Jettenbach – Für ihn bedeutet die Jagd vor allem auch raus in die Natur, durch die Wälder streifen und die Schönheit der Tier- und Pflanzenwelt genießen. Bis 1978 wurde er von seinen Hunden, die speziell dafür ausgebildet waren, bei seinen Exkursionen begleitet. Seine Jagdgenossen auf vier Pfoten waren Deutsches Kurzhaar und Dackel. „Ich habe mir danach keinen Hund mehr zugelegt, weil ich älter wurde. Man hat ja schließlich auch die Verantwortung für sein Tier“, erzählt er.
Der rüstige Rentner wurde in die Jagd hineingeboren. Sein Vater und sein Urgroßvater waren Jäger und Forstwarte beim Grafen von Toerring. Ihr Arbeitsplatz waren die Wälder, die dem bayerischen Hochadel gehörten. Als 15-Jähriger machte er eine Ausbildung zum Waldarbeiter. „Die Kriegsjahre waren hart. Mein Vater war an der Front in Italien. Ich musste fortan die Arbeit der Erwachsenen übernehmen“, erzählt Hagn, der zum Glück nicht in den Krieg musste.
1952 legte er erfolgreich seine Jagdprüfung ab. Nachdem er seinen Jagdschein in der Tasche hatte, war er zwölf Jahre einem Jagdpächter in Freiham unterstellt. Danach hatte er seine eigene Jagd in Jettenbach. Ab 1968 brachte er anderen Jägern sein Fachwissen näher. Er war Jagdausbilder und hielt Kurse im Landkreis Mühldorf. Innerhalb von 20 Jahren bildete er insgesamt 300 Waidmänner aus.
Früher gab es noch nicht viele Jäger. Frauen waren in diesem Bereich Exoten. Das hat sich jedoch im Laufe der Jahre stark geändert. Heutzutage boome das Interesse an der Jagd. Der freundliche Senior, der seine Leidenschaft mit Herz und Verstand ausübt, hat die Veränderungen der Jahre extrem miterlebt.
„Früher war alles besser“, ist er sich sicher. „Der Wildbestand war größer. Treibjagden gibt es kaum noch, weil sehr viele Wildtiere der Landwirtschaft zum Opfer fallen. Sie werden von Mähdreschern getötet oder verstümmelt. Früher gab es spezielle Futterstellen für die Tiere, damit sie die harten Winter einigermaßen überstehen konnten. Das hat man vor vielen Jahren abgeschafft. Es sind auch viele Tierarten inzwischen vom Aussterben bedroht. So zum Beispiel die Pirole, die es zu meiner Zeit noch gab, als ich jung war“, bedauert Hagn. In seinen Jahren als Jäger hat er sehr viel gesehen und erlebt. Vor allem viel Trauriges.
Landwirtschaft und der starke Verkehr auf den Straßen seien für Wildtiere eine tödliche Gefahr. Doch wer denkt, dass Jagen nur das Töten von Tieren bedeutet, irrt sich. „Zu meinem Aufgabengebiet gehört unter anderem auch die Kontrolle des Tierbestandes, Feststellen von Verbissen und das Erlösen kranker Tiere. Bei Verbissen muss ich einen blauen Verbiss-Schutz an dem Terminaltrieb anbringen. Die Pflanzentriebe müssen geschützt werden. Man wird auch hin und wieder mal von Landwirten verständigt, wenn eine Ricke ihr Rehkitze im hohen Gras versteckt hat. Dann muss dafür gesorgt werden, dass es vor den Mähmaschinen der Bauern geschützt wird. Auch die Polizei rief mich oft bei Wildunfällen um Hilfe“, erzählt der Jettenbacher. Bei der Jagd gibt es sehr strenge Regeln. Wer keinen Jagdschein hat, darf nicht jagen. Das wäre sonst Jagdwilderei. Auch die Schonzeiten und Schusszeiten müssen streng eingehalten werden.
Hagns Wissen rund um die Tierwelt der Wälder ist erstaunlich. Vor allem zeigt er, dass sein Herz für seine Rehe, Wildschweine, Füchse, Hasen und Co. schlägt. Wer denkt, dass er sich mit seinen 90 zur Ruhe setzt, irrt sich. Noch heute zieht es ihn raus in die Forste. „Wenn ich dann auf meinem Hochsitz sitze, kann ich die Natur genießen. Ich liebe es, die Tiere zu beobachten. Der Wald bietet mir Ruhe, Erholung und Entspannung. Schießen tue ich nur noch sehr wenig“, erzählt er.
Sein Sohn ist als Jäger in die Fußstapfen getreten. . Hagns Ehefrau findet es in Ordnung, was ihr Mann macht, denn genauso hat sie ihn kennengelernt.