenüber 4000 Bürgern, auch jenen, die kein Naturbad wollen. Und Heiml wörtlich: „Ich habe keine Lust, dass ich mich dafür ständig in den Hintern treten lasse.“
„Wir müssen auf alle Fälle die Förderung abwarten.“ So sehen das auch Anton Voglmaier (CSU) und Alfons Wastlhuber (UWG). Es gehe ja nur noch um ein Monat, so Wastlhuber. Eine sechsstellige Fördersumme müsse „die Gemeinde mitnehmen, wenn es geht“, so Voglmaier. Diese Förderung eröffne die Möglichkeit, im Badbereich eine attraktive Freizeitanlage mit öffentlichem Spielplatz und Beachvolleyplatz zu realisieren, die das gesamte Jahr über genutzt werden kann.
Und so wie Wastlhuber und Voglmaier sahen das am Ende erwartungsgemäß alle Gemeinderäte.
Differenzen gibt es allerdings nicht nur in dieser Frage, sondern auch zwischen dem Förderverein und dem Bürgermeister. Heiml, der das Engagement des Fördervereins Naturbad grundsätzlich begrüßt, warnte vor zu großen Erwartungen. Er erinnerte an das Schallschutzgutachten. Der Experte hätte einen Standort im Norden bevorzugt. Die Möglichkeiten seien am Standort, den der Gemeinderat beschlossen hat, eingeschränkt. „Wir können nicht alles einbauen. Wir können kein riesen Disneyland machen“, so Heiml, der wenig später einräumte, dass das „überspitzt formuliert“ sei. Von Disneyland könne nun wirklich keine Rede sein, hatte ihm UWG-Fraktionssprecher Ernst Kirmeier entgegengehalten. „Das erwartet kein Mensch. Der Förderverein will, dass wir ein familienfreundliches Bad bekommen.“