Jettenbach – Vereinsvorsitzende Elvira Schreiner erzählte spannende Geschichten aus der Heimat und machte auf landschaftliche Besonderheiten aufmerksam. Ulrike Zöller vom Bayerischen Rundfunk tauchte mit den Teilnehmern in die Welt der Mythen und Sagen ein. Kreisheimatpfleger für Volksmusik und Brauchtum, Dr. Reinhard Baumgartner, lud zum gemeinsamen Singen an den einzelnen Mühlenstationen ein.
Schreiner eröffnete die Veranstaltung mit allgemeinen Informationen zu den Mühlen in der Region. Diese existieren nur noch imaginär, denn im Laufe der Jahre fielen sie alle dem Zerfall zum Opfer. Es herrscht ein regelrechtes Mühlensterben. Passend zum Thema sangen die Teilnehmer volkstümliche Lieder wie „Das Wandern ist des Müllers Lust“, „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ und „Ein Haderlump bin ich genannt“.
Zu jeder einzelnen Station erzählten Schreiner und Zöller beeindruckende Geschichten rund um das Thema Mühlen. Die ersten schriftlichen Nachweise dazu stammten aus dem Jahr 1350. Früher gab es insgesamt sechs Mühlen. Heute ist davon nichts mehr übrig. So gab es die Hofmühle, Sagmühle (heutiges E-Werk), Gstattmühl, Obermühle, Schicksholzmühle und die Jakobsmühle.
Ulrike Zöller erzählte christliche und mystische Hintergründe dazu, die für Gänsehaut sorgten. „Nicht nur zauberhaft schön sind sie, die alten Mühlen, die noch erhalten sind. Nein, ich meine das durchaus auch im Wortsinn. Das Mahlen und die Mühlen waren schon immer mit Zauber-, mit Gespenstern und Spuk verbunden“, berichtete Zöller. „Dutzende von Sagen erzählen von Teufeln, die mit dem Müller einen Pakt schließen, von Zauberspuk und unglaublichen Vorfällen“, setzte sie fort.
Dass Mühlen in vielerlei Hinsicht für die Menschen von großer Wichtigkeit waren und sogar einer Art Magie besaßen, wird in den Vorträgen sehr deutlich. „Man kann davon ausgehen, dass da, wo Bäche und Flüsse sind, früher auch mal Mühlen waren“, erklärte Schreiner, die vor etwa zehn Jahren den Verein gründete.
Dass Jettenbach nicht nur zu diesem Thema für Heimatfreunde interessant ist, wird schnell klar. Was die Geschichte allgemein und auch die Natur betrifft, hat das Dorf am Inn so einiges zu bieten. Bei dem Ausflug wurde unter anderem auch das Biotop besichtigt, an dem Wasserbüffel heimisch geworden sind.
Der letzte Streckenabschnitt führte zur ehemaligen Überfuhr am Inn, die es bis 1919 gab. Auch hierzu hatte Schreiner unterhaltsame Geschichten parat. Dann ging es weiter zum Schloss Jettenbach, über das es ebenfalls Faszinierendes zu erzählen gab. 1726 errichtete Ignaz von Törring ein Brauhaus auf dem Areal des Schlosses. 1855 brannte es bis auf die Außenmauern nieder und wurde mühevoll wieder aufgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten Flüchtlingsfamilien in dem Schloss. Heute ist es nicht mehr bewohnt.
Schreiner, Zöller und Baumgartner hatten unglaublich viele tolle Geschichten in ihrem Gepäck, die so manchen zum Staunen brachten. Die (Mühlen)Wanderung sorgte für große Begeisterung bei den Teilnehmern, denn sie war nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam.
Baumgartner brachte es am Ende der Veranstaltung auf den Punkt: „Wir machen diese Führungen, um die Heimat zu erhalten, sie zu kennen, zu lieben und zu gestalten.“ Heimat sei dort, wo wir zu Hause sind und dies sollte man bewusst wahrnehmen.