Gars – Er ist ein Traumtänzer: Josef Zenz, Inhaber von Zenz Landtechnik, tritt in einer von ihm mitgegründeten Männergarde auf. Seit 1996 besteht die Truppe – immer in anderer Besetzung und auch mit einigen Jahren Pause. Zenz ist der Einzige, der fast immer mitgetanzt hat – natürlich in Frauenkleidern.
„Mit Freunden sind wir im Sommer immer in den Bergen Rad gefahren“, berichtet Zenz über den Beginn seiner Tanzkarriere. „Und dann haben wir überlegt, was wir im Winter machen können, damit wir im Frühjahr nicht so untrainiert sind.“ Es kommt die Idee zu tanzen auf. Dem Landmaschinentechniker fällt ein, dass seine beiden Töchter im Ballett sind. Deren Ballett-Lehrerin wird gefragt und sagt begeistert zu, beim Training zu helfen. „Das war zuerst richtig mit Spitze, Hacke und Plié. Alles musste exakt und synchron sein. Monate haben wir geübt, bis wir mit einem Teil von Schwanensee auftreten konnten“, erinnert sich Zenz.
Der erste Auftritt habe ganze 58 Sekunden gedauert. „Aber wir waren schon damals eine sehr spaßige Truppe.“ Und so geht es weiter in Richtung Showtanz. Erst die ältere, dann die jüngere Tochter von Gründungsmitglied Zenz trainiert die Männer zwischen 25 und 60 Jahren. Und einmal im Monat geht es zum Weißwurstfrühstück. Hier treffen Alt-Traumtänzer auf die Aktiven.
„Der Bart kommt ab oder du darfst nicht tanzen“, verdeutlicht Zenz eine wichtige Regel der Männergarde. „Das mussten wir einem Tänzer gleich zu Beginn unserer Traumtänzer-Zeit deutlich sagen. Aber so halten wir es immer noch.“
Auch Haare auf Brust und unter den Armen müssen vor der Auftrittssaison wegrasiert werden, berichtet Zenz: „Wie sieht denn das sonst aus?“ Und dann wird geschminkt. Das machen die Männer jedoch nicht selber. „Das können wir nicht“, behauptet der Tänzer. „Da lassen wir uns von den Frauen pimpen.“ Und so begleitet nicht nur die Trainerin, sondern auch so manche Ehefrau die zehn Herren zu jedem Auftritt. Dieses Jahr macht Zenz zwar aufgrund einer Verletzung nicht mit: „Ich hoffe aber, dass ich wieder weitermachen kann. Und das so lange, wie ich es gesundheitlich und konditionell schaffe.“
Besonders gut kämen die Auftritte beim Weiberfasching an, berichtet der Handwerker. „80 Kilogramm und mehr – mit Bauch: Das finden die Frauen sehr lustig.“ Auch in Altenheimen begeistere die Gruppe stets. Und nicht immer bleiben sie alleine auf der Bühne: „Es ist schon einmal eine Seniorin aufgestanden und hat mit uns getanzt“, resümiert Zenz.
Geboren ist er im Garser Ortsteil Lengmoos. „Mit meiner Geburt war besiegelt, dass ich das Landmaschinen-Geschäft übernehme“, sagt Zenz, der immer noch in seinem Geburtshaus wohnt. „Bei meinen Kindern habe ich es anders gemacht. Meine Frau und ich haben immer gesagt, wir freuen uns, wenn den Betrieb jemand übernimmt. Jedoch haben wir jeden Zwang vermieden.“ Doch inzwischen hat der Sohn seinen Industriemeister und eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker im väterlichen Betrieb absolviert.
Er verkauft und repariert Traktoren und Landmaschinen. Ende der 1980er-Jahre, als viele Landwirte ihren Betrieb auflösten und den Markt mit alten Arbeitsmaschinen überfluteten, hat sich der Geschäftsmann Zenz ein zweites Standbein aufgebaut: mobile Bandsägen, mit denen sich im Wald an Ort und Stelle die Bäume für Sägewerke aufbereiten lassen. Mit dieser Art von Sägen habe das Lengmooser Unternehmen ein Nischenprodukt, berichtet Zenz. Sogar Sägewerke in Mexiko und Äthiopien nutzen die Garser Produkte.
Doch nicht immer hat Zenz im beschaulichen Lengmoos gewohnt. Sechs Jahre arbeitete er in München in einem Ersatzteilgroßhandel und machte eine Ausbildung zum Organisationsprogrammierer an einer Abendschule. „Es war gut, einmal raus zu kommen und Erfahrungen auf der Arbeitnehmerseite zu machen“, sagt der Handwerksmeister.
Wenn Zenz nicht arbeitet oder tanzt, reist der 60-Jährige gerne mit seiner Frau um die Welt und fotografiert seine Reiseziele. Er ist also nicht nur ein Traumtänzer, sondern auch jemand, der sich den Traum vom Reisen erfüllt.