Gars – In Mittergars sollen „ab dem Fahrplanwechsel im Dezember“ keine Züge der Südostbayernbahn mehr halten. Der Hauptgrund: Die Haltestelle wird nur noch von sehr wenigen Fahrgästen genutzt. Das teilte der Garser Bürgermeister im Rahmen der Sitzung des Gemeinderates mit.
Immer mehr Menschen in Deutschland fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Linienverkehr der ÖPNV-Nutzung erreicht eine Rekordmarke. Das ist offenbar nicht überall der Fall. Denn: In Mittergars sind die Fahrgastzahlen rückläufig und das hat Konsequenzen. Auf der Strecke Mühldorf-Rosenheim ist Mittergars eine sogenannte Bedarfshaltestelle.
Bahnstrecke wird demnächst neu ausgeschrieben
Ab Dezember sollen die Züge der Südostbayernbahn an der Mittergarser Haltestelle nicht mehr halten. „Unter anderem wegen der geringen Anzahl an Fahrgästen, die hier zusteigen“, sagt der Garser Bürgermeister Norbert Strahllechner (FW), der auf dem kurzen Dienstweg vom Landratsamt vorgewarnt wurde. Eine offizielle Bekanntgabe seitens der Südostbayernbahn gibt es nämlich noch nicht; die Antwort der Pressestelle ist bis Redaktionsschluss nicht eingegangen.
Doch die geringe Zahl der Passagiere, die in Mittergars zusteigen, ist offenbar nicht der einzige Grund. „Es gibt in Mittergars auch Sicherheitsprobleme mit den Zu- und den Einstiegen – baulicher Natur. Da die Bahnstrecke demnächst neu ausgeschrieben wird, hat die Südostbayernbahn – nach meinen Erkenntnissen – diese Arbeiten erst einmal zurückgestellt. Denn, um diese Probleme zu beheben, müsste die Südostbayernbahn doch eine beträchtliche Summe Geld in die Hand nehmen“. Deshalb sei das Vorgehen der Südostbayernbahn nachvollziehbar. Grundsätzlich bedauere er allerdings, dass die Haltestelle „quasi vom Netz“ genommen werde. Ein Dauerzustand soll das aber nicht werden, jedenfalls, wenn es nach dem Bürgermeister geht. „Natürlich müssen wir an diesem Thema dranbleiben. Wir hoffen, dass die Südostbayernbahn die notwendigen Investitionen umsetzt und dass die Haltestelle in Mittergars in ihrer ursprünglichen Funktion erhalten bleibt“. Allerdings, und auch das macht der Gemeindechef deutlich, „vorschreiben können wir das der Südostbayernbahn natürlich nicht“.
Für die Fahrgäste, die in Mittergars zusteigen, heißt die neue Regelung erst einmal: zusätzliche Kilometer auf der Straße. Allerdings müsse man „die Kirche schon im Dorf lassen“, so Strahllechner. „Wenn ein Angebot – wie offenbar in diesem Fall – von der Bevölkerung nur schlecht angenommen wird, ist dieser Schritt durchaus nachvollziehbar. Zudem seien die nächsten Zustiegsmöglichkeiten nicht aus der Welt. „Die Bahnhöfe in Jettenbach und in Gars sind nur knappe drei Kilometer entfernt“, erklärt Strahllechner. Während in Gars-Bahnhof normaler Zugtakt herrscht und jeder Zug hält, ist auch in Jettenbach nur eine Bedarfshaltestelle. Allerdings hält der Zug aus Richtung Rosenheim kommend neunmal am Tag und aus Richtung Mühldorf kommend elfmal am Tag – aber nur „auf Ansage“. Beim Einsteigen sagt man also dem Fahrer im Triebwagen, dass man in Jettenbach aussteigen möchte.
Oder wer in Jettenbach am Bahnsteig wartet und winkt, kann dem Fahrer, der mit verminderter Geschwindigkeit durch den Bahnhof fährt, signalisieren, dass man mitfahren möchte.
Sechs neue
Parkplätze für Autos
Vor allem der Bahnhof in Gars sei stark frequentiert, sagt Strahllechner, „das stelle ich immer wieder fest, wenn ich mit dem Zug unterwegs bin“. Aufgrund der hohen Fahrgastzahlen werde in Gars die Park & Ride-Anlage ausgebaut. Heißt im Detail: Sechs neue Parkplätze für Autos, zwölf neue Stellplätze für Räder. „Die Aufträge dafür sind bereits vergeben“, sagt Strahllechner, „die Arbeiten sollten noch im Juli begonnen werden“. Künftig stehen den Bahn-Passagieren in Gars dann 20 Pkw-Stellplätze zur Verfügung.