Mia san mia

von Redaktion

Waldkraiburg war schon immer etwas anders und deshalb leben wir ein urbayerisches Motto auch ein bisserl anders als die andern. Mia san mia. Das kann bedeuten, dass der Bürgermeister dieser Stadt, eigentlich ein Mann mit preußisch-fränkischen Wurzeln, mit einigen anderen Stadträten kurzerhand als Siebenbürger Sachse beim Heimattag in Dinkelsbühl durch die Stadt marschiert. Mia san mia – und gehören zusammen. Ein schönes Zeichen, das zu Waldkraiburg passt.

Wer sollte sich denn daran stören in einer Stadt, in der der langjährige, mittlerweile verstorbene Vorsitzende der Ost- und Westpreußen ein waschechter Schwabe war. Und Walter Weiß, der wie kein anderer mit dem Böhmerwald identifiziert wird – so lange ist er schon Vorsitzender dieses Heimatvereins – selbst nicht vom Woid dahoam ist, sondern aus Südmähren stammt.

Mia san mia. Die Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft hat nicht nur eine Menge vor, sondern geht es jetzt auch öffentlich sichtbar an. An der Berliner Straße geht es endlich los mit dem neuen Wohn- und Bürohaus. Rund 40 Millionen Euro werden dort und am Iserring verbaut. Die Genossenschaft – so versteht sie sich – will zu den Treibern und Trägern der neuen städtebaulichen Entwicklung in Waldkraiburg gehören.

Dass es auf dem Grundstück in der Berliner Straße nach dem Abriss der alten Mietshäuser ein Jahr lang gedauert hat, bis die Baumaschinen auffuhren, hat der Genossenschaft Kritik, zum Beispiel vom benachbarten Einzelhandel, eingetragen. In zwei Jahren, wenn das Gebäude steht, wird niemand mehr drüber reden. Und jeder wird sich drüber freuen, dass es an dieser exponierten Stelle so viel besser ausschaut als früher. Nach Stadt eben. Endlich.

Als Stadt im Grünen ist Waldkraiburg auch fauna-technisch immer für Überraschungen gut. Was da alles kreucht und fleucht! Schlingnattern zum Beispiel. Vermutlich Zuwanderer aus dem Inntal. Tragen einen einschüchternden Namen. Schauen respekteinflössend aus. Sind aber völlig ungefährlich. Selten, aber harmlos.

In Waldkraiburg schaut ja manchmal was gefährlicher aus, als es dann tatsächlich ist. Selbst die kommunalpolitischen Auseinandersetzungen halten sich kein Jahr vor den Wahlen im Rahmen.

Da geht es bei den Nachbarn drunten im Inntal, mit denen man den Namen teilt, schon anders zur Sache. Da gab‘s neulich Zoff im Gemeinderat. Wegen des Kuchenverkaufs bei der Sommernacht. Und selbst die Aussicht, dass die Förderung fürs Naturbad nochmal deutlich höher ausfallen könnte als erwartet, löst im Marktgemeinderat derzeit nicht kollektiven Jubel aus, sondern Diskussionen. Solche Nachrichten hätten andere gern. Werden in Kraiburg aber schon beginnenden Kommunalwahlkampf überschattet. Mia san mia und gehören zusammen, würde da manchmal gar nicht schaden.

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